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Firmen und Forschung in Frankreich und Deutschland im Vergleich

28. Juni 2012

In Deutschland und Frankreich wird zunehmend in Unternehmen geforscht. In Frankreich hilft der Staat dabei kräftig nach. TEXT: KIM RAHIR



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Wissenschaftliche Forschung wird zur Privatsache: In Deutschland wurden 2009 mit 45 Milliarden Euro 68% der Forschungsausgaben von der Wirtschaft bestritten, in Frankreich waren es mit 26 Milliarden Euro 62 %. Der Aufwärtstrend sei trotz der Krise ungebrochen, stellte der Stifterverband der deutschen Wirtschaft in seinem Datenreport 2011 fest.


Die Innovationsausgaben deutscher Firmen konzentrieren sich auf fünf Branchen: Automobilhersteller, Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie und Pharmazeutik. Diese Zweige bestreiten allein 70 % der Forschungsinvestitionen in Deutschland. Auch in Frankreich finanzieren wenige Wirtschaftszweige den Löwenanteil: Automobil, Aeronautik, Informatik, Messtechnik, Elektronik und Pharmazeutik.


Unterstützung durch Steuern


Private und staatliche Forschung sind aber nicht strikt getrennt: Unternehmen vergeben Aufträge an staatliche Einrichtungen, der Staat unterstützt innovative Firmen finanziell. In Frankreich können kleine und mittlere Betriebe zum Beispiel über die staatliche Holding Oseo Projekte finanzieren.


Im Jahr 2011 verschaffte Oseo innovativen Betrieben Mittel in Höhe von 1,9 Milliarden Euro. Französische Unternehmer können für ihre Forschungsbemühungen auch Steuererleichterungen in Anspruch nehmen - in Deutschland dagegen fehlt dieses Instrument. Dies wird im jüngsten Bericht der „Expertenkommission Forschung und Innovation" scharf kritisiert. „Die Politik sollte endlich die längst überfällige steuerliche Forschungs- und Entwicklungsförderung einführen, um kleinen und mittelständischen Unternehmen die Durchführung von Forschungs- und Entwicklungs-Projekten finanziell zu erleichtern", bemängeln die Experten in ihrem Ende Februar veröffentlichten „Bundesbericht Forschung und Innovation 2010".


Um die Finanzierung von Forschung und Entwicklung zu erleichtern, arbeiten viele Betriebe mit europäischen Partnern zusammen. Die Autobauer Renault und  Daimler kooperieren seit April 2010. „Das klappt deshalb so gut, weil wir uns auf ganz konkrete Projekte konzentrieren", sagt Daimler-Sprecherin Bettina Singhartinger. Dann wisse jeder der Beteiligten, was er beisteuern und was er gewinnen könne, wie zum Beispiel bei der gemeinsamen Entwicklung einer „Architektur" für smart und Twingo.


Gemeinschaftsprojekte


Einen Schritt weiter gehen BMW und Peugeot: Sie gründeten ein Gemeinschaftsunternehmen, um einen Elektroantrieb zu entwickeln. Das Forschungszentrum hat seinen Sitz in München, die zukünftige Fertigung wird in Mülhausen sein. Die Partnerschaft ist strategisch angelegt: „Es geht auch um gemeinsame Standards und um die Schaffung eines europäischen Gegengewichts zur asiatischen Konkurrenz", erläutert Gordian Heindrichs, Leiter der Vertretung von PSA Peugeot Citroën in Berlin. Eine „Phase der Annäherung" bräuchten deutsche und französische Ingenieure natürlich schon, bevor sie produktiv arbeiten könnten. Geschäftssprache ist Englisch.


Durch die Gründung eines Joint Venture überwinden  BMW und Peugeot auch Grenzen, an die Kooperation sonst stößt: „Man muss natürlich wissen, dass Forschungskooperation zwischen Unternehmen immer nur im vor-wettbewerblichen Bereich stattfindet", erläutert Christian Heinrich, der bei der Technologiestiftung Berlin im Forschungs- und Anwendungsverbund FAV Innovationsprojekte im Bereich Verkehr und Mobilität betreut: „Man einigt sich auf grundsätzliche Eigenschaften, aber wenn es an das Enddesign geht, dann muss das Produkt dem Unternehmenskonzept entsprechen." So hätten Alstom und Bombardier gemeinsam einen neuen Lokführer-Arbeitsplatz entwickelt, dessen Endausführung dann auf den jeweiligen Markt der Partner zugeschnitten wurde.


TEXT: KIM RAHIR