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Geschäftsessen in Frankreich: Die Etikette sicher im Griff

Das Geschäftsessen ist oft nichts anderes als eine Umschreibung für Arbeitstreffen. Sie sind zuweilen einfach sehr wichtig, um zum Beispiel mit einem Kunden Kontakt aufzunehmen, einen künftigen Partner, Investor oder Teilhaber besser kennenzulernen, oder die Unterzeichnung eines Vertrages zu feiern.

Es verbirgt sich also meist ein wichtiger Anlass hinter einem solchen Essen, und dieser erfordert nicht zuletzt, dass jeder weiß, wie man sich zu solch einem Ereignis verhält. Denn es gibt wohl nichts schlimmeres, als etwa den Gastgeber durch unangebrachtes Verhalten vor den Kopf zu stoßen.

Aber keine Sorge. Wir haben hier für Sie ein Menü mit Ratschlägen zusammengestellt, damit Ihnen Ihr nächstes Arbeitsessen in Frankreich auf jeden Fall gelingt.

Der Appetithappen

  • Derjenige, der zu dem Essen einlädt, wählt auch das Restaurant. Dabei sollte man ein Restaurant aussuchen, das zum Beispiel nahe am Arbeitsplatz des Gastes liegt. So zeigt man den Respekt vor dem anderen.
  • Das gewählte Restaurant sollte nicht zu laut sein. Auch sollte im Lokal selbst ein stiller Ort gewählt werden - also nicht unbedingt am Ausgang, wo man dann fast auf dem Schoß seines Nachbarn sitzen muss, um seinen Gesprächspartner hören zu können! Aber auch leere Restaurants, in denen schon das kleinste bisschen erhobene Stimme den eingeschlafenen Kellner hochschreckt, sollte man besser meiden.
  • Man bestätigt den Termin für das Abendessen am Tag zuvor, damit man sich am Ende nicht herausgeputzt aber alleine und vor seinem Steak wiederfindet.
  • Man bereitet sich auf die Themen vor, die man ansprechen möchte, am besten kennt man sie auswendig, denn es kommt schlecht, Notizen auf der gestärkten Tischdecke auszubreiten. Das Arbeitsessen wird ohne Netz und doppelten Boden durchgeführt, daran erkennt man den wahren Künstler!

Die Vorspeise

  • Der Einladende erscheint als erster am Schauplatz. Wenn der Gast sich dem Oberkellner vorstellt, sollte dieser schon in der Lage sein, ihm den richtigen Tisch zu weisen.
  • Wenn es mehrere Gäste gibt, regelt der Gastgeber die Sitzordnung. Das kann altmodisch wirken, aber so kann er, ähnlich wie bei einem Schachspiel, maßgeblich den Verlauf des Essens bestimmen. Zum Beispiel sollte man es vermeiden, den Introvertierten neben den Spaßmacher ans Kopfende zu setzen und damit dazu zu verurteilen, das Gelächter der anderen aus der Ferne zu beobachten und selber langweilige Themen auszutauschen.
  • Die Gäste wählen die Gerichte, aber es ist die Pflicht des Gastgebers den Wein auszusuchen. Will jemand keinen Alkohol trinken, so muss er das in diesem Moment mitteilen.
  • Die Tischmanieren können für Menschen aus anderen Kulturkreisen eine ganz andere Bedeutung haben, als wir sie ihnen zuschreiben. Zum Beispiel stoßen die Chinesen und andere Asiaten freiwillig an, als ein Zeichen von Höflichkeit und Respekt, während das bei uns höchstens im familiären Rahmen gemacht wird. Also nicht einfach "Tchin-tchin!" ohne Aufforderung rufen.
  • Wichtig: Es gehört zum guten Ton bis zum Hauptgang nicht über die Arbeit zu sprechen. Die Vorspeise ist dazu da, Smalltalk zu machen, Gespräche über die Kinder, den nächsten Urlaub, Kinofilme oder Bücher. Man meidet zu intime Themen vom Typ: "Stimmt es, dass Ihre Frau Sie verlassen hat?"
  • Wenn der Gastgeber einen ausgefalleneren Gang mit Extras bestellt, kann er das beiläufig auch seine Gästen wissen lassen, damit sie sich auch trauen, ein Rinderkotelett über 5 Euro zu bestellen.
  • Gäste und Gastgeber vermeiden beim Arbeitsessen lieber verfängliche Gerichte vom Typ Spaghetti Bolognese, Schweinerippchen oder Krebsscheren - einfach alles, wo man die Aufmerksamkeit, die man eigentlich seinem Gesprächspartner schenken sollte, darauf verwenden muss, nicht zu schmatzen, zu schlürfen oder mit dem Essen herumzuspritzen.

Das Hauptgericht

  • Jetzt ist die richtige Gelegenheit, vorsichtig das eigentliche Thema, den eigentlichen Grund des Geschäftsessens anzusprechen - möglichst nicht auf die Holzhammermethode: "Sprechen wir nun über ... Und jetzt mal zum Vertrag...". Ein eleganter Übergang will gefunden werden.
  • Man konzentriert sich beim Arbeitsessen nicht auf sein Essen. Denken Sie daran: das Essen ist nur ein Vorwand. Eigentlich befinden Sie sich ja in einer Sitzung. Sich dann also nur mit seinem Kabeljau auseinanderzusetzen, ist genauso unhöflich, wie während einer Versammlung SMS zu verschicken.
  • Man trinkt nicht zu viel, man tupft sich vorsichtig die Mundwinkel ab, man schmiert sich auch keine Butterstullen, man wischt den Teller nicht mit dem Brot sauber, und man bestellt keine weitere Portion Pommes. Eigentlich selbstverständlich, aber wir wollten trotzdem nochmal daran erinnern.

Nachtisch und Kaffee

  • Heutzutage hat sich das sogenannte "Pariser Modell" durchgesetzt, das besagt, dass ein Arbeitsessen ungefähr eine Stunde dauern soll. Wenn Sie bereits eine Vorspeise hatten, wird es nun also etwas knapp für einen Dessert. Jetzt also noch rasch ein paar Windbeutel zu bestellen, kann schnell den Eindruck vermitteln, Sie seien ein "Bon vivant", und nicht unbedingt der erwünschte dynamische und energiegeladene Geschäftspartner. Immer seltener übrigens widmet man sich in Frankreich allzu opulenten Mittagsmahlen. Selbst in der Provinz, wo man nicht unbedingt den neuesten Diät-Trends hinterherrennt, wird immer weniger geschlemmt.
  • Der Gastgeber bezahlt - bevor der Eingeladene sein Portemonnaie herausholen muss - indem er diskret zur Kasse schleicht, um die Rechnung quasi per Zauberhand zu begleichen - oder noch besser: er lässt sich die Rechnung ins Büro schicken. Das ist für den Gast am angenehmsten. Sollte sich die Frage stellen, behalten Sie im Hinterkopf, dass immer derjenige die Rechnung zahlt, der den Tisch gebucht hat.
  • Der Gast bedankt sich herzlich, auch wenn er weiß, dass es sich eigentlich um das Unternehmen des Gastgebers gehandelt hat, das ihm sein Rinderfilet bezahlt hat. Entsprechend wird der Gastgeber natürlich nicht laut nach einer Quittung für die spätere Spesenabrechnung fragen. Aber klar: Die Danksagung bezieht sich ja darauf, dass der Gastgeber Aufmerksamkeit und Zeit investiert hat. Es geht nicht um den finanziellen Aufwand; das wäre wohl etwas unangebracht.
  • Der Gast wird das Mittel seiner Wahl nehmen, um sich zu bedanken, sei das die Mail, eine SMS oder ein Brief. Letzteres mag etwas altmodisch sein, es bietet aber die Gelegenheit, zum Beispiel noch ein paar wichtige Dokumente anzufügen, womit man die Sache abrunden kann.

Alle Ratschläge von Marie-France Lecherbonnier finden Sie in ihrem Blog: www.mariefrancelecherbonnier.com

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