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Wie ist das französische Hochschulsystem organisiert?

25. August 2010

Trotz der Bemühungen ein vergleichbares Hochschulsystem in Europa zu etablieren, bleiben die Grundmuster der universitären Landschaften in den verschiedenen Nationen bestehen. Für deutsche Studierende ist es zum Teil anfangs schwierig, sich im französischen Hochschulsystem zurecht zu finden. 

Allgemeine Zahlen und Fakten

Im Jahr 2009 waren in Frankreich mehr als 2,2 Millionen Studenten an den ca. 400. Hochschulen und Forschungseinrichtungen im Land eingeschrieben, davon  1,5 Millionen an den 85 staatlichen Universitäten. Das akademische Jahr ist in zwei Semester unterteilt. Das erste Semester geht von September bis Januar, das zweite von Februar bis Mai, anschließend sind Prüfungen. Das Notensystem reicht von 0 bis maximal 20 Punkten.

Durch die immer weiter fortschreitenden Bemühungen, Frankreich zu dezentralisieren gewinnen die universitären Angebote außerhalb der Hauptstadt Paris, wie z. B. in Nantes, Tours, Toulouse oder Aix en Provence neue Anziehungskraft.  Was das Angebot an zu studierenden Fachrichtungen betrifft, gibt es keine nennenswerten Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland. Allerdings sind Fächer, die in Deutschland nur an Universitäten gelehrt werden, in Frankreich auch an den Grandes Ecoles im Programm.

Hochschultypen

In Frankreich gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten eine Hochschule zu besuchen: man hat die Möglichkeit, sowohl an staatlichen oder privaten Universitäten oder außeruniversitären Einrichtungen zu studieren. Einige Studienangebote  werden in den Lycées angeboten, dazu gehören die  Vorbereitungsklassen für die Grandes Ecoles und die Fachingenieurschulen (STS - Sections de techniciens supérieurs). Andere Bildungseinrichtungen, (staatlich oder staatlich anerkannt)  unterstehen den jeweiligen Fachministerien, zum Beispiel Schulen für medizinische und soziale Berufe (Gesundheitsministerium), Kunst- und Kulturhochschulen (Ministerium für Kultur und Kommunikation) oder Ingenieurhochschulen (Bildungsministerium).

Generell unterscheidet man also zwischen den Universitäten, den Grandes Ecoles und den Ecoles spécialisées. Unterschiede bestehen im Angebot der Fachrichtungen, in den Zugangsvoraussetzungen, den Abschlussmöglichkeiten und den Studienkosten. Während Universitäten Studiengänge nahezu aller Fachbereiche vereinen und dort  in der Regel ohne Zugangsbeschränkungen studiert werden kann, handelt es sich bei den Grandes Ecoles um Eliteschulen, die auf eine Fachrichtung spezialisiert sind, die nur als Masterstudiengang belegt werden können und das Bestehen einer Zulassungsprüfung („concours") voraussetzen. Unter den Ecoles spécialisées versteht man Einrichtungen wie  Kunst- oder Musikakademien. Eine Liste der verschiedenen Hochschultypen findet man unter education.gouv.fr.

Universitäten in Frankreich

An den Universitäten findet man, entsprechend den Fachbereichen in Deutschland, verschiedene facultés oder auch UFR, Unité de Formation et de Recherche.  Die Studiengänge unterteilen sich in drei Studienabschnitte (1er cycle, 2ème cycle, 3ème cycle). Seit 2006, nach den Bologna-Abkommen in Europa, haben die jeweiligen Abschlüsse landesweit einheitliche Namen: Licence, Master und Doctorat (entspricht Bachelor, Master und Doktorat), kurz LMD. Für die medizinischen Studiengänge und die Vorbereitungsklassen zu den Grandes Ecoles wird das System zurzeit noch umgestellt. Auf Wunsch können auch die ehemaligen Abschlüsse (wie DEUG (nach dem 1er cycle) und Maîtrise (nach dem 2ème cycle) etc.) noch erworben werden. Im Unterschied zu Deutschland unterscheidet man bei den Bachelor- und Masterstudiengängen zwischen praktisch orientierten (Licence professionnelle / Master professionnel) und wissenschaftlichen Studienprogramme (Licence / Master recherche).
Gut zu wissen: Im Allgemeinen nennt man in Frankreich eher die Anzahl seiner Studienjahre, als den Abschluss, auch in Stellenanzeigen stehen daher Angaben wie BAC+4 oder BAC+5, wobei BAC eine Abkürzung für baccalauréat, die allgemeine Hochschulreife, darstellt und die Zahl die Anzahl der Studienjahre angibt.

  • Licence (bac +3): Die Licence entspricht dem Bachelor und dauert sechs Semester. Gemäß den Bologna-Abkommen werden die im europäischen Umfeld anerkannten Punkte (30 pro Semester) vergeben. Man erwirbt Grundkenntnisse in der oder den gewählten Fachrichtung(en). Die zuvor geltenden  Studienabschlüsse werden in das neue Licence-Studium integriert: Nach zwei Jahren kann man also zum Beispiel das DUT (diplôme universitaire de technologie) oder das BTS (brevet de technicien supérieur) erlangen.
  • Master (bac +5): Im Anschluss an eine  Licence kann man, in einem thematisch passendem Fachgebiet, den Master beginnen. In vier Semesters muss man insgesamt 120 Studienpunkte erwerben und nach dem zweiten Semester eine Zwischenprüfung ablegen. Bestandteil des Studiums ist außerdem ein Pflichtpraktikum in einem Unternehmen oder einem Labor. 
  • Doctorat (bac +8): Das Promotionsstudium besteht aus drei bis vier Jahren, in denen die Studierenden eine Doktorarbeit ausarbeiten müssen und daneben allgemeinbildende, berufsorientierte, sowie wissenschaftliche Kurse belegen müssen.

Grandes Ecoles in Frankreich

Die französische Elite und die zukünftigen Führungskräfte in Politik, Jura, Wirtschaft und im Ingenieurbereich werden in Frankreich in den Grandes  Ecoles oder auch Ecoles Supérieurs ausgebildet. Diese speziell französischen Schulen kann nur besuchen, wer eine anspruchsvolle Eignungsprüfung besteht. Aufnahmeberechtigt zu diesen praxisorientierten Studien, die die Studierenden zu hoch qualifizierten Fachleuten für Spitzenämter ausbilden,  ist man sowohl direkt nach dem Abitur, als auch nach einer ein- bis zweijährigen Ausbildung in den classes préparatoires, in denen man gezielt auf die Aufnahmeprüfung hinarbeitet oder nach dem Grundstudium an einer Universität.  Die Ausbildung dort dauert (inklusive der Vorbereitungsklasse) vier bis fünf Jahre. Besonders prestigeträchtig sind die Polytechnique, die Ecole Nationale d'Administration (ENA) sowie die Haute Ecoles des Hautes Etudes Commerciales (HEC).

Weitere Informationen: cge.asso.fr

Instituts Universitaires in Frankreich

Bei den Instituts Universitaires unterscheidet man

  • IUP - Instituts Universitaires Professionnalisés: kaufmännischer,  naturwissenschaftlicher und technischer Bereich mit starkem Bezug zum Beruf, Aufnahmevoraussetzung ist ein Jahr Studium in der jeweiligen Fachrichtung, Kooperationen mit Unternehmen aus der freien Wirtschaft,  3 Jahre, Abschluss Ingénieur-maître.
  • IUT - Instituts Universitaires de Technologie :  Kurzstudiengänge (filières courtes) in 2 Jahren, Abschluss als Techniker oder Assistent der Industrie- und Dienstleistungssektoren, diplôme universitaire de technologie (DUT).  Auch Lycées und private Einrichtungen bieten solche kurzen Studiengänge an.
  • IUFM - Instituts universitaires de formation des maîtres - Lehrerausbildung.

Fernstudium in Frankreich

Jede Universität in Frankreich bietet auch Fernstudiengänge an. Organisationen wie die FIED (Fédération Interuniversitaire d'Enseignement à Distance) und das CNED (Centre National d'Enseignement à Distance) bieten Inforamtionen und Beratung zu den Angeboten. 25 Universitäten sind Mitglied der FIED.

Weitere Informationen:

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