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Praktikum in Frankreich: 10 wichtige Regeln für Ihre Suche

Praktikum in Frankreich: 10 wichtige Regeln für Ihre Suche

Bei der Suche nach einem Praktikum in Frankreich gibt es nicht nur organisatorische Hürden zu meistern. Vor allem die bürokratischen Regeln und rechtlichen Bedingungen sind im Nachbarland in vielerlei Hinsicht andere als in Deutschland, wenn es beispielsweise um das Abschließen einer Praktikumsvereinbarung oder die Vergütung geht. Im Folgenden geben wir einen Überblick über die wichtigsten Regeln.

1. Braucht man eine Arbeits- oder Aufenthaltsgenehmigung?
2. Was ist eine Praktikumsvereinbarung in Frankreich?
3. Was beinhaltet die Praktikumsvereinbarung?
4. Wozu darf eine Praktikumsvereinbarung nicht abgeschlossen werden?
5. Kann man in Frankreich ein Praktikum ohne Studentenstatus absolvieren?
6. Wie hoch ist die Vergütung eines Praktikums in Frankreich?
7. Ist man bei einem Praktikum in Frankreich krankenversichert?
8. Wie kann man ein Praktikum in Frankreich finanzieren?
9. Wo kann man Angebote für Praktika in Frankreich finden?
10. Praktikum als Sprungbrett für eine anschließende Festanstellung nutzen





1. Braucht man eine Arbeits- oder Aufenthaltsgenehmigung?

Bürger von EU-Staaten benötigen keinerlei Arbeits- oder Aufenthaltsgenehmigungen für ein Praktikum in Frankreich. Staatsangehörige anderer Länder können sich auf der offiziellen Seite des öffentlichen Dienstes in Frankreich, Service-Public, nach den Bedingungen erkundigen.


2. Was ist eine Praktikumsvereinbarung in Frankreich?

Praktika in Frankreich unterliegen vorschriftsmäßig einem Abkommen in Form einer Praktikumsvereinbarung (convention de stage), die von drei Parteien unterzeichnet werden muss:

  • dem Praktikanten / der Praktikantin
  • dem Unternehmen (oder dem Organismus), in dem das Praktikum absolviert wird
  • sowie der Ausbildungseinrichtung bzw. Hochschule





3. Was beinhaltet die Praktikumsvereinbarung?

In der Regel wird das Dokument der Praktikumsvereinbarung von der Ausbildungseinrichtung bzw. Universität in Abstimmung mit dem Unternehmen aufgesetzt und beinhaltet die rechtlichen und organisatorischen Modalitäten zur Absolvierung des Praktikums sowie die Verpflichtung aller unterzeichnenden Parteien.

Gesetzlich festgelegt sind folgende Inhalte:

  • Bestimmung der Tätigkeiten: die Aufgaben, welchen der Praktikant betraut sein wird und welche auf bestimmte Ausbildungsziele ausgerichtet sind

  • Datum: der Beginn und das Ende des Praktikums

  • Arbeitszeiten: die maximale Dauer der Anwesenheit des Praktikanten im Unternehmen pro Woche sowie unter Umständen nachts, an Sonn- oder Feiertagen

  • Vergütung: die Höhe der Bezahlung sowie die Zahlungsweise

  • Liste an Vergünstigungen: die das Unternehmen dem Praktikanten zukommen lässt, insbesondere hinsichtlich der Verpflegung, Unterbringung und Erstattung von Kosten, die diesem zur Absolvierung des Praktikums angefallen sind

  • Regelung zur sozialen Absicherung: von welcher der Praktikant profitiert, inklusive Arbeitsunfallversicherung (gemäß Artikel L. 412-8 Code de la Sécurité Sociale) sowie u.U. die Verpflichtung des Praktikanten zu einer Haftpflichtversicherung

  • Bedingungen: unter denen der Praktikumsverantwortliche (Repräsentant der Ausbildungseinrichtung oder des Unternehmens) die Betreuung des Praktikanten sicherstellt

  • Bedingungen zur Ausstellung einer Praktikumsbescheinigung: und, falls notwendig, die Modalitäten zur Anerkennung des Praktikums, um den Studienabschluss zu erlangen

  • Modalitäten zu Praktikumsaussetzung und -rücktritt

  • Bedingungen zur Abwesenheit: unter denen der Praktikant berechtigt ist, vor allem im Rahmen der von der Ausbildungseinrichtung angegebenen Verpflichtungen, fernzubleiben

  • Interne Vorschriftsklauseln des Unternehmens: die auf den Praktikanten anwendbar sind


4. Wozu darf eine Praktikumsvereinbarung nicht abgeschlossen werden?

Um sicherzustellen, dass ein Praktikum in Frankreich auch tatsächlich dem Zweck der Ausbildung und Annäherung an einen Beruf dient, darf seit dem 10. Juli 2014 für die folgenden Fälle keine Praktikumsvereinbarung abgeschlossen werden:

  • das Ausführen einer regelmäßigen Tätigkeit, die einer permanenten Arbeitsanstellung entspricht

  • Arbeit, die dem Auffangen eines vorübergehenden Anstiegs des Arbeitsanfalls in einem Unternehmen dient

  • Saisonarbeit

  • die Vertretung eines Angestellten oder Vertreters im Falle von dessen Abwesenheit oder Aussetzung des Arbeitsvertrages





5. Kann man in Frankreich ein Praktikum ohne Studentenstatus absolvieren?

Seit 2009 ist eine Praktikumsvereinbarung (convention de stage), und damit auch ein während des Praktikums bestehendes Verhältnis zu einer Ausbildungseinrichtung bzw. Hochschule, für alle Praktika im öffentlichen und privaten Sektor Pflicht.

Für Abiturienten und Studienabsolventen, die nicht in einem Ausbildungsverhältnis stehen, hilft das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) mit dem Programm Praxes bei der Praktikumsvereinbarung für Praktika von ein bis sechs Monaten.


6. Wie hoch ist die Vergütung eines Praktikums in Frankreich?

In Frankreich muss jedes Praktikum, das über 2 Monate dauert, monatlich vergütet werden. Die Minimalvergütung liegt bei 3,90 € pro Stunde. Bei einer Branchenvereinbarung, einem erweiterten Abkommen oder schlicht nach Ermessen des Unternehmens, kann der Lohn natürlich auch höher sein.

Wenn die Vergütung dem Minimalstundenlohn entspricht, fallen keinerlei Sozialabgaben an. Liegt sie darüber, richtet sich die Höhe der Abgaben nach der Vergütung. Da ein Praktikum aber keiner Festanstellung entspricht, entfallen hierbei die Beiträge für die Arbeitslosenversicherung und die Gewerkschaftsorganisation.





7. Ist man bei einem Praktikum in Frankreich krankenversichert?

Innerhalb der Europäischen Union gilt ein Sozialversicherungsabkommen, so dass man über seine deutsche Versicherung mit der Europäischen Krankenversicherungskarte auch in Frankreich krankenversichert ist. Dennoch sollte man sich vor Praktikumsantritt bei seiner deutschen Krankenversicherung genau informieren, welche Leistungen von dieser bei einer Krankheit oder einem Unfall im Ausland abgedeckt sind und, falls notwendig, entsprechende Zusatzversicherungen abschließen.

Zu beachten ist allerdings, dass bei einem Studium in Frankreich andere Versicherungsbedingungen gelten.


8. Wie kann man ein Praktikum in Frankreich finanzieren?

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) bietet mehrere Stipendienprogramme für Praktika im Ausland, zum Beispiel im Rahmen des europäischen Programms Erasmus+ oder des Carlo-Schmid-Programms für Praktikumsstellen in internationalen Organisationen und EU-Institutionen.

Weitere Finanzierungsmöglichkeiten stellen beispielsweise der Bildungskredit oder das Auslands-BAföG dar. Da bei letzterem zum Teil andere Kriterien gelten als beim BAföG im Inland, können auch Studenten oder Auszubildende einen Antrag stellen, die im Inland keine Förderung erhalten.

Auf der Seite des Deutsch-Französischen Jugendwerks sind sowohl Praktikumsangebote als auch verschiedene Förderprogramme zur Finanzierung des Praktikums in Frankreich zu finden.





9. Wo kann man Angebote für Praktika in Frankreich finden?

Neben der direkten Kontaktaufnahme zu eventuellen Wunschunternehmen, sind französische Praktikumsbörsen bei der Suche äußerst hilfreich. Auch auf den französischen Jobportalen werden Praktika ausgeschrieben.

Weitere Informationen zu diesem Thema:


10. Praktikum als Sprungbrett für eine anschließende Festanstellung nutzen

Für 12 % aller französischen Hochschulabsolventen öffnet ein Praktikum die Tür zum Arbeitsmarkt. Dabei empfiehlt es sich, ein Praktikum zu absolvieren, das länger als drei Monate dauert.

Längere Praktika haben einen höheren Stellenwert in Frankreich und verbessern die Chancen auf eine anschließende Anstellung im jeweiligen Unternehmen, da sie genügend Zeit geben, sich in das Unternehmen zu integrieren, Arbeitsprozesse zu verinnerlichen sowie mit dem potenziellen und künftigen Arbeitgeber in engeren Kontakt zu treten.

Mehr dazu: