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Frankreich-Deutschland: Ein Kulturvergleich

Für die Franzosen ist die Konfliktpartnerschaft, der Deutschland die wirtschaftlichen Erfolge und die Stabilität der Nachkriegszeit zu verdanken hat, ein Wunder. Man bevorzugt die fruchtlose Konfrontation, die Seitenhiebe, die Schläge unter die Gürtellinie. Der Unterhaltungswert dessen ist allerdings nicht zu toppen.



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Die Franzosen verstehen sich auf die Kunst der politischen Beleidigung. Wie sanft sind doch die Attacken, die Helmut Kohl auf dem Tonbandgerät eines ziemlich skrupellosen Journalisten losgelassen hat! Und Peer Steinbrücks Ausfälle ? Pipifax, gemessen an den ätzenden Beschimpfungen, die in der Politikerkaste meines Landes Tag für Tag und ohne jede Hemmung ausgetauscht werden.


Gerade haben zwei Journalisten ein Buch mit Sarkozys, gelinde gesagt uneleganten Äußerungen über seine Kollegen von rechts und von links veröffentlicht.
Über François Hollande: "Ein Dilettant, und wie der sich anzieht!" Über seinen einstigen Arbeitsminister Xavier Bertrand: "Ein mittelmäßiger Versicherungsfritze"


Über seinen damaligen Premierminister François Fillon: "Ein Loser." Über seine eigene Partei UMP: "Alles Idioten!" Marine Le Pen, Chefin des Front National: "Ein Mannsweib, sieht aus wie ein Möbelpacker!" Sarkozys vielleicht gefährlichste Gegnerin bei den Wahlen 2017 hält sich zurück: "In aller Bescheidenheit möchte ich nicht auf das antworten, was dieser Adonis von sich gibt..."


Nicolas Sarkozy rackert sich wirklich ab, um eine uralte Tradition meines Landes fortzusetzen, wenn auch nicht gerade brillant. Wir erinnern uns daran, wie François Mitterrand Edouard Balladur, seinen Premierminister in der Zeit der Kohabitation, der GroKo à la française, den "ottomanischen Würger" nannte und damit auf dessen angebliche Bösartigkeit und den Geburtsort Izmir anspielte. Wir denken daran, wie Jean-Luc Mélenchon, Chef der linken Front de Gauche, Hollande mit einem Tretbootkapitän verglich. Giscard bekam den Spitznamen: "Hl. Selbstgefälligkeit", Pompidou "Pompon", De Gaulle: "Der große Charles", Chirac "5 Minuten Dusche inklusive" (eine Anspielung auf seine flotten Eroberungen), Mitterrand 'Tonton, Onkelchen", später einfach "Dieu, Gott".


Sarkozy über seinen früheren Außenminister Dominique de Villepin: "Große Klappe, kleine Eier"
Schwächelnde Potenz bei den Herren, durchschlagende Hässlichkeit bei den Damen, Fäkalsprache für beide Geschlechter - das klassische Register der Beleidigungen. Anfang der Woche genoss ich gerade diese durchaus erfinderischen Boshaftigkeiten, als mein Chefredakteur aus Paris anrief und mir eine verblüffend naive Frage stellte: "Kannst du uns erklären, wie die Große Koalition in Deutschland funktioniert und warum so eine Art Regierung in Frankreich undenkbar wäre ?"


Ich hatte gerade gelesen, was Sarkozy über seinen früheren Außenminister Dominique de Villepin gesagt hatte: "Große Klappe, kleine Eier." Ich hatte noch den herrlichen Satz im Ohr: "Chatterton (Tesafilm), der am Sakko festklebt, wenn man ihn endlich vom Finger abhat" - Mitterrand über Michel Rocard -... und das unvergessliche: "Ich hatte geglaubt, Chirac wäre der Marmor, aus dem man Statuen macht. In Wirklichkeit ist er das Porzellan, aus dem man Bidets macht." Plötzlich stellte ich mir voll Entsetzen vor, wie diese feine Gesellschaft sich um den ovalen Tisch im Ministerrat versammelt: Hollande, der "Flanby", weil er genauso herumwackelt wie der Pudding, und Sarkozy, "Speedy Gonzales" - und sie müssen gemeinsam regieren.


Den Franzosen kann man nur schwer vermitteln, dass Angela Merkel zu ihrem üppig gefeierten 60. Geburtstag im Sommer auch Sigmar Gabriel eine Einladung schickte. Ihr Partner in der Großen Koalition hielt vor 650 Gästen eine Eloge auf diese "sympathische" Frau, auf eine "herausragende Persönlichkeit und Politikerin". Merkel saß ihm gegenüber und errötete vor Freude. In Frankreich könnte man kaum glauben, dass diese Lawine von Komplimenten nicht eine etwas verlogene Harmonie an einem Festtag demonstriert, sondern echte Sympathie ausdrücken sollte. Man könnte sich kaum vorstellen, dass zwei politische Rivalen imstande sind, ihr Machtstreben und die ideologische Kluft zwischen ihnen zurückzustellen, um ihr Land durch die schwere See zu steuern, die Europa durchschüttelt.


Für die Franzosen ist die Konfliktpartnerschaft, der Deutschland die wirtschaftlichen Erfolge und die politische Stabilität der Nachkriegszeit zu verdanken hat, ein Wunder. Man bevorzugt die fruchtlose Konfrontation, die Seitenhiebe, die Schläge unter die Gürtellinie. Sicher, das Politbusiness auf deutsche Art ist weniger flapsig. Der Unterhaltungswert der politischen Ringkämpfe in Frankreich ist nicht zu toppen. Wenn es darum geht, ein Land zu lähmen und gleichzeitig zum Lachen zu bringen, können "Mutti" und "Harzer Roller" (Gabriel) Babar (Hollande) und Supersarko nicht das Wasser reichen.