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Wenn französische Ingenieure mit deutschen zusammen arbeiten: der Fall Renault und Daimler Benz

6. September 2012

Wie wäre es, bei einem französischen Unternehmen angestellt zu sein, aber in Deutschland zu arbeiten? Beziehungsweise andersherum? Für mehrere Ingenieure von Renault und Daimler Benz ist dieses Szenario Realität, die Autobauer machen gemeinsame deutsch-französische Sache. So wollen sie zum einen die Kosten für die Entwicklung der Fahrzeuge senken, zum anderen aber auch Entlassungen vermeiden.

Die rückläufigen Verkaufszahlen haben die Autohersteller dazu gebracht, ihre Entwicklungsingenieure zusammenarbeiten zu lassen. Daimler Benz fährt mit seinen Marken wie Mercedes oder Smart noch an der Krise vorbei, ist aber in den generell angespannten Zeiten selbst darauf aus, vom Wissen anderer und vielleicht auch weniger erfolgreicher Marken zu profitieren; denn das spart Kosten. „Wir arbeiten mit Ingenieuren von Renault zusammen, um zwei neue Autos zu bauen, die 2014 auf den Markt kommen sollen", sagt Smart-Chefin Annette Winkler. Die Wagen, von denen sie spricht, sind die künftigen Versionen der Modelle Fortwo (das Standardmodell von Smart) und des Fünftürers Forfour.

In der Praxis sieht das so aus: Dutzende Ingenieure aus dem Entwicklungsstandort Technocentre Renault bei Paris arbeiten direkt für die Deutschen, die dadurch ihre Kapazitäten am eigenen Forschungs- und Entwicklungsstandort in Böblingen nicht extra aufstocken mussten. „So blieb es uns erspart, Mitarbeiter bei der Konkurrenz abzuwerben. Das ist ein Vorgehen, das wir ohnehin missbilligen," so Annette Winkler.

Technologietransfer

Aber worin besteht nun das Interesse von Renault, sich an diesem Kompetenzaustausch zu beteiligen? Für die Franzosen ist dies ein guter Weg, um in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit keine Angestellten entlassen zu müssen. „Allerdings ist es auch eine gute Gelegenheit für Renault, ein neues Auto zu geringeren Kosten zu entwickeln", sagt Pitt Moss, Marketingdirektor von Smart. So dient der zum Teil im französischen Technocentre entwickelte Forfour als Basis für den künftigen Renault Twingo.

Durch diesen von Smart angestoßenen Mitarbeiter- und Verfahrensaustausch profitiert im Übrigen auch die große Smart-Schwester Mercedes. Die Marke hat ebenfalls ein Abkommen mit Renault geschlossen. Nun arbeiten Dutzende französischer Ingenieure und Fahrwerksspezialisten mit ihren deutschen Kollegen an der nächsten Limousine aus Stuttgart. Die wiederum könnte in Zukunft als Grundlage für einen Oberklassewagen von Renault dienen.

Natürlich müssen am Ende die Unterschiede immer noch deutlich genug sein, damit die Kunden einen Smart nicht mit einem Twingo verwechseln oder einen Mercedes mit einem Renault. Das ist aber dann die Aufgabe der Designer und Marketingspezialisten - in diesen Bereichen allerdings kommt ein Fachkräfteaustausch wohl nicht in Frage.

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