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Frauen auf dem Arbeitsmarkt in Frankreich: Arbeiten sie mehr als Deutsche?

29. Januar 2013

In Deutschland arbeiten im Durchschnitt mehr Frauen als in Frankreich (66% gegenüber 60%). Allerdings ist die Erhöhung der Beschäftigungsquote in Deutschland im Wesentlichen auf den Anstieg der Teilzeitarbeit zurückzuführen.

Etwas niedrigere Beschäftigungsquote bei französischen Frauen

Obwohl es für Deutsche im Vergleich zu den Franzosen viel schwerer ist, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, ist der Anteil der arbeitenden Frauen in Deutschland viel höher. Und das liegt vor allem an der großen Verbreitung der Teilzeitjobs. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Studie des Nationalen Instituts für demographische Studien (Ined). Nach den Statistiken von Eurostat lag die Beschäftigungsquote der deutschen Frauen zwischen 15 und 64 Jahren 2010 bei 66% und bei den Französinnen zwischen 15 und 64 Jahren bei 60%, sagt Anne Salles, Soziologin bei Ined.

Weniger als ein Drittel der deutschen Mütter sind berufstätig

Ganz anders sieht die Situation aus, wenn man die Mütter miteinberechnet. In Deutschland arbeiten weniger als ein Drittel der Frauen, die Kinder unter drei Jahren haben. Das kann dadurch erklärt werden, dass Betreuungsangebote im Vergleich zu Frankreich viel weniger verbreitet sind, außerdem sind arbeitende Mütter viel weniger akzeptiert. Häufig ist hier noch die Meinung verbreitet, dass sich eine „gute Mutter selber um ihre Kinder kümmert und ihr Kind nicht den ganzen Tag in der Krippe abgibt."

Nur jede dritte Frau ab 55 arbeitet in Frankreich, in Deutschland jede zweite

Wie erklären sich dann also die verhältnismäßig hohen Zahlen der arbeitenden deutschen Frauen? Eine Antwort ist: Kinderlose Frauen sind ebenso in die Studie einbezogen worden, wie die Mütter, und davon gibt es in Deutschland einfach mehr als in Frankreich.

Außerdem arbeiten laut der Ined-Studie sowohl junge als auch ältere Frauen in Deutschland häufiger. So sind Studentenjobs hier stärker verbreitet und 50% der älteren deutschen Frauen zwischen 55 und 64 arbeiten, gegenüber 37% bei den Französinnen. Zudem geht es dem Arbeitsmarkt in Deutschland generell besser, mit Arbeitslosenquoten bei den Frauen von 5,6% (2011), gegenüber 10,2% in Frankreich.

Teilzeitstellen werten deutsche Statistiken auf

Aber im Endeffekt erklären sich die hohen Beschäftigungsquoten in Deutschland vor allem durch die vielen Teilzeitstellen: Der Anteil der Frauen, die in Teilzeit arbeiten, ist seit 1989 von 30% auf 45 % 2010 angestiegen, in Frankreich dagegen erreicht der Anteil nicht mehr als 30%. In Deutschland haben dazu noch die Mini-Jobs bzw. die 400 Euro Jobs stark zugenommen, und diese ziehen der Studie nach vor allem Frauen an. Immerhin sind es zwei Drittel der Frauen in Deutschland, mit Kindern unter 15 Jahren, die in solchen Teilzeitjobs arbeiten, in Frankreich sind es nur ein Drittel.

Bleibt zu bedenken, dass die Beschäftigungsquote von Frauen in Vollzeitsjobs in Deutschland mit 45% niedriger ist, als in Frankreich mit 53%. Und damit arbeiten trotz aller positiver Vorzeichen, wie der besseren wirtschaftlichen Situation in Deutschland, hier letztendlich weniger Frauen in Arbeitsverhältnissen, von denen sie auch gut leben können.

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