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Was erwarten Sie von Ihrem Chef?

6. Juni 2013

Fachkompetenz, Erfahrung, Autorität, sind das die Eigenschaften des idealen Chefs? Nein! Ein guter Chef, das finden jedenfalls die französischen und deutschen Teilnehmer unserer Studie, ist in erster Linie ein Generalist, ein "Dirigent", der sich vor allem durch zwei Charaktereigenschaften auszeichnet: Mitarbeitermotivation und die Fähigkeit zu delegieren.

Die Kernkompetenz: Die Fähigkeit, seine Mitarbeiter zu motivieren

Wenn die Mitglieder unseres Netzwerks ihren Vorgesetzten selber wählen könnten, dann würden sie sich für den Kollegen mit der größten Leidenschaft entscheiden. 37% der von uns Befragten glauben, dass Charisma und die Fähigkeit, die Anderen mitzureißen, ein wesentliches Merkmal eines guten Chefs ist. Das ist der Beweis, dass Motivation heutzutage eine Schlüsselkompetenz im Personalbereich und für produktives Arbeiten ist. Charisma kommt noch vor der Fähigkeit, zuhören zu können und vor Selbstkritik, die nur 30% der Stimmen erreicht hat. Organisationstalent und gutes Zeitmanagement liegen an dritter Stelle (20% der Stimmen), gefolgt, weit abgeschlagen, von einer positiven Einstellung und Humor (7%) und Empathie (4%).

Das passt sehr gut zu dem Bild, das sich die Befragten von einem guten Chef machen. Hätten sie die Wahl zwischen einem Visionär, einem Pädagogen und einem Dirigenten, würde sich die Mehrheit, mit 56%, ziemlich deutlich für den Dirigenten entscheiden. Eine Persönlichkeit, die als etwas unnahbar aber auch als genial wahrgenommen wird und sich deutlich von den Musikern, die er dirigiert, abhebt. Er bietet das gewisse Etwas, was letztendlich den Unterschied zwischen einer großen Leistung und einem durchschnittlichen Konzert ausmacht.

Lieber ein Allrounder als ein Abenteurer

Ferner ist ein guter Chef nicht unbedingt einer, der sich durch umfassende Fähigkeiten auszeichnet. Die Mehrheit der Befragten finden, dass eine gute Führungskraft in erster Linie ein sehr guter Generalist ist, eine Person, die Trends aufspürt. Fachkompetenz und Erfahrung kommen an zweiter Stelle, mit 17%. Trotzdem sind diese Eigenschaften notwendig, damit originelle Lösungen für aktuelle Probleme gefunden werden können, eine Fähigkeit, die für 16% der Befragten bei einem guten Chef ausschlaggebend sind.

Liegt das vielleicht daran, dass die Mehrheit unserer Befragten für große Gesellschaften und nicht für Unternehmer arbeitet? "Abenteuerlust" und die Fähigkeit, über den Tellerrand zu schauen, wie ein Steve Jobs, der mit dem IPod den Musikkonsum revolutioniert hat, wird mit 10 % eher als nachrangig angesehen. Auch gute Ideen rangieren bei den wesentlichen Eigenschaften am unteren Ende, mit 7%.

Wissen, wie man delegiert

Hinsichtlich der Arbeitsorganisation herrscht der Konsens vor, dass Führungsstärke wichtig ist. Fast 48% der Befragten sind der Meinung, dass das den Mitarbeitern entgegengebrachte Vertrauen für den reibungslosen Ablauf im Unternehmen essentiell ist. Ebenso wichtig ist für ein Viertel der Befragten, die Erwartungen an die Mitarbeiter klar zu kommunizieren. Die klare Definition von Arbeitsabläufen rangiert an dritter Stelle, mit 14,5%. Die logische Folge von erteiltem Vertrauen, also die Kontrolle der aktuellen Projekte, Aktivitäten und der geleisteten Arbeit, kommt erst am Ende des Rankings.

Beachten Sie mich!

Ist das ein Widerspruch? Die Befragten wünschen sich Selbständigkeit und erwarten trotzdem von ihrem Chef, dass er jedem von ihnen Aufmerksamkeit schenkt und den Wert eines jeden Mitarbeiters schätzt. Das ist das Dilemma eines jeden Vorgesetzten, der den Spagat zwischen der Gesamtübersicht und den Anstrengungen jedes Einzelnen schaffen muss. 31% der Teilnehmer der Umfrage erwarten von ihrem Chef, dass er Talente fördert und zu Höchstleistungen animiert. Das ist vielen wichtiger, als dass er in der Lage ist, eine positive Atmosphäre im Unternehmen zu schaffen (25%). 21% der Befragten finden, dass ein guter Chef seine Untergebenen unterstützt, indem er ihnen regelmäßig Feedback zur Qualität ihrer Arbeit liefert. Etwas weniger wichtig ist das Management von menschlichen Beziehungen: Weniger als 14% finden, dass eine gute Führungskraft seine Autorität dafür verwenden sollte, Konflikte zu beenden, und nur 8% glauben, dass er die Fähigkeit besitzt, Kompromisslösungen zu finden.

Entscheidungen reifen lassen

Was die Entscheidungsfindung angeht, so bevorzugen die befragten Personen das Modell "Merkel" vor dem Modell "Sarkozy": Eine faire Entscheidung zu treffen ist besser, auch wenn das mehr Zeit kostet, finden 40%. 26% sind der Meinung, dass der Chef auch sein Team mit in eine Entscheidungsfindung einbeziehen sollte. 11% denken, dass sich eine gute Führungskraft außerdem persönlich an den Ort des Geschehens begeben sollte, um sich über einen Sachverhalt zu informieren. Schritte, die viel Zeit kosten, aber sicherstellen, dass die richtige Entscheidung getroffen wird. Ein Punkt bleibt dabei aber etwas widersprüchlich: 17% der Befragten glauben, dass sich ein guter Chef vor allem durch seine Schnelligkeit auszeichnet.

Die Symphonie komponieren

Schließlich ist eine gute Führungskraft auch derjenige, der vor seinem "Orchester" in den Hintergrund treten kann. Eine große Mehrheit der befragten Teilnehmer (57%) findet, dass Engagement im Unternehmen vor allem ein Gemeinschaftsprojekt ist. Mit anderen Worten: Ein guter Chef komponiert die Symphonie, die aus der Motivation der Mitarbeiter besteht. 50% der Befragten sind außerdem der Meinung, dass Autorität vor allem daraus besteht, die Regeln, die für alle gelten, zu respektieren und dafür Sorge zu tragen, dass sie respektiert werden.