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Deutsch-französische Expats : eine Lebenswahl

9. September 2011

Die "Expats" haben sich verändert. Franzosen in Deutschland und Deutsche in Frankreich entsprechen immer weniger der klassischen Definition des Auswanderers: Arbeitnehmer in einem Unternehmen, der für eine bestimmte Zeit ins Ausland entsandt wird. Im deutsch-französischen Sprachraum, bedeutet die Expatriierung eine bewusste Wahl im Leben. Die Auswanderer sind nicht mehr auf Ihre Arbeitgeber angewiesen und an das Herkunftsland gebunden. Und sie sind freier in der Entscheidung auf welcher Seite der Grenze sie sich beruflich entwickeln wollen.

Dies ist das Ergebnis einer Umfrage, durchgeführt auf Connexion-Emploi, an welcher insgesamt 576 Personen ( 45% Männer, 55% Frauen) beider Nationalitäten teilgenommen haben. Die Befragten sind eher jung und gut ausgebildet: 54% unter ihnen sind zwischen 25 und 35 Jahren alt, 59 % besitzen das Abitur mit anschließendem 5-jährigen Studium (Bac+5), 65% beherrschten bei ihrer Ankunft im anderen Land die beiden Sprachen auf bilingualem Niveau.

Lust die Heimat zu verlassen

Die Intensivierung der Austausche innerhalb Europas verpflichten: der "klassische" Status des entsandten Arbeiters oder Expatriierten eines Unternehmens im Ausland ist mittlerweile zur Ausnahme geworden. Gerade einmal 10% der befragten Personen entsprechen dieser Kategorie, während 68% angeben bei einem lokalen Unternehmen tätig zu sein. Dazu sind die Firmen in der Regel eher mittlerer Größe und keine Konzerne: Gerade einmal 29% der Befragten geben an für ein Unternehmen, das mehr als 1000 Mitarbeiter beschäftigt, zu arbeiten. Im Vergleich dazu sind 49% der Befragten in KMU tätig. Auch wenn sie dabei zumeist gut verdienen (47% der Befragten verdienen mehr als 45000 Euro im Jahr) geben nur 3% der Personen an, ihr Herkunftsland wegen eines attraktiveren Gehalts verlassen zu haben. Die Expatriierung erklärt sich vor allem durch die Lust auf Veränderung und entspricht eher einer Lebenswahl als einer Entscheidung im Sinne der Karriere: in der Tat geben 38% der befragten Personen an, ihr Land aus Lust verlassen zu haben oder zur persönlichen Bereicherung, 19% der Befragten haben ihr Land verlassen um ihrem Partner zu folgen, nur 11% waren dabei an einer neuen beruflichen Herausforderung interessiert und 17% waren daran interessiert sich in puncto Karriere weiterzuentwickeln.

Eine bessere Integration des Partners

Die Familiensituation der Auswanderer hat sich ebenso gewandelt. 70% der Befragten geben an verheiratet zu sein oder in einer Partnerschaft zu leben, 40% davon geben an sich im neuen Land kennengelernt zu haben. Im Gegensatz zu der Zeit als sich ein Auswanderer, zumeist männlich, im Ausland mit seinem Partner, welcher nur selten ebenfalls berufstätig sein konnte, niederließ, sind beide Partner mittlerweile in der Regel aktiv. Gerade einmal 14% geben an, dass ihr Partner nicht arbeitet. Dies ist eine logische Folge, da das klassische Problem der Integration des Partners heute selten im deutsch-französischen Sprachraum auftritt: Nur 8% der befragten Personen geben an mit diesem Problem konfrontiert zu sein. Wenngleich der Aufbau eines Freundeskreises bei der Ankunft eines der hauptsächlichen Probleme bleibt (51%), wird der Empfang seitens der Einheimischen als zufriedenstellend bewertet (55%), gar sehr erfreulich (30%), ebenso wie der Empfang im Unternehmen.

30% möchten nicht zurückkehren

Die Expatriierung ist somit heutzutage zu einer persönlichen Entscheidung geworden und somit Teil der Lebensplanung. Im Übrigen ist die Perspektive bezüglich der Rückkehr unklar: 51% der befragten Personen planen mit einem Aufenthalt von "mehr als 10 Jahren", 38% denken "in einigen Jahren" in ihr Herkunftsland zurückzukehren, während 30% eine Rückkehr komplett ausschließen. 96% der Befragten sind eher zufrieden oder gar sehr zufrieden mit ihrem Leben im Ausland.

Administrative Komplikationen stets vorhanden

Im deutsch-französischen Raum, wird das Ausreiseland immer seltener als "Ausland" angesehen und das "Herkunftsland" ist nicht immer jenes, in welches man notwendigerweise eines Tages "zurückkehren" müsste. Diese Feststellung ist erfreulich und bestärkt den europäischen Gedanken. Allerdings mit einem Dämpfer: 22% der Befragten sehen die administrativen Komplikationen als eines der hauptsächlichen Probleme, noch vor der sprachlichen Hürde (11%). Ein Zeichen dafür, dass die Aufhebung der Grenzen innerhalb der EU wohl noch ein Weile eine Baustelle bleiben wird.

Cécile Boutelet

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