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Carsharing im Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich

Immer mehr Menschen nutzen Angebote des kollaborativen Konsums. Gleichzeitig steigt das Bewusstsein für ökologische Nachhaltigkeit. Ein Trend, der auch die Autoindustrie betrifft. TEXT: ROMY STRAßENBURG



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Was haben ein Auto, ein Arbeitsplatz und eine Wohnung gemeinsam? Richtig! Man kann sie teilen. Adieu Ego, Zeit für Co- ! Die gemeinsame Nutzung von Gütern und Serviceleistungen folgt dem Grundsatz der Sharing Economy, des kollaborativen Konsums. Ob DriveNow, Coworking.de oder Airbnb: Jeder zweite Deutsche hat Erfahrungen mit alternativen Konsumformen, ergab eine Studie der Leuphana Universität in Lüneburg. Eine Ipsos-Umfrage kam zum gleichen Ergebnis für die Freude am Teilen unter Franzosen. Doktor Harald Heinrichs, Professor für Nachhaltigkeit, Politik und Gesellschaft, beobachtet „ein gewachsenes Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewusstsein und die Suche nach Konsumformen, die weniger ressourcenverbrauchend sind". Besonders beim Thema Auto überrascht der neue Trend. Denn im (deutschen) Volksmund verbietet sich ja sogar schon das Verborgen der drei F: Füller, Frau und... Fahrzeug! Studien allerdings belegen, dass das Auto insbesondere bei jüngeren Generationen an Stellenwert einbüßt. „Für sie sind soziale Medien und die dazugehörigen technischen Geräte vom Smartphone bis zum Tablet-PC wichtiger geworden", sagt Heinrichs.


Mitfahrzentralen sind nur eine Seite des Phänomens. Immer mehr vornehmlich junge Städter nutzen kommerzielle Carsharing-Unternehmen. Stefan, 29, ist Fotograf und lebt in Berlin. Pro Monat gibt er rund 30 Euro bei DriveNow aus, wo er sich regelmäßig per Applikation ein nahe geparktes Gefährt aussucht, das er später überall im Stadtgebiet wieder abstellen kann. 30 Cent pro Minute kostet der Fahrspaß ohne festes Abonnement. „Ein bisschen Statusdenken ist trotzdem dabei, wenn man sich einen BMW X1 oder einen Mini-Cabriolet aussucht", gesteht Stefan ein. Insgesamt geht der Deutsche Bundesverband CarSharing e. V. bereits von über 450 000 Nutzern aus.


Im Vergleich zu Deutschland herrscht in Frankreich noch Aufholbedarf. Zu Jahresbeginn wurden die „Auto-Teiler" auf 50 000 geschätzt, die Hälfte von ihnen in der Hauptstadt. Aber bereits in 50 Städten findet man Anbieter, und die Tendenz ist steigend. Stärker als in Deutschland hat sich in Frankreich die Ausleihe von Elektroautos durchgesetzt, unterstützt von den Kommunen. 10 % städtischer Autoabgase entstehen bei der Parkplatzsuche, die man sich dank fester Ladestationen spart, ebenso wie Spritkosten und Parkgebühren. Die Nachfrage nach kostengünstigen Elektroautos könnte also in diesem Bereich steigen, während deren Verkaufszahlen an Privathaushalte bislang ernüchternd sind. Hinzu kommt, dass Carsharing e. V. in einer Umfrage unter Neukunden ermittelt hat, dass über die Hälfte der Nutzer nach sieben Monaten das eigene Auto abgeschafft hat. Die Hersteller dürften die neue „Freude am Fahren" wohl kaum teilen.


TEXT: ROMY STRAßENBURG