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Studienalltag in Frankreich

Erasmus in Frankreich: Mit viel Glück in einer schönen Stadt am Meer. Endlich ist die Zusage da. Na dann kann's ja losgehen! Kofferpacken, rein in den Zug, das Flugzeug oder ins Auto und ab geht die Post.

Bei der Ankunft zeigt sich dann der Grad der Vorplanung. Manche können direkt ins Wohnheim, um ihre fürstlichen neun Quadratmeter zu beziehen. Andere haben sich vielleicht schon von Deutschland aus ein WG-Zimmer oder ein Studio (Ein-Zimmer-Appartment) organisiert, für alle anderen heißt es: ab ins Hotel oder in die Jugendherberge. Die Wohnungssuche in Frankreich ist schwieriger, wenn man sich auf das Abenteuer „Nicht-ins-Wohnheim" einlässt, die WG-Kultur ist weniger ausgeprägt. Auch ist man zunächst von den Preisen schockiert, ein Studio kann leicht 500 € kosten.

Doch sobald man sich eingerichtet und umgehört hat, erfährt man: Es gibt staatliches Wohngeld in Frankreich. Die berühmte CAF (Caisse des Allocations Familiales) zahlt allen, die antragsberechtigt sind (und dazu gehören zum Glück auch alle Studenten aus der EU), abhängig vom eigenen Einkommen und dem Mietpreis nicht unbeträchtliche Mietanteile. Der Kampf durch die Formulare lohnt sich also selbst für einige wenige Monate und mittlerweile geht das ganze sogar online. Wichtig ist allerdings: Man braucht ein französisches Konto, um das Geld zu erhalten.

Abhängig von den einzelnen Fakultäten beginnen die Vorlesungen zeitlich versetzt, während die Juristen schon zum ersten Mal wieder Ferien haben, ist es gut möglich, dass das Semester der Mediziner gerade erst beginnt. Wichtig für Erasmus-Studenten sind die Sprachkurse, meist gibt es vorbereitende und semesterbegleitende Kurse (vor allem letztere sind in der Regel bezahlbar).

Unis und das Studentenleben scheinen ein europaweit relativ vergleichbares Phänomen zu sein. Große Bedeutung wird dem Verzehr von Kaffee auf dem Campus beigemessen, auch das alltägliche Mensa-Ritual ist in Frankreich ebenso vertreten wie in Deutschland. Wobei es in Frankreich noch viel mehr Spaß macht. In Caen beispielsweise zahlt jeder mindestens 2,85 €, allerdings ist dies der Preis für Vor-, Haupt- und Nachspeise. Qualität und Auswahl sind in der Regel ausgezeichnet, Avocado, Paella und Crème Brulée sind ein ganz normales Mittagessen. Wer mehr Hunger hat, zahlt natürlich mehr.

Vorlesungen in Frankreich dagegen sind eine recht beeindruckende Erfahrung, zumindest zu Beginn. Alle Studenten erscheinen pünktlich (und das im Land der akademischen Viertelstunde Verspätung). Wenn der Professor erscheint herrscht zumindest halbwegs Ruhe. Kaffeebecher oder das mitgebrachte Frühstück sieht man nirgends. Dagegen ist jeder minutiös vorbereitet: Mehrere Bögen Papier, Stifte in verschiedenen Farben oder den Laptop im Anschlag warten alle auf das erste Wort.

Kaum einer der Professoren hält es für nötig ein Bonjour an seine Hörerschar zu richten. Vielmehr beginnt der zweistündige „Cour magistral" ohne Ankündigung. Und dann heißt es: die Ohren gespitzt und losgeschrieben. Denn die französischen Studenten notieren jedes Wort, ja wirklich jedes Wort, das vom Dozenten ausgesprochen wird. Ein über die Jahre immer kunstvoller ausgearbeitetes Abkürzungssystem hilft dabei, halbwegs Schritt zu halten (aber einfach mal die Notizen von seinem Nachbarn zu kopieren, wird so natürlich unmöglich). Eine Vorlesung dauert in der Regel 120 Minuten, gnädige Professoren lassen die Studenten nach einer Stunde kurz durchatmen und die verkrampften Handgelenke lockern, hier hat man in der Regel schon circa 10 Seiten geschrieben.

Erasmus-Studenten sitzen mit einem doofen Grinsen da, mit etwas Glück haben sie verstanden worüber der Prof gesprochen hat, doch notiert? Ein, vielleicht zwei Wörter oder die Überschriften. Erst mit der Zeit eignet man sich ein eigenes Abkürzungssystem an, das man dann noch mit der deutschen Kunst des Stichpunkte-Machens kombiniert, so kann man halbwegs folgen.

Doch wenn man einen französischen Studenten fragt, was er die letzten 120 Minuten notiert hat, sagt dieser meist: Keine Ahnung, muss ich erst nochmal lesen. Denn mitgedacht hat hier logischerweise keiner.

Weitere praktische Informationen zum Studentenleben finden Sie hier: letudiant.fr