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Seit über 60 Jahren gilt die von Charles de Gaulle gegründete Ecole Nationale d'Adminstration als Kaderschmiede Frankreichs. Aus ihr sind Staatspräsidenten hervorgegangen wie Giscard d'Estaing und Chirac, Premierminister wie Jospin, Balladur, Juppé und Fabius, aber auch Führungskräfte der Wirtschaft wie Jean-Claude Trichet, Louis Gallois und die "Berater" Jacques Attali oder Alain Minc.


Ein drakonisches Auswahlverfahren, eine 27 Monate dauernde Ausbildung in Recht und Wirtschaft und mehrere Verwaltungspraktika sind das Geheimnis des hohen französischen Allroundbeamten, der ebenso gut die Geschäfte einer Region oder Kulturinstitution führen wie das Hilfsprogramm bei einer Naturkatastrophe organisieren kann. Ein Kontrastprogramm zu dem, was Studenten einer deutschen Universität gewöhnt sind.


Ausbildung zur Multifuntionalität "Ich dachte, ich bekomme hier eine solide Ausbildung, doch ein Großteil des Programms besteht darin, dass man immer wieder getestet wird", beschreibt Nicola Ebenburger das Konzept, nach dem ein hoher Beamter zur Multifunktionalität erzogen wird. Den schlechten Ruf, den ENA-Absolventen teilweise im eigenen Land genießen, sie seien "bêtes à concours", praxisferne Examenstypen, mögen die Stipendiatinnen des DAAD allerdings nicht gelten lassen. "Sie sind von ihrer Rolle überzeugt. Faszinierend ist immer noch‚ von innen heraus" zu sehen, wie sehr die Franzosen an den Staat glauben", unterstreicht eine von ihnen. Beeindruckt waren sie vor allem von den Praktika: ob in der Stadtverwaltung von Orléans, bei der Generaldirektion für Binnenmarkt der EU, der OECD oder in der "Préfecture des Départements Pyrénées-Atlantiques" - nirgendwo ließ sich Gelerntes so konkret in die Tat umsetzen wie vor Ort.


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Doch dass es sich bei der "Kaderschmiede der Nation" noch um den Königsweg der französischen Verwaltungslaufbahn handelt, glaubt heute keine mehr. Lange nicht jeder Jahrgang hatte so viele illustre Studenten wie die Promotion Voltaire (1978-1980), aus der die Politiker Dominique de Villepin, François Hollande und Ségolène Royal stammen. "Von manchen Jahrgängen hat man nie wieder was gehört", heißt es "off the record".


So schlimm dürfte es nun auch nicht sein. Das Netzwerk der Beziehungen von mittlerweile 6 000 Absolventen gibt auch weiterhin dem Nachwuchs eine Chance. Mag die Polemik im eigenen Land andauern, die ENA sei nicht mehr zeitgemäß. Die Klassifizierung nach Rang, die den Besten freie Auswahl bei der Besetzung eines Verwaltungspostens lässt, soll nächstes Jahr abgeschafft werden. Für die ausländischen Studierenden spielt dies keine Rolle: die Politologin Laura Göres (27) aus Nürnberg tritt dieser Tage ihre erste Stelle beim Europäischen Rechnungshof an, Nicola Ebenburger sucht nach einem Wirkungskreis im deutsch-französischen Hochschulwesen und die Juristin Christine Beneke (25) kehrt als Botschafterin deutsch-französischer Beziehungen nach Mainz zurück.


"Meine hiesigen Erfahrungen haben vor allem in Deutschland einen hohen Stellenwert. Was ich hier gelernt habe, und was man von mir erfahren will, ist: wie ticken die Franzosen in dieser oder jener Situation? Warum reagieren sie so, wie anders ist ihr Humor? Wo missverstehen wir uns im gegenseitigen Umgang? Das ist der Mehrwert, den die ENA mir bringt."


TEXT: URSULA LANGMANN