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Vorlesungen und Gruppenarbeit: Unterschiedliche Lehrtraditionen in Deutschland und Frankreich



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Input hoch zehn, das ist die Devise im französischen Studium. Der Professor, als absolute Autorität, wird höchstens dann hinterfragt, wenn er meilenweit außer Hör- und Sichtweite ist. Er steht vorn im „Amphi", dem Hörsaal, und doziert. Mediale Unterstützung durch Power Point oder Folien auf dem Tageslichtprojektor? Fehlanzeige. Vorlesung kommt schließlich von Vorlesen. In rasendem Tempo schreiben die französischen Studenten mit. Ob am Laptop oder per Hand, möglichst wortwörtlich werden die Sätze des großen Meisters notiert, Abkürzungen machen's möglich.


Schließlich wird diese Methode auch schon von klein auf trainiert. Während deutsche Schüler in Gruppenarbeit Präsentationen vorbereiten, die sie anschließend vor der Klasse halten, bleibt in Frankreich der Frontalunterricht die Regel. Ob an der Uni oder in der Schule, die Stoffmenge ist bei der Einbahnstraßen-Methode von Lehrer zu Schüler oder Student sicher höher. Wie viel davon hängen bleibt, ist eine andere Frage...


Reflexion, Diskurs und Diskussion werden zunächst eher selten von studentischer Seite erwartet. Wo in deutschen Seminaren oft hitzige Debatten laufen, jeder seinen mehr oder weniger reflektierten Senf abgibt, spielen sich französische Debatten höchstens in der Mensa oder beim Abendessen ab. Auch bei der Kurswahl ist die Entscheidungsfreiheit mehr als bescheiden. Abgesehen von wenigen Wahlkursen bekommt man zu Semesterbeginn einen Stundenplan in die Hand gedrückt.


Das selbständige Nachdenken im universitären Rahmen wird erst in der Prüfung erwartet. Da aber in einer ausgesprochen ausgefeilten Form. Statt einer Liste einzelner Fragen oder sogar vorgegebenen Multiple-Choice-Ankreuz-Aufgaben wird den französischen Studenten ein einzelnes Thema serviert (bei gnädigen Dozenten eventuell zwei oder drei zur Auswahl). In drei Stunden muss dann jeder eine „Dissertation", eine Art diskursiven Aufsatz verfassen, der einer klar definierten Logik folgt: In der Regel drei Teile mit je drei Unterteilen, die einander problematisierend gegenüberstehen sollen. Und natürlich jeder Teil gleich lang, „équilibré". Eine gewöhnungsbedürftige Methode, von der sich aber so manche unstrukturierte deutsche Studentenpräsentation eine Scheibe abschneiden könnte.


TEXT: SANDRA KÖSSLER