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Führungskräfte in Frankreich: die Rolle der Manager im Vergleich zu Deutschland

Führungskräfte in Frankreich: die Rolle der Manager im Vergleich zu Deutschland

Wenn man sich in einer fremden Kultur befindet, kann es sehr belastend sein, ständig über die Bedeutung des Verhaltens Anderer nachdenken zu müssen. Möglicherweise hat man Verständigungsprobleme, was den Charakter der Einheimischen betrifft, oder man weiss gar nicht, wie man sich verhalten soll. Dies zeigt sich auch im Berufsleben. Was es für Unterschiede von der idealen Vorstellung des Managements zwischen Frankreich und Deutschland gibt, und was in jeweiligen Kulturen einen guten Manager ausmacht, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Der Führungskraftstil ist kulturbedingt

Was Mitarbeiter von ihren Manager erwarten und wie sie am besten mit seine Direktiven arbeiten, ist vor allem kulturbedingt. Nur was ist Kultur?

Ab dem 18. Jahrhundert wurde der französische Terminus "culture" zu "Cultur" und schließlich "Kultur" germanisiert. Der deutsche Historiker Adelung (1907) gab dem Begriff Kultur die Bedeutung von intellektuellem und sozialem Fortschritt des Menschen im Allgemeinen.[1] Es gibt seit langem ganz verschiedene Versuche den Begriff Kultur zu erläutern. Heute ist man sich über eines einig:

"Kultur (ist) nicht ausschließlich die 'objektive' Kultur einer (sozialen) Gruppe, sondern sie existiert subjektiv, d. h. als eine Kultur, die von Individuen tagtäglich getragen, gelebt, und definiert wird“, ergänzt Davoine in seinem Buch Manager und Management in Frankreich und Deutschland - ein Forschungsüberblick.

Wenn man also wissen will worauf gutes Management in einer bestimmten Kultur beruht, muss man auf das, wie der Autor erklärt, "System von Normen, Werten und Verhaltensweisen, die eine soziale Gruppe teilt" achten. Darunter gibt es nämlich bedeutende Unterschiede wie Religion, Ästhetik, Wertvorstellungen etc., die Verhaltensweisen unterschiedlich aufnehmen.

Unterschiede im Führungsverhalten zwischen Frankreich und Deutschland

Zu bemerken ist, dass man eine Führungskraft (Cadre) in Frankreich sein kann, ohne unbedingt ein Team zu "führen". Führungskraft, das heißt hier, einen gewissen Status, einen bestimmten gesellschaftlichen Rang zu haben, und es bedeutet vor allem Systemen, wie z. B. einer spezifischen Rentenversicherung anzugehören.

Die Aufgabenfelder einer Führungskraft

Das Aufgabenfeld eines Managers ist sehr vielfältig, dazu gehören: die Ziele der Leitung durch sein Team umzusetzen, die Arbeit seiner Mitarbeiter zu erleichtern und zu organisieren, ihre Ergebnisse zu bewerten und ihnen zu helfen Fortschritte zu machen oder wenn nötig neue Ziele zu setzen.

Im Endeffekt sollte der Manager zwei Aufgabenbündel koordinieren und realisieren: Personalaufgaben sowie den Arbeitseinsatz der Mitarbeiter koordinieren, einen humanen Arbeitsplatz gestalten, eine Arbeitsanweisung nach den entsprechenden Fähigkeiten der Mitarbeiter geben. Zum anderen beziehen sich die Sachaufgaben der Führungskraft auf die Zielsetzung und Zielvorgabe, Planung, Entscheidungsvollzug und Kontrolle.

Dies illustrieren die von der französischen Gelehrtengesellschaft "Akademie française" angegebenen Synonyme für den Begriff "Manager" wie Geschäftsleiter, Direktor, Verwalter, Teamleiter oder auch Trainer sehr gut.

Aufgabenfelder einer Führungskraft in Frankreich und Deutschland

Verschiedene Führungsstile

Dass in Frankreich der Manager auch Führungskraft (Cadre) genannt wird, verstärkt die Verwirrung. Führungskräfte managen normalerweise niemand. Allerdings leitet der Manager immer die Arbeit der anderen Mitarbeiter. Doch die Art und Weise wie ein Vorgesetzter seine Mitarbeiter führt, hängt vor allem von seinem Führungsstil ab, und dies ist eben oft kulturbestimmt.

Direktiver vs. kooperativer Stil

Aus einem Artikel der französischen Zeitschrift Cairn erfährt man, dass es seit den 50er Jahren im Management zwei Branchen gibt: bei dem direktiven Stil legt der Manager viel Wert auf die Aufgaben. Darunter versteht der Vorgesetzte, dass er die Mitarbeiter kontrolliert und ihnen dabei wenig Verantwortung überträgt.

Im geselligem oder kooperativen Stil konzentriert er sich auf die menschlichen Beziehungen. Dieser Stil ist mehr von einer hohen Beteiligung der Mitarbeiter am Entscheidungsprozess geprägt. Hier erwartet man, dass sich der Mitarbeiter aktiv am Unternehmensgeschehen beteiligt, die Ziele mitformuliert und versucht Probleme zu lösen.

Interessant zu wissen ist, dass Die Motivationstheorie X Y (1960) von Douglas McGregor, Professor am Technologischem Institut von Massachusetts, beweist, dass je weniger "subjektives Freiheitsgefühl" der Einzelne am Arbeitsplatz hat, um so "autoritärer" das Führungsverhalten des Managers wird. Und andersherum: je mehr Freiheitsempfinden man hat, desto "kooperativer" wird der Führungsstil empfunden. Weiteres können Sie in der Zeitschrift The economist über diese Theorie erfahren.

Diese zwei Modelle kann man in Frankreich und Deutschland wiederfinden. In Frankreich wird eine Auffassung von Führung bewahrt, die auf Autorität und Hierarchie aufbaut. Hier kann man von einem patronalen Führungsdenken sprechen, das heißt auf der Mitarbeiterseite besteht eine ausgesprochene Obrigkeitshörigkeit. Autorität à la française heißt, ein selbstverständlicher Führungsanspruch, der aus der Persönlichkeit des Führenden kommt, gekennzeichnet durch Ausstrahlung, Auftreten und kulturelles Niveau.

Die französischen Mitarbeiter nehmen ihren Patrons diesen Führungsanspruch als selbstverständlich ab. Diese Beziehung zwischen Chefs und Untergebenen ist besonders durch Regeln der Höflichkeit gekennzeichnet. Man sollte wissen, dass das Führungsdenken Frankreichs sich auf das Prinzip des Respekts vor der Persönlichkeit bezieht.

Währenddessen neigen die deutschen Unternehmen immer mehr zu flachen Führungsstrukkturen. Sie wollen die Führung per Delegation einführen - was bedeutet, mehr "Verantwortung auf die Angestellten zu übertragen – hier ist für den Manager Geduld erforderlich, denn die Mitarbeiter müssen behutsam an ihre neuen Aufgaben herangeführt werden", erklärt Dr. Christophe Barme in Interkulturelle Personalführung Frankreich-Deutschland.


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Gehaltsunterschied zwischen Frankreich und Deutschland

Ein Gehaltsunterschied besteht zwischen beiden Ländern, ist aber nicht deutlich darstellbar, da es in Frankreich schwieriger ist das Gehalt einzuschätzen.

Dazu muss man in Frankreich verschiedene Aspekte beachten: wie beispielsweise die Dauer der Beschäftigung, der regionale Unterschied, die Berechnung von Brutto / Netto Gehältern etc. In diesem Artikel (Gehälter in den Führungspositionen in Frankreich) finden Sie eine Erläuterung in tabellarischer Form sowie kurze Zusammenfassungen über das Durchschnittsgehalt von Managern in Frankreich, die im Finanzwesen, Marketing oder Vertrieb tätig sind.

Weiteres über die Unterschiede zwischen beiden Ländern zum Thema Management, erfahren Sie: Das Management: Deutsche und Franzosen im Vergleich

Der ideale französische und deutsche Manager


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Der ideale Manager

Der ideale Manager sollte heutzutage zwischen den beiden oben dargestellten Stilen jonglieren können: einerseits vertraut mit seinen Kollegen sein, die Berichterstattung vornehmen, seine Mitarbeiter motivieren, indem er sie zu einem Drink zusammenbringt, um über das nächste große Projekt zu sprechen. Natürlich sollte er dem Kontext nach auch wieder eher der Richtungsweiser ein.

Die Autorität des Managers beruht auf seinen Funktionen

Macht Führungsverantwortung einen guten Manager aus? Viele Manager haben Schwierigkeiten zu delegieren, weil sie denken, dass sie bessere und schnellere Arbeit leisten oder sie neigen - im Gegenteil - ihr Team zu überlasten. Manchmal haben sie nicht die Fähigkeiten die Unternehmen von ihnen erwarten, oder sie sind nicht ausreichend auf ihre Mission vorbereitet.

In der Tat wird man nicht über Nacht zum Manager. Erst mit der Zeit und mit der Praxis hat man das Zeug dazu. Jérémy Joussot-French, Filialleiter, erklärt, dass er am Anfang, als er zum Manager befördert wurde, mehrere Fehler gemacht habe: vor allem die "Freund-Freund-Beziehung " mit seinem Team. So meint er:

Es ist eine schwierige Position, vor allem wenn man die Leute wieder an ihren Platz zurückweisen muss... Aber glücklicherweise lernen wir uns im Laufe der Zeit besser kennen, zweifeln wir weniger und finden die richtige Distanz zu unseren Mitarbeitern.

Managen und Elternschaft

Cairn erklärt:

"Managerenschaft" ist wie "Elternschaft". Aber die bloße Anwesenheit des Kindes ist nicht alles und es ist klar, dass noch viel zu tun bleibt um ein " akzeptables Elternteil " zu sein. Es reicht nicht mehr und wahrscheinlich immer weniger aus, einen Vorgesetzten zu ernennen, um ein Vorgesetzter zu sein. Die Machtübertragung ist notwendig, aber nicht ausreichend.

Wie wird man also ein guter Manager? Indem man akzeptiert, dass die Funktion einen umwandelt. Man spielt nicht mehr den Manager, man ist es! Man lernt sich mit der Zeit und den gemachten Erfahrungen besser kennen: alles kontrollieren zu müssen, wenig Empathie zeigen, Emotionen zu unterdrücken...

Die Anfänge des Managers offenbaren über dessen Persönlichkeit viele Dinge. Was nicht immer gut ist. Aber der Manager kann, wenn er es will, sich verbessern. Das Unternehmen muss ihm jedoch die Mittel, die er benötigt, seine Aufgaben bestmöglich zu erfüllen, geben können. Cairn fasst es folgend zusammen: "Nach dem idealen Profil zu suchen, hat keinen Sinn, man muss wissen, wie man die Mitarbeiter die Führungsverantwortung haben, in einen Manager verwandelt."

Das Führungskräfteseminar der AHK Frankreich vermittelt Nachwuchsführungskräften in einem deutsch-französischen Umfeld ausgewählte und bewährte Instrumente und gibt erste Impulse zur individuellen Entwicklung als Führungspersönlichkeit. Mehr dazu: Trainingsprogramm für Führungskräfte

[1] Davoine E. (2002) Manager und Management in Frankreich und Deutschland — ein Forschungsüberblick. In: Zeitmanagement deutscher und französischer Führungskräfte. Gabler Edition Wissenschaft. Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden