Connexion-Emploi

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Arbeitsbedingungen in Deutschland und Frankreich im Vergleich: Wer schneidet besser ab?

7. März 2012

Wo sind die Arbeitsbedingungen besser: Im Land von Alstom oder Siemens? Zu diesem Thema hat Connexion-Emploi im Winter eine Umfrage durchgeführt, bei der sich über 995 Deutsche und Franzosen beteiligt haben. Während die überwiegende Mehrheit der Befragten der Meinung ist, dass das Arbeiten in Deutschland angenehmer ist, klagen in in beiden Länder gleich viele Menschen über Mobbing oder Burnout.

Diejenigen unter den Befragten, die schon in beiden Ländern gearbeitet haben, sind sich einig: In Deutschland ist das Arbeitsumfeld besser. Die deutsch-französischen Teilnehmer der Umfrage finden überwiegend, dass deutsche Unternehmen vor allem in folgenden Punkten besser abschneiden als die französischen:

  • bei den Arbeitsbedingungen (fast 80%)
  • in der Personalentwicklung (bis 68%)
  • in der Risikiovorsorge (bis 71%)

Auch in Bezug auf das Betriebsklima hat Deutschland die Nase vorn, dieser Meinung sind zumindest 56% der Befragten, gegenüber 46%, die lieber in Frankreich arbeiten.

Deutsche Unternehmen gelten als leistungsfähig

In der Umfrage haben wir die Mitglieder von Connexion-Emploi näher zu ihrem Arbeitsumfeld befragt. Zunächst ging es um die Aufgaben der Arbeitnehmer in ihrem Unternehmen. Auch hier sind die Teilnehmer der Umfrage der Meinung, dass Deutschland in Bezug auf die Qualität des Arbeitsumfelds deutlich überlegen ist. Mehr als 88% glauben, dass die Kundenbetreuung in Deutschland sehr gut ist, 73% von ihnen begrüßen die Förderung von Innovationen, 58% beurteilen die Unternehmens-Organisation als sehr leistungsfähig.
Mehr als die Hälfte finden die Rahmenbedingungen effizient, dass die Arbeitsaufgaben gerecht verteilt sind und 64% der befragten Arbeitnehmer sind der Meinung, dass ihre Kompetenzen ausreichend gewürdigt werden.

Die französischen Unternehmen schneiden im Vergleich dazu geringfügig schlechter ab. 76% sind der Auffassung, dass Kundenwünschen genügend Rechnung getragen wird, 54% sind der Meinung, dass Innovationen gefördert werden. 57% der befragten Deutschen und Franzosen glauben, dass die Unternehmens-Organisation in Frankreich weniger leistungsfähig ist und 64% beurteilen die Betreuung/ Rahmenbedingungen als weniger effizient. 59% schätzen, dass die Arbeitsbelastung ungerecht verteilt ist. Nur 49% der Befragten finden, dass ihre Kompetenzen von ihrem französischen Arbeitgeber genügend anerkannt werden.

Frankreichs Chefs gelten als weniger effizient

In Bezug auf die Beziehungen im Unternehmen ist die Kluft zwischen Frankreich und Deutschland größer. Obwohl die Befragten angeben,dass sie bei deutschen Unternehmen in den folgenden Punkten „sehr zufrieden" sind:

  • Einbezug der Mitarbeiter durch die Geschäftsleitung (63%)
  • Respekt der Mitarbeiter untereinander (81%)
  • Qualität der Arbeitsbeziehungen (78%)
  • Leistungen der Geschäftsleitung (56%)
  • Stimmung im Unternehmen (64%)
  • Qualität der Informationen (53%)

schneiden sie weniger gut ab als französische Unternehmen.

58% der befragten deutschen und französischen Teilnehmer geben an, dass sie mit ihren Anliegen bei der Geschäftsführung kaum Gehör finden. 66% bewerten die Arbeit der Geschäftsführung als nicht ausreichend und 60% bemängeln die Qualität der Unternehmenskommunikation. Die folgenden Punkte haben die Befragten auf beiden Seiten überwiegend als gut bewertet:

  • den Umgang der Mitarbeiter untereinander (74%)
  • die Arbeitsbeziehungen (68%)
  • das generelle Unternehmensklima (bis 52%)

Was die Bewertung der Arbeitsleistung und die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten angeht, sind die Ergebnisse schon differenzierter. Die Befragten sind im allgemeinen eher mäßig zufrieden mit den Angeboten ihres Unternehmens in diesen Bereichen. Bei den deutschen Unternehmen bemängeln:

  • 50,4% die Bewertungssysteme und die ausgezahlten Prämien/ Lohn
  • 52,2% die Unternehmensführung

wohingegen:

  • 50,3% das Angebot an Weiterbildungsmöglichkeiten begrüßen
  • und 54% mit dem Verhältnis Arbeitsaufwand und Entlohnung zufrieden sind.

Dagegen ist die Unzufriedenheit in Frankreich bezüglich der hier genannten Kriterien recht groß (mehr als 60% der Befragten).

Mobbing und Burnout: in beiden Ländern ein Problem

Ist Deutschland also wirklich so ein guter Ort zum Arbeiten? Nicht, wenn man die Häufigkeit von Berufskrankheiten oder Problemen am Arbeitsplatz in Betracht zieht, die in beiden beiden Ländern in etwa gleich oft auftreten. Die befragten Personen gaben an, in ihrer beruflichen Umgebung bereits mit Mobbing konfrontiert worden zu sein.

  • 29% von ihnen haben schon einmal Mobbing des Vorgesetzten gegenüber einem Mitarbeiter erlebt (36% in Frankreich)
  • und 21% Prozent haben Mobbing von einer Gruppe von Mitarbeitern gegenüber einem Kollegen bemerkt (26% in Frankreich)
  • Fälle von Burnout in Deutschland 38% beobachtet (46% in Frankreich)

Über ein Drittel der Teilnehmer der Umfrage haben schon die längfristigere Arbeitsunfähigkeit eines Kollegen erlebt - in Frankreich wie in Deutschland. Noch dramatischer: Der Selbstmord eines Kollegen gehört offenbar ebenfalls zur Arbeitswirklichkeit dazu. Etwa 8% der Befragten wurden - in beiden Ländern - bereits damit konfrontiert.

An der Umfrage nahmen 995 Personen teil:

  • davon waren 61% Franzosen
  • 28% Deutsche
  • 8% hatten die doppelte Staatsangehörigkeit

62,2% der Befragten arbeiten in Deutschland, 23% von ihnen in großen börsennotierten Unternehmen, der Rest arbeitet in kleinen mittelständischen Unternehmen oder in größeren nicht-börsennotierten Unternehmen.