Connexion-Emploi

Die führende deutsch-französische Jobbörse

Arbeiten in Frankreich: Voraussetzungen und Vorteile

17. Januar 2011

In Frankreich zu arbeiten bringt viele Vorteile mit sich: Es gilt der gesetzliche Mindestlohn, die "Crèches" bieten ganztägige Kinderbetreuung, und es gibt die 35-Stunden Woche. Doch wer sich auf das Abenteuer Frankreich einlässt sollte sehr gute Sprachkenntnisse und interkulturelle Kompetenz mitbringen.

Deutsche können in Frankreich jede Arbeit annehmen - bis auf bestimmte Stellen im öffentlichen Dienst. Eine Aufenthaltserlaubnis, die Carte de séjour, ist für EU-Bürger nicht mehr verpflichtend, wird aber teilweise von den französischen Arbeitgebern noch verlangt. Wichtig sind Sprachkenntnisse: Ein Deutscher, der in Frankreich arbeiten möchte, ohne gut Französisch zu können, hat zwar Möglichkeiten, ist aber beruflich und vor allem sozial sehr eingeschränkt.

Bewerbung in Frankreich

Bei der Bewerbung sind einige Unterschiede zu beachten: Während in Deutschland die Arbeitgeber komplette Bewerbungsunterlagen mit Zeugnissen sehen wollen, reicht französischen Firmen zunächst meist nur ein Anschreiben, die lettre de motivation und ein knapper Lebenslauf, der Curriculum vitae oder kurz "CV". Das bedeutet jedoch nicht, dass auf Diplome und Qualifikationen weniger Wert gelegt wird. Dies wird in den französischen Stellenausschreibungen deutlich: Hier erkennt der Bewerber durch Angaben, wie Bac +2, +3 oder +4 welche universitäre Qualifikation erwartet wird. Verlangt ein Arbeitgeber ein "Bac +2" oder ein "Bac+3" entspricht das etwa dem deutschen Vordiplom oder dem Bachelor Studium. Des Weiteren sollten deutsche Diplome nicht übersetzt werden. Das könnte Verwirrung stiften. Sicher gehen Sie, wenn Sie stattdessen eine Erklärung dazu fügen.

Bedeutung von Diplomen und das französische Hochschulranking

Doch nicht nur die Länge des Studiums, auch die Wahl der Universität ist für französische Arbeitgeber nicht unwichtig. Möchte ein französischer Abiturient einen Studienplatz an einer der renommierten französischen Elite-Universitäten ergattern, geht dies nur über das zwei- bis vierjährige Vorbereitungsstudium, die Classe préparatoire aux grandes écoles, abgekürzt CPGE, die auf das selektive Auswahlverfahren der Grandes Ecoles vorbereiten. Erhält man mit etwas Glück nach dem concours den langersehnten Studienplatz, kann man hier meist bereits im dritten Semester einsteigen. Im Gegensatz zu deutschen oder französischen Universitäten sind die Grandes Ecoles spezialisierte Hochschulen, die in der Regel ein bestimmtes Fach bzw. eine Gruppe verwandter Fächer unterrichten, das Fachstudium aber mit vielen allgemeinbildenden und persönlichkeitsfördernden Elementen verbinden. Wer seinen Abschluss an einer der prestigereichen Grandes Écoles macht, gilt als Nachwuchskraft der Führungselite in Staat, Wirtschaft und Kultur.

Zu den bekanntesten Grandes Ecoles gehören u.a. die Pariser Ecole Normale Supérieure (ENS), die neuerdings in Straßburg angesiedelte Ecole nationale d'administration (ENA), das Institut d'études politiques de Paris (Sciences Po), die Ecole nationale supérieure des mines de Paris, die Militärschule Saint-Cyr (ESM Saint-Cyr) oder die beiden Pariser Kunsthochschulen Ecole nationale supérieure des beaux-arts de Paris (ENSBA) sowie die Ecole nationale supérieure des arts décoratifs (ENSAD).

Jobanzeigen in Frankreich

Nicht verzweifeln sollten Deutsche an den vielen Abkürzungen in Jobanzeigen: So steht CDI (Contrat à durée indéterminée) für eine unbefristete Stelle, oder CDD (Contrat à durée déterminée) für eine befristete. Ist der Job in der IDF, geht es um einen Arbeitsplatz im Pariser Großraum Ile-de-France. Bewerber können mit einer schnellen Entscheidung rechnen, denn französische Unternehmen tendieren dazu, im letzten Moment zu suchen. So werden in Frankreich Bewerber in der Regel nur ein oder zwei Monate vor dem geplanten Stellenantritt gesucht. Je wichtiger jedoch die zu besetzende Stelle, desto länger kann das Verfahren dauern.

Interkulturelle Kompetenz unverzichtbar

Klappt es dann endlich mit der ersehnten Stelle, zeigen sich auch im Berufsalltag die historisch-kulturellen Besonderheiten im Nachbarland. Hier sollte jedem Kandidaten bewusst sein, dass er neben einer anderen Sprache auch mit anderen Denk- und Arbeitsstilen konfrontiert wird, die er nicht verstehen, nicht einordnen und auf die er infolgedessen nicht richtig reagieren kann. Professor Dr. Christoph Barmeyer, seit 2008 Inhaber des Lehrstuhls für Interkulturelle Kommunikation an der Universität Passau, warnt hier vor standardisierten Dos und Donts, wie sie in gängiger Management Literatur propagiert werden. "Gesellschaften sind keine starren Konstrukte, Menschen keine Roboter, und jede Situation ist anders", so der Kenner der deutschen und der französischen Kultur. Deshalb sollten deutsche Kollegen vorsichtig sein, wenn Ratgeber beispielsweise vermitteln, man könne in Frankreich ruhig später kommen. "Weit gefehlt", so Barmeyer. "Denn nur höher stehende Personen, also der Chef, der Kunde, der Professor, dürfen sich dies herausnehmen, nicht aber der Mitarbeiter, der Lieferant oder der Studierende." Wer interkulturell kompetent ist, weiß um diese kleinen, aber im persönlichen Miteinander sehr wichtigen Unterschiede.

Gute Kinderbetreuung

Ein weiterer Vorteil in Frankreich sind die Kinderbetreuungsangebote, die es einfacher machen, Familie und Beruf zu vereinbaren. Die Schule findet ganztags statt. Auch wenn dies für die Kleinen eine Herausforderung darstellt, erlaubt dieses System den berufstätigen Eltern maximale Flexibilität. Schon ein Viertel aller Kinder ab zwei Jahren und praktisch alle Drei- bis Fünf-Jährigen gehen nach Angaben des französischen Bildungsministeriums in die Vorschule, die Ecole Maternelle. Für die Kleinsten gibt es auch verschiedene Angebote für Krippen und individuelle Betreuung. Und während in Frankreich die Kinderbetreuung selbstverständlich ist, steht dieses Thema in Deutschland noch immer nicht auf der Prioritätenliste von Bund und Länder. Laut Kinderförderungsgesetz haben Eltern in Deutschland vom 1. August 2013 an zwar einen Rechtsanspruch auf Betreuung, sobald ihr Kind ein Jahr alt ist. Doch nach wie vor will der Bund bis dahin jährlich nur vier Milliarden Euro für den Krippenausbau zur Verfügung stellen. Laut Forsa-Umfrage von 2010 bedeutet dies, dass weiterhin ca. 45% der jungen Frauen, die den beruflichen Wiedereinstieg suchen, keinen Krippenplatz für ihr Kind erhalten werden.



Duesselcarrière


Annette Sophie Becker
Tel: +49 (0)176 81 00 89 43
annette.becker@duesselcarriere.com