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Louis Vuitton: Lorenz Bäumer - Der Deutsche, der die französische Bijouterie erobert hat

Seine zahlreichen Reisen sind das Leitmotiv in seiner aktuellen Kollektion für die Luxusmarke Louis Vuitton. Lorenz Bäumer hat sein Handwerk in Paris gelernt: seine Leidenschaft gilt der Kreation von Schmuck, der Frauen zu Träumen bringt. Das Universum des 44-Jährigen, der eine französische Mutter und einen deutschen Vater hat, ist so vielschichtig wie seine eigene Biographie. Interview mit dem deutsch-französischen Juwelier, der keine Krise kennt.  TEXT: ROMY STRASSENBURG



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ParisBerlin: Ihre Liste der Auftraggeber für Ihre Kreationen ist beeindruckend. Wie genau sieht die Zusammenarbeit mit Vuitton aus?


Lorenz Bäumer: Vuitton ist auf mich zugekommen mit diesem außergewöhnlichen Vorschlag, ich solle die künstlerische Leitung der Juwelierabteilung übernehmen und dann habensie mir erzählt, in welcher Größenordnung dasProjekt stattfinden wird und dass bereits daran gearbeitet wurde. Da habe ich ohne zu zögern die Gelegenheit ergriffen und so werden meine Kreationen nach und nach ihre Kollektion vervollständigen und ersetzen. Ich glaube, dass die Marke Vuitton stets von dem beeinflusstwird, was sich rundherum abspielt, vom „Sehen" und genauso bin ich beeinflusst von ihrer Geschichte und ihrem Angebot.


PB: Inwiefern beeinflusst Ihre Arbeit den Stil von Vuitton?


LB: Meine Arbeit ist inspiriert vom Universum des Poeten, des Gärtners und des Architekten. Der Poet macht Schmuck mit versteckten Bedeutungen, gleich einem Schriftzug auf einem Ring. Das Universum des
Architekten erklärtsich durch meine Ausbildung zum Ingenieur, was in geometrischen, klaren Formen zum Ausdruck kommt und schließlich schimmert der Gärtner durch in Kreationen, die von der Natur inspiriert werden. Dies sind die Grundlagen meiner Arbeit und darin stecken auch schon einige Überschneidungen mit Louis Vuitton.
Doch was uns daruüber hinaus verbindet, ist das Thema Reisen und die Frage: Was kann man aus den Erinnerungen machen, die man von einer Reise mitbringt?


PB: Wie hat Ihr deutsch-französischer Hintergrund Ihre Arbeit und ihr Leben in Frankreich beeinflusst?


LB: Es ist nicht immer leicht zu sagen, woher die eigenen Inspirationen kommen, aber es ist klar: ich habe eine französische Mutter und einen deutschen Vater und das findet sich vielleicht ein bisschen in meiner Arbeit wieder. Dieser Gegensatz zwischen der französischen Kultur, das Blumige, die runden Formen und auf der anderen Seite mein Vater, der in der Tat viel strukturierter ist - also beides hat gleichermaßen Einfluss auf meine Arbeit genommen. Aber das klingt jetzt fast wie zwei Karikaturen, denn heute sehe ich mich als Europäer und Weltbürger und alles hat sich vermischt.


PB: Ihr Geschäft haben Sie in Paris eröffnet, was halten Sie von der Entwicklung Berlins als Modestadt?


LB: Berlin ist eine Stadt mit einer vielschichtigen Kultur, das erklärt sich bereits aus der Geschichte. Weil es eine Stadt ist, in der das meiste wieder aufgebaut werden musste, bewegt sich dort viel in Sachen Kultur und Kreativität.
Jedoch nicht nur in der Mode. Ob in der Malerei, im Design, im Bereich Graphik - ich schaue immer, was sich dort abspielt. Zudem bin ich großer Fan der fantastischen Museen der Stadt wie dem Pergamonmuseum.


PB: Überall spricht man von der Krise. Gilt das auch für die Luxusindustrie?


LB: Ich denke die aktuelle Krise zwingt jeden dazu, über seine Lebensart nachzudenken, seine Prioritäten und Wünsche zu überdenken. Vor diesem Hintergrund ist auch die Luxusindustrie dazu gezwungen, sich zu hinterfragen.
Doch gleichzeitig wollen die Menschen träumen und ein bisschen flüchten und ich finde es interessant, wie das durch Schmuckkreationen gelingen kann.


PB: Viele Luxusdesigner haben schon mit Marken wie H&M zusammengearbeitet. Interessiert Sie das Publikum jenseits der „Reichen und Schönen"?


LB: Im letzten Jahr habe an einem Lippenstift für Guerlain mitgearbeitet und der wurde tausendfach produziert. Aber das mache ich nicht aufgrund der Krise, sondern weil ich es für einen Designer ebenso großartig finde, nicht nur Einzelstücke zu fertigen, sondern auch für ein breiteres Publikum zu arbeiten.


TEXT: ROMY STRASSENBURG