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Hochschulsystem in Frankreich und Deutschland im Vergleich

Hochschulsystem in Frankreich und Deutschland im Vergleich

Trotz der Bemühungen, ein vergleichbares Hochschulsystem in Europa zu etablieren, bleiben die Grundmuster der akademischen Landschaften in den verschiedenen Nationen auch weiterhin bestehen. Für deutsche Studierende ist es anfangs oft schwierig, sich im französischen Hochschulsystem zurechtzufinden. Aber wie ist das Hochschulsystem in Frankreich eigentlich genau organisiert?

 



Allgemeine Zahlen und Fakten zum französischen Hochschulsystem

1. Allgemeine Zahlen und Fakten zum französischen Hochschulsystem

Im Studienjahr 2024/2025 waren in Frankreich rund 3 Millionen Studierende im Hochschulbereich eingeschrieben, davon etwa 1,6 Millionen an Universitäten.

Das akademische Jahr ist in zwei Semester unterteilt. Das erste Semester geht von September bis Januar, das zweite von Februar bis Mai, anschließend sind Prüfungen.

Das französische Notensystem reicht von 0 bis maximal 20 Punkten. Hinzu kommen beim Abschluss die mentions, also die Prädikate, assez bien, bien und très bien.

Durch die immer weiter fortschreitenden Bemühungen, Frankreich zu dezentralisieren, gewinnen die universitären Angebote außerhalb der Hauptstadt, wie z. B. beispielsweise in Nantes, Tours, Toulouse oder Aix-en-Provence neue Anziehungskraft.

Was das Angebot an Fachrichtungen betrifft, gibt es keine nennenswerten Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland. Allerdings sind Fächer, die in Deutschland nur an Universitäten gelehrt werden, in Frankreich auch an den Grandes Écoles im Programm (dazu später mehr).

Abseits des Fächerangebots gibt es aber durchaus Unterschiede im Studienalltag: Während im deutschen Studium eine englische Hausarbeit vergleichsweise verbreitet ist, bleibt sie im französischen Hochschulsystem meist auf internationale Programme oder spezielle Module beschränkt.

Oft sind außerdem Abschlussprüfungen am Semesterende zentraler, und die Kurswahl ist je nach Studiengang stärker vorstrukturiert als in Deutschland.


2. Hochschultypen in Frankreich

In Frankreich gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten eine Hochschule zu besuchen: Man hat die Möglichkeit, sowohl an staatlichen als auch an privaten Universitäten oder außeruniversitären Einrichtungen zu studieren.

Einige Studienangebote werden unter anderem auch in den Lycées angeboten, dazu gehören die Vorbereitungsklassen für die Grandes Écoles und die Fachingenieurschulen (Sections de techniciens supérieurs, kurz STS).

Andere Bildungseinrichtungen, staatlich oder staatlich anerkannt, unterstehen den jeweiligen Fachministerien, zum Beispiel Schulen für medizinische und soziale Berufe (Gesundheitsministerium), Kunst- und Kulturhochschulen (Ministerium für Kultur und Kommunikation) oder Ingenieurhochschulen (Bildungsministerium).

Generell unterscheidet man also zwischen den Universitäten, den Grandes Écoles und den Écoles spécialisées. Unterschiede bestehen hier vor allem im Angebot der Fachrichtungen, in den Zugangsvoraussetzungen, den Abschlussmöglichkeiten und den allgemeinen Studienkosten.

Während Universitäten Studiengänge nahezu aller Fachbereiche vereinen und dort in der Regel ohne Zugangsbeschränkungen studiert werden kann, handelt es sich bei den Grandes Écoles um Eliteschulen, die in der Regel auf eine Fachrichtung spezialisiert sind, die nur als Masterstudiengang belegt werden können und das Bestehen einer Zulassungsprüfung (concours) voraussetzen.

Unter den Écoles spécialisées versteht man Einrichtungen wie Kunst- oder Musikakademien. Eine Liste der verschiedenen Hochschultypenkann man auf der Website education.gouv.fr einsehen.

Universitäten in Frankreich

An den Universitäten findet man, entsprechend den Fakultäten in Deutschland, verschiedene facultés oder auch unité de formation et de recherche (UFR). Daher das Kürzel la fac, mit dem oft die Universität selbst bezeichnet wird. Die Studiengänge unterteilen sich in drei Studienabschnitte (1er cycle, 2e cycle, 3e cycle).

Seit 2006, nach den Bologna-Abkommen in Europa, haben die jeweiligen Abschlüsse landesweit einheitliche Namen:

  • Licence
  • Master
  • Doctorat

Diese entsprechen dem Bachelor, Master und Doktorat, kurz LMD.

Seit dieser Reform wird auch zwischen den technischen und beruflichen Studiengängen, ehemals IUT und IUP, nicht mehr unterschieden. Das IUP wurde durch Bachelor und Master ersetzt, während ein IUT einer regulären Universität untergeordnet ist und ebenfalls den Bachelor Titel vergeben kann. Dennoch unterscheidet man weiterhin zwischen praktisch orientierten (Licence professionnelle / Master professionnel) und den wissenschaftlichen Studienprogrammen (Licence / Master de Recherche).

Während die ECTS-Punkte in Deutschland meist Semester für Semester in den gewählten Kursen die ECTS Punkte gesammelt werden, und dies theoretisch zeitlich unbegrenzt versucht werden kann, bis alle Kurse bestanden und alle Punkte gesammelt sind, geht es in Frankreich strenger zu. Die Einschreibung zum Sommersemester gibt es nicht: die Rentrée findet immer im September statt. Daher kann man nur vollständige akademische Jahre von zwei Semestern absolvieren.

Erst am Ende eines Semesters werden Prüfungen geschrieben bzw. wiederholt. Darüber hinaus kann ohne Nachweis von höherer Gewalt (wie z. B. einer gravierenden Krankheit), ein solches Jahr nur einmal wiederholt werden. Wer also zwei Jahre hintereinander die Prüfungen nicht besteht, muss wohl oder übel den Studiengang wechseln.

Dahingegen entfällt die deutsche Unterscheidung zwischen einem regulären Studium und dem Studium auf Lehramt. Das liegt daran, dass die Lehrposten in Frankreich per Wettbewerb vergeben werden. Jeder Student mit einem Abschluss in einem der Fächer, die in den Unterstufen gelehrt werden, kann an dem entsprechenden concours (meist der CAPES) teilnehmen. Wer besteht, darf Lehrer werden.

Gut zu wissen: Im Allgemeinen nennt man in Frankreich eher die Anzahl seiner Studienjahre, als den Abschluss, auch in Stellenanzeigen stehen daher Angaben wie BAC+4 oder BAC+5, wobei BAC eine Abkürzung für baccalauréat, die allgemeine Hochschulreife, darstellt und die Zahl die Anzahl der Studienjahre angibt.

  • Licence (bac +3): Die Licence entspricht dem Bachelor und dauert sechs Semester. Gemäß den Bologna-Abkommen werden die im europäischen Umfeld anerkannten ECTS-Punkte (30 pro Semester) vergeben. Man erwirbt Grundkenntnisse in der oder den gewählten Fachrichtung(en).

  • Master (bac +5): Im Anschluss einer Licence kann man, in einem thematisch passenden Fachgebiet, den Master beginnen. In vier Semestern muss man insgesamt 120 Studienpunkte erwerben und nach dem zweiten Semester eine Zwischenprüfung ablegen. Bestandteil des Studiums ist außerdem ein Pflichtpraktikum in einem Unternehmen oder einem Labor. Oft werden in Frankreich nicht nur eine, sondern gleich zwei Masterarbeiten geschrieben: eine kürzere im M1 und eine längere im M2.

  • Doctorat (bac +8): Das Promotionsstudium besteht aus drei bis fünf Jahren, in denen die Studierenden eine Doktorarbeit ausarbeiten müssen und daneben allgemeinbildende, berufsorientierte sowie wissenschaftliche Kurse belegen. Oft wird währenddessen auch für ein paar Stunden in der Woche eine Lehrtätigkeit an der jeweiligen Hochschule ausgeübt.

Écoles spécialisées

Natürlich gibt es außerhalb der staatlichen Hochschulen eine Vielzahl an Privatschulen, halb-privaten und auch öffentlichen Hochschulen, die auf verschiedene Diplome und Branchen spezialisiert sind, statt wie Universitäten in verschiedene Fakultäten gegliedert zu sein.

Im Gegensatz zu den Grandes Écoles sind diese aber allgemein zugänglich, wenn auch gewisse Kriterien für die Einschreibung erwartet werden. In vielen Schulen ist es möglich, sich mit jedem Niveau, vom Abitur bis zum Profi in passenden Lehrgängen einzuschreiben. Oft wird dort viel mit Praktika und im dualen Studium gelernt.

Besonders interessant sind aus deutscher Perspektive zum Beispiel die Écoles de commerce und MBA, von denen es in Deutschland vergleichsweise wenige gibt.

Grandes Écoles

Die französische Bildungselite und die zukünftigen Führungskräfte in Politik, Jura, Geisteswissenschaften, Wirtschaft und im Ingenieurbereich werden in Frankreich in den Grandes Écoles oder auch Écoles supérieures ausgebildet.

Die Ausbildung dort dauert (inklusive der Vorbereitungsklasse) vier bis fünf Jahre. Besonders prestigeträchtig sind die Polytechnique, die École Nationale d'Administration (ENA), welche jedoch am 31. Dezember 2021 abgeschafft wurde, sowie die École des Hautes Études Commerciales (HEC).

Diese speziellen französischen Schulen kann allerdings nur derjenige besuchen, der eine anspruchsvolle Eignungsprüfung besteht. Aufnahmeberechtigt zu diesen praxisorientierten Studien, die die Studierenden zu hoch qualifizierten Fachleuten für Spitzenämter ausbilden, ist man sowohl direkt nach dem Abitur, als auch nach einer ein- bis vierjährigen Ausbildung in den classes préparatoires, in denen man gezielt auf die Aufnahmeprüfung hinarbeitet oder nach dem Grundstudium an einer Universität.

Aufgrund der besonderen Schwierigkeit der Aufnahmeprüfungen machen die meisten Bewerber eine solche classe préparatoire (abgekürzt CPGE) durch, die 2 bis 4 Jahre dauern kann und die Schüler in allen Fächern der jeweils angestrebten Hochschule ausbildet. So lernt ein Student an einer geisteswissenschaftlichen CPGE beispielsweise Literaturwissenschaften z. B. sowohl Literaturwissenschaften in mehreren Sprachen, als auch alte Sprachen, Geschichte, Geographie und Philosophie.

Da das Arbeitsvolumen und die Anforderungen höher als an den Universitäten sind, bekommen die Studierenden der sogenannten Prépa in einem dieser Fächer Credit Points, die an der Uni gelten. So kann ein Prépa-Student, der den Wettbewerb für die Grandes Écoles nach 2 Jahren nicht schafft, sofort im dritten Jahr des Bachelors einsteigen, bzw. nach 3 Jahren Prépa sofort seinen Bachelor erhalten usw.

Weitere Informationen: cge.asso.fr



Fernstudium in Frankreich

3. Fernstudium in Frankreich

Zahlreiche französische Universitäten bieten Fernstudiengänge an. Organisationen wie die Fédération interuniversitaire de l'enseignement à distance (FIED) und das Centre national d'enseignement à distance (CNED) bieten Informationen und Beratung zu den jeweiligen Angeboten. 25 Universitäten sind Mitglied der FIED.

Mehr dazu:

 
Olivier

Olivier Geslin