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Monaco: Spagat zwischen Wachstum und Umweltschutz

18. September 2013

Fürst Albert verpasst dem kleinen, reichen Felsenstaat am Mittelmeer ein Öko-Image- ein neues Landgewinnungsprojekt soll so umweltschonend wie möglich umgesetzt werden. TEXT: BIRGIT HOLZER



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Als Fürst Albert an der Seite von Charlene Wittstock am 2. Juli 2011, dem Tag ihrer Hochzeit, durch die Straßen von Monte Carlo fuhr, hatte er dafür nicht irgendein Auto ausgewählt. Das frisch getraute Paar saß in einer weißen Limousine mit Hybrid-Antrieb und damit deutlich reduziertem CO2-Ausstoß.


Sternekoch Alain Ducasse zauberte ein Bio-Menü mit Zutaten aus der Region. Und statt überflüssiger Hochzeitsgeschenke wünschte sich das Fürstenpaar Geldüberweisungen auf ein extra eingerichtetes Konto, die an gemeinnützige Vereine gespendet wurden. Selbstlos, vorbildlich, umweltbewusst - das ist das Bild, das Albert von Monaco abgeben will. Seit dem Tod seines Vaters Rainier III. im April 2005 regiert er als Oberhaupt der Grimaldi-Familie den Zwergenstaat an der Côte d'Azur, der nach dem Vatikan der kleinste von Europa ist. Albert schafft damit einen Kontrast zum bisherigen Image Monacos, das als eines der wohlhabendsten Länder der Welt mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 54000 Euro pro Einwohner für Glamour und Verschwendung steht.


Selbst wenn Monaco ins Meer wächst, tut es das so ökologisch wie möglich - und kommuniziert das auch so. Der Zwergenstaat, der mit seinen 35000 Einwohnern auf nur zwei Quadratkilometern kaum mehr über freie Bauflächen verfügt, plant ein neues Landgewinnungsprojekt. Bis 2024 entstehen auf einer Fläche von knapp sechs Hektar, die dem Mittelmeer abgetrotzt wird, mehrstöckige Gebäude mit Luxus-Wohnungen, Büros und Geschäften, Parkhäuser unter dem Meeresspiegel und ein Yachthafen.


Ein „Ökoviertel" soll es werden, dem Wunsch von Fürst Albert entsprechend, der seit dem Tod seines Vaters Rainier III. im April 2005 auf dem „Felsen" regiert. Aus dem Einsatz für Umweltschutz und Nachhaltigkeit hat das 55-jährige Oberhaupt der Grimaldi-Familie eine offizielle Priorität gemacht. Wenn bis Ende des Jahres ein Investor für das Milliardenprojekt ausgewählt wird, sei der Umweltschutz-Aspekt das wichtigste Kriterium, betonte Ministerpräsident Michel Roger bei der Vorstellung der Pläne. Die neue künstliche Halbinsel wird in unmittelbarer Nähe zum Naturschutzgebiet Larvotto und der Spélugues-Grotte liegen. Dort befinde sich eine reiche Artenvielfalt, die bewahrt werden müsse, versicherte Umweltministerin Marie-Pierre Gramaglie. Bereits Rainier III, bekannt als „Bau-Fürst", hatte Mitte der 60er Jahre Land vor der Küste aufschütten, dort auf 22 Hektar den Stadtteil Fontvieille errichten und einen Anlegeplatz für Kreuzfahrtschiffe bauen lassen. Auch Albert stieß bereits 2005 ein Vergrößerungsprojekt an, das im Zuge der Finanzkrise 2008 wieder zum Erliegen kam.


„Monaco hat die Krise hinter sich gelassen, wir stehen wieder auf soliden Fundamenten", erklärte nun Ministerpräsident Roger. Seit Alberts Amtsantritt hat Monaco zwei Seiten: Auf der einen Seite erfreut es sich einer florierenden Wirtschaft, gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Welt und zieht Superreiche an, da es keine Steuern auf Einkommen, Vermögen und Kapitaleinkünfte erhebt. Erst 2009 strich die OECD es von der Grauen Liste der Steueroasen, da es sich zum Informationsaustausch bereit erklärte. Der Felsenstaat ist berüchtigt für seinen luxuriösen Yachthafen, sein Spielcasino, das Formel 1-Rennen „Großer Preis von Monte Carlo" und das Internationale Zirkusfestival.


Andererseits hat sich Albert den Beinamen „Öko-Fürst" erworben, seit er mit seiner eigenen Stiftung für Umweltschutz und Nachhaltigkeit offensiv auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam macht. Sie setzt sich für den Schutz von Wasser und Artenvielfalt ein, fördert Projekte im Mittelmeerbecken, in den Polargebieten und in Entwicklungsländern. Der Verbund Monaco Développement Durable (MC2D) fasst diverse Organisationen unter einem Dach zusammen; davon abgesehen sucht man unabhängige Umwelt- schutz-Vereine in Monaco vergeblich.


Albert, den das UN-Umweltprogramm UNEP 2008 als „Champion der Erde" auszeichnete, bemüht sich auch um konkrete Projekte in seinem kleinen Reich. So verfolgt das Rathaus von Monte Carlo Programme zur Wiederaufforstung, stellt kostenlose Parkplätze für Elektroautos zur Verfügung und ersetzt alle öffentlichen Fahrzeuge durch Gefährte mit Hybrid- oder Elektroantrieb. Die Hafenverwaltung von Monaco überprüft seit 2006 ständig die Wasserqualität und organisiert die Rücknahme von Altölen und Schmutzwasser.


TEXT: BIRGIT HOLZER