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Das erwarten Franzosen von ihrem Chef

Das erwarten Franzosen von ihrem Chef

Fachkompetenz, Erfahrung, Autorität, sind das nicht die Eigenschaften eines idealen Chefs? Nicht, wenn es nach den französischen und deutschen Teilnehmern unserer Studie geht: diese finden, dass sich ein guter Chef in erster Linie durch zwei Charaktereigenschaften auszeichnet: Mitarbeitermotivation und die Fähigkeit zu delegieren.

Eine Kernkompetenz: Die Fähigkeit, seine Mitarbeiter zu motivieren

Wenn die Mitglieder unseres Netzwerks ihren Vorgesetzten selbst wählen könnten, dann würden sie sich für den Kollegen mit der größten Leidenschaft für die Arbeit entscheiden. 37% der von uns Befragten glauben, dass Charisma und die Fähigkeit, die Anderen mitzureißen, ein wesentliches Merkmal eines guten Chefs darstellen.

Hier zeigt sich: Motivation ist heutzutage eine Schlüsselkompetenz im Personalbereich und auch für ein produktives Arbeitsklima unabkömmlich. Eine charismatische Persönlichkeit ist für den Großteil der Befragten wichtiger als zum Beispiel die Fähigkeit zuhören zu können.

Nur 30% der Stimmen wünschen sich einen Chef, der in der Lage ist sich selbstkritisch zu beurteilen. Organisationstalent und gutes Zeitmanagement liegen mit 20% an dritter Stelle, gefolgt von einer positiven Lebenseinstellung, Humor (7%) und Empathie (4%).

Hätten Teilnehmer der Umfrage die Wahl zwischen einem Visionär, einem Pädagogen und einem Dirigenten, würde sich die Mehrheit, mit 56%, ziemlich deutlich für den Dirigenten entscheiden. Eine Persönlichkeit, die als etwas unnahbar aber auch als genial wahrgenommen wird und sich deutlich von den Musikern, die sie dirigiert, abhebt. Er hat das gewisse Etwas, das letztlich den Unterschied zwischen einer herausragenden Leistung und einem durchschnittlichen Konzert ausmacht.

Lieber ein Allrounder als ein Abenteurer

Ein guter Chef muss auch nicht zwingend jemand sein, der sich durch umfassende Expertise in einem Bereich auszeichnet.

Die Mehrheit der Befragten findet, dass eine gute Führungskraft in erster Linie ein Generalist ist, eine Person, die Trends aufspürt und Talente in vielen Bereichen mitbringt.

Fachkompetenz und Erfahrung kommen mit 17% erst an zweiter Stelle. Dennoch wünschen sich 16% der Befragten einen Chef, der originelle Lösungen für aktuelle Probleme findet.

In diesen Ergebnissen spiegelt sich vielleicht wider, dass die Mehrheit unserer Befragten für große Konzerne und nicht für freie Unternehmer tätig ist.

Abenteuerlust und die Fähigkeit, über den Tellerrand zu schauen, wie ein Steve Jobs, der mit dem IPod den Musikkonsum revolutioniert hat, stufen nur 10% als wichtige Führungsqualität ein. Auch gute Ideen rangieren mit 7% bei den Eigenschaften eher am unteren Ende der Skala.

Wissen, wie man delegiert

Was die Arbeitsorganisation betrifft, so herrscht der Konsens vor, dass Führungsstärke wichtig ist.

Fast 48% der Befragten sind der Meinung, dass das den Mitarbeitern entgegengebrachte Vertrauen für den reibungslosen Ablauf im Unternehmen essentiell ist. Ebenso wichtig ist für ein Viertel der Befragten, eine offene Kommunikationslinie was die Erwartungen an die Mitarbeiter betrifft.

Die klare Definition von Arbeitsabläufen rangiert mit 14,5% an dritter Stelle. Die Kontrolle aktueller Projekte, Aktivitäten und geleisteter Arbeit, wird von den Befragten als nicht sehr wichtig eingestuft.

Der ideale Chef ist ein Dirigent

Beachten Sie mich!

Zeigt sich hier ein Widerspruch? Die Befragten wünschen sich einerseits selbständiges Arbeiten und erwarten dennoch von ihrem Chef, dass er jedem von ihnen individuell Aufmerksamkeit schenkt und den Wert eines jeden Mitarbeiters schätzt. Dies ist wohl ein Dilemma, das jeder Vorgesetzte kennt: der Spagat zwischen der Gesamtleistung und der Honorierung der Anstrengungen eines jeden Einzelnen.

31% der Teilnehmer der Umfrage erwarten von ihrem Chef, dass er Talente fördert und sie zu Höchstleistungen anregt. Überraschenderweise scheint dies Vielen wichtiger zu sein, als eine generell positive Atmosphäre im Unternehmen (25%).

21% der Befragten finden, dass ein guter Chef seine Angestellten unterstützt, indem er ihnen regelmäßig Feedback zur Qualität ihrer Arbeit liefert.

Als etwas weniger wichtig wird das Management von menschlichen Beziehungen eingestuft: Nur knapp 14% finden, dass eine gute Führungskraft ihre Autorität dafür aufwenden sollte, Konflikte beizulegen, und nur 8% sind der Ansicht, dass sie die Fähigkeit besitzen sollte, Kompromisslösungen zu finden.

Entscheidungen reifen lassen

Was die Entscheidungsfindung betrifft, so ziehen die befragten Personen das Modell Merkel dem Modell Macron vor: 40% finden eine faire Entscheidung zu treffen sei vorteilhafter, auch wenn der Findungsprozess mehr Zeit kostet.

26% sind der Meinung, dass ein Vorgesetzter auch sein Team in eine Entscheidungsfindung mit einbeziehen sollte.

11% sind der Ansicht, dass sich eine gute Führungskraft außerdem persönlich an den Ort des Geschehens begeben sollte, um sich über einen Sachverhalt zu informieren. Schritte also, die zeitaufwändig sind, aber sicherstellen, dass die richtige und faire Entscheidung getroffen wird.

Ein Punkt bleibt dabei aber etwas widersprüchlich: 17% der Befragten glauben, dass sich ein guter Chef vor allem durch seine Schnelligkeit auszeichnet.

Eine Symphonie der motivierten Mitarbeiter

Schließlich ist eine gute Führungskraft auch eine Person, die vor ihrem "Orchester" in den Hintergrund treten kann.

Die große Mehrheit der befragten Teilnehmer (57%) findet, dass das Engagement für das Unternehmen vor allem ein großes Gemeinschaftsprojekt ist. Mit anderen Worten: Ein guter Chef dirigiert die Symphonie, die motivierte Mitarbeiter spielen.

50% der Befragten sind außerdem der Meinung, dass sich Autorität auch darin zeigt, die für alle geltenden Regeln selbst zu respektieren und dafür Sorge zu tragen, dass sie von allen eingehalten werden.

Die Rolle des Chefs scheint sich jedoch auch in Frankreich zu verändern. Laut einer Studie von Lumio geht die Tendenz auch hier hin zu einer autoritären und gleichzeitig verständnisvollen und unterstützenden Chefpersönlichkeit.

Verstärkt sich dieser Trend, sollte sich auch das generell als kompliziert eingestufte Verhältnis der französischen Angestellten zu ihrem Chef verbessern. Wir verfolgen die Entwicklung natürlich weiter.

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