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Beispiel eines französischen Start-up-Unternehmens mit patriotischen Unterhosen

Der Jungunternehmer Guillaume Guibault hat vor zwei Jahren den Slip français auf den Markt gebracht. Die blau-weiß-rote Unterwäsche ist ein enormer Marketingerfolg, und 100 % made in France. TEXT: ROMY STRASSENBURG



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Die Unterhosen stapeln sich auf meinem Schreibtisch und jede Woche muss ich neue Modelle testen." Der Job von Jungunternehmer Guillaume Guibault spielt sich zuallererst unter der Gürtellinie ab. Unterhosen sind sein Kapital. Aber nicht irgendwelche. Sie heißen der Furchtlose, der Tapfere, Alphonse, Emile oder Marcel. Es gibt sie in den Farben der französischen Flagge blau, weiß und rot und sie alle tragen das Label made in France. Vor zwei Jahren gründete der 28-jährige Absolvent einer Business-Schule das Start-Up-Unternehmen Le slip français. Das Konzept: Alle Slips werden vollständig in Frankreich hergestellt. Darüber hinaus können die neuesten Modelle dank duftender Mikrokügelchen im Stoff sogar unangenehme Gerüche mindern... Mittlerweile arbeitet Guibault mit fünfzehn Subunternehmen in ganz Frankreich zusammen, die seine Slips herstellen, denn made in France gehört zum Marketingkonzept, auch wenn damit höhere Produktionskosten als im Ausland verbunden sind. „Mit der Herstellung in Frankreich setzen wir auf die traditionelle Idee von heimischer Qualität. Doch auf der anderen Seite funktioniert unser Vertrieb fast ausschließlich über soziale Netzwerke. Somit sind wir modern und traditionell gleichermaßen. Ich würde mich freuen, wenn wir mit diesem Modell als Vorbild für andere Firmengründungen dienen könnten."


Wie viele Start-Up-Unternehmer legte Guibault jede Menge Kreativität an den Tag, um sein Unternehmen ins Rollen zu bringen. Für den „Slip, der gut riecht" startete er eine Crowdfunding-Kampagne und sammelte über 22000 Euro, mehr als doppelt so viel Geld, wie zuvor veranschlagt worden war. Den großen Erfolg hat der Jungunternehmer vor allem dem Internet zu verdanken. Während der Präsidentschaftswahlen 2012 holte er sich unfreiwilligen Beistand der großen französischen Politik. Le changement (du slip), c'est maintenant, ließ Francois Hollande auf seinen gekaperten Werbeplakaten verkünden. Nicolas Sarkozy versprach, beschlüpfert alles möglich zu machen: En slip, tout devient possible! Und Linkenpolitiker Luc Melenchon rief gar zur Slip-Machtergreifung auf. Die schlüpf(er)rigen Poster erfreuten sich größter Beliebtheit und kursierten wochenlang in den sozialen Netzwerken. Bislang bestellen 80 bis 90 % der meist jungen Kunden ihre Slips per Mausklick. Im September eröffnete Guibault erstmals einen Laden, allerdings nur drei Wochen lang, in einem angemieteten Lokal. Das Slip-Management muss in seinen Augen immer auch Eventcharakter haben. Das garantiert Likes und mediale Aufmerksamkeit. Ein siebenköpfiges Team arbeitet heute für steigende Verkaufszahlen, drei von ihnen immerhin mit einem festen Vertrag.


„Die Lohnkosten in Frankreich sind natürlich ein Problem. Ich bin noch auf Praktikanten angewiesen. Aber ich setze auf das von der Regierung beschlossene Programm für Steuererleichterungen." Bei einem Jungunternehmertreffen hat Guibault Frankreichs Industrieminister Arnaud Montebourg einen Vorschlag gemacht: Große französische Unternehmen, die bereits gut im Ausland positioniert sind, sollten eine Art Patenschaft für Start-Ups übernehmen. So arbeitet Le slip français seit kurzem mit der international erfolgreichen Modemarke agnès b. zusammen und hofft nun, auch auf dem asiatischen Markt Fuß zu fassen. Für 2013 rechnet Guibault bereits mit einem Jahresumsatz von 800 000 Euro. Arnaud Montebourg übrigens besitzt den Slip français in grün. Mit der Farbe der Hoffnung auf den Lenden sollte der Aufschwung made in France nicht mehr lange auf sich warten lassen.


TEXT: ROMY STRASSENBURG