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Wie wird in Frankreich Familienleben und Berufsleben vereinbart?

Junge Frauen und Männer stehen heutzutage immer häufiger vor der Entscheidung: Kind, Karriere oder beides? In vielen Fällen sind beide Partner berufstätig und wollen oder können ihren Beruf nicht ganz verlassen, wollen aber auch nicht auf eine eigene Familie verzichten.

Diese Entscheidung ist also nicht immer leicht und bedarf guter Planung. Aber zum Glück gibt es in Frankreich immer mehr Versuche von Seiten der Arbeitgeber und des Staates, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser zu fördern, um aus der Entscheidung zwischen zwei Möglichkeiten, eine Entscheidung für beide Alternativen zugleich zu machen.

Berufstätige Frauen in Frankreich

In Frankreich sind über 80% der Frauen zwischen 25 und 49 erwerbstätig. Trotzdem ist Frankreich aber auch das Land mit der höchsten Geburtenrate in Europa (2 Kinder pro Frau). Grund dafür sind zahlreiche Einrichtungen, die die Verbindung von Beruf und Familie erleichtern und fördern sollen. Aber auch in Frankreich ist man weiterhin darum bemüht, die Bedingungen für Eltern zu verbessern. So gibt es seit 2008 eine Charta zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie (Charte de la Parentalité en Entreprise), die bisher schon über 30 Unternehmen unterzeichnet haben. Mit dieser Initiative soll vor allem an der allgemeinen Einstellung etwas geändert werden, da Mitarbeiter mit Kindern zum Teil immer noch diskriminiert werden und Kinder sich vor allem bei Frauen immer noch negativ auf die Karrierechancen auswirken. Die Aktion steht unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Familie und der Staatssekretärin für Familie. Außerdem unterstützte L'Oréal das Projekt von Beginn an. Man will so die Unternehmen sensibilisieren und motivieren, um durch gewisse Maßnahmen (wie Ausbau der Betreuungseinrichtungen, Gewährung flexibler Arbeitszeiten oder Heimarbeit) Eltern nicht auszugrenzen, sondern, im Gegenteil, besser einzubinden und ihnen bessere Voraussetzungen zu schaffen, um allen gerecht werden zu können.

Mutterschutz in Frankreich: congé de maternité und congé de paternité

Gemäß den europäischen Richtlinien gibt es in Frankreich einen gesetzlichen Mutterschutz, sowie die Möglichkeit Erziehungszeit zu beantragen. Jede Arbeitnehmerin hat unabhängig von der Art ihres Vertrages und der Dauer der Zugehörigkeit in einem Unternehmen Anspruch auf einen Mutterschutz (congé de maternité), den ihr der Arbeitgeber nicht verweigern darf. Die Dauer des Mutterschutzes ist abhängig von der Zahl der Kinder. In der Regel hat man Anspruch auf 16 Wochen (erstes Kind) bis max. 46 Wochen (Mehrlingsgeburten). Neben den gesetzlichen Vorgaben kann es immer durch Gewerkschaften andere, noch vorteilhaftere Vereinbarungen geben, man sollte sich also vorher genau über die individuellen Anspruch informieren. Im Allgemeinen werden einige Wochen vor und einige Wochen nach der Geburt des Kindes freigenommen. In Absprache mit dem behandelnden Arzt ist es aber auch möglich, max. 3 Wochen der Wochen vor der Geburt auf die Zeit danach zu verschieben. In jedem Fall dürfen Frauen 8 Wochen vor und nach der Geburt nicht arbeiten, davon müssen 6 Wochen nach der Geburt liegen. In Ausnahmefällen (gesundheitliche Probleme, Fehlgeburt etc.) gibt es gesonderte Regeln.

Auch Männer haben Anspruch auf ein paar Tage Urlaub zur Geburt ihres Kindes (congé de paternité). Sie müssen lediglich in den ersten 4 Monaten nach der Geburt genommen werden, sonst verfällt der Anspruch. Zusätzlich zu den drei gesetzlich genehmigten Tagen Urlaub zur Geburt des Kindes können Väter 11 bis 18 (Mehrlinge) Tage Urlaub beantragen. Diesen Anspruch haben alle Arbeitnehmer, unabhängig von Zugehörigkeitsdauer zum Unternehmen, der Art des Vertrage oder des Familienstandes (auch wenn der Vater nicht bei dem Kind lebt, gilt dieser Anspruch). In Ausnahmesituationen (Kind länger im Krankenhaus, Tod der Mutter) gelten gesonderte Regeln.

Erziehungszeit in Frankreich: congé parental d'éducation

Im Anschluss an den Mutterschutz können Eltern (egal ob Mann oder Frau) auch in Frankreich Erziehungszeit (in Deutschland jetzt Elternzeit genannt) beantragen. Diesen Anspruch haben allerdings nur die Mitarbeiter/innen, die vor der Geburt des Kindes mindestens ein Jahr in dem Unternehmen gearbeitet haben. Zunächst beantragt man ein Jahr Erziehungszeit, kann diesen aber zweimal noch verlängern, sodass man maximal 3 Jahre zuhause bleiben kann. Der Arbeitgeber darf diesen Antrag nicht ablehnen. Der geltende Arbeitsvertrag wird aufgelöst, man hat aber Anspruch auf Wiedereinstellung in seinem bzw. in einem vergleichbaren Arbeitsplatz im Unternehmen. Bei der CAF (Caisse d'Allocations Familiales) kann man (allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen) finanzielle Unterstützung für die Zeit der Erziehungszeit beantragen. Alternativ kann man auch in Teilzeit im Unternehmen weiterarbeiten, was eine gute Möglichkeit ist, im Berufsleben präsent zu bleiben und so den Anschluss nicht zu verlieren.

Kinderbetreuung für berufstätige Eltern in Frankreich

Das Betreuungsangebot in Frankreich ist im Vergleich zu anderen europäischen Staaten sehr gut ausgebaut und bietet verschiedene Wahlmöglichkeiten. In Frankreich sind bereits ca. 30% aller Kleinkinder unter 3 Jahren in Betreuungseinrichtungen und nahezu alle Kinder zwischen 3 und 6 Jahren besuchen die (freiwillige) Vorschule, die école maternelle. Im Gegensatz zu den Kindergärten in Deutschland, sind die écoles maternelle schon sehr schulisch ausgerichtet, die Kinder lernen beispielsweise spielerisch bereits Lesen, Rechnen und Schreiben. Es gibt auch Kindergärten (jardins d'enfants), die aber im Vergleich zu den dominanten Vorschulen eine nachgeordnete Rolle spielen. Neben diesen kollektiven Einrichtungen gibt es auch die Möglichkeit, das Kind zu einer Tagesmutter zu bringen oder in eine der privaten Elterninitiativen.

Zwar besteht kein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, aber die Betreuung zugunsten einer Erwerbstätigkeit beider Eltern wird durch politische Maßnahmen gewollt gefördert. Beispielsweise durch die Voraussetzungen, die man erfüllen muss, um Erziehungszeit beantragen zu dürfen. So verwundert es nicht, wenn 60% aller Kinder unter 6 Jahren zwei berufstätige Eltern haben.