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Beispiel einer erfolgreichen französischen Firma: Pernod Ricard erobert den deutschen Markt

Der Aufschwung macht's möglich: Der französische Spirituosenkonzern Pernod Ricard wendet sich nach Boomjahren in Asien wieder optimistisch dem deutschen Markt zu. TEXT: MICHAEL NEUBAUER



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Auch Alkoholika vertragen manches nicht so gut: Krisen, schlechtes Wetter oder Steuern schwächen den Durst. Deswegen sorgt sich der französische Spirituosenhersteller Pernod Ricard um seinen Heimatmarkt. In Frankreich ging der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr um 7 % zurück. Aus der Mode kommt auch das Traditionsgetränk Pastis, ein Anisschnaps. Die Manager verweisen auf die Erhöhung der Spirituosensteuer 2012, aber auch auf die schwierige Konjunktur und das miese Frühlingswetter. Doch der Konzern will nicht klagen. Die jüngsten Zahlen für das Geschäftsjahr 2012/13 sehen gut aus. Der Umsatz stieg um 4 % auf 8,6 Milliarden Euro, der Nettogewinn um 6 % auf 1,2 Milliarden Euro. Dem internationalen Spirituosen- und Weinkonzern gehören Marken wie Cognac Martell, Whisky Jameson, Ramazzotti, Absolut Vodka, Malibu oder Mumm Champagner. Die beiden Unternehmen Pernod und Ricard fusionierten 1975. Heute ist der Spirituosenhersteller mit Hauptsitz in Paris weltweit die Nummer zwei hinter Markführer Diageo (Johnnie Walker, Smirnoff , Baileys).


Jubeln über diese guten Zahlen mochte Pernod-Ricard-Chef Pierre Pringuet dennoch nicht: Ein Jahr zuvor war das Wachstum noch doppelt so groß - wegen des Umsatzrauschs in Asien. Die Gruppe orientiert sich seit Jahren in Richtung Schwellenländer. Westliche Länder galten für Spirituosen als gesättigte Märkte mit geringen Wachstumsmöglichkeiten. In China dagegen erzielte der Konzern 2011/2012 mit seinen Premiummarken die außergewöhnliche Wachstumsrate von 24 %. Nun folgte ein Dämpfer: Dieses Jahr sind es „nur" noch 9 % - auch wegen der Antikorruptionspolitik, die Beamte und Parteisekretäre zu mehr Bescheidenheit drängt. Das bekommt auch Pernod Ricard zu spüren. Trotzdem bleiben Asien und die Schwellenländer für das einst urfranzösische Unternehmen ein Topmarkt: Dort macht der Konzern 40 % seines Umsatzes (Amerika 27 %, Frankreich 8 %, restliches Europa 25 %).


Diese Flaute in Asien lässt Pernod Ricard wieder stärker nach Westeuropa schauen - vor allem auf Deutschland, das der Krise trotzt. „Deutschland ist für die Gruppe ein Prioritätsland, wir sehen noch enorm viel Potenzial für unsere Marken", sagt Nicole Lichius, Pressesprecherin bei Pernod Ricard in Köln.


Der Konzern hat in Deutschland bereits gezeigt, dass er Marken sehr erfolgreich aufbauen kann, etwa den italienischen Halbbitter-Kräuterlikör Ramazzotti. Die Deutschen trinken außerdem gerne den Rum Havana Club sowie Absolut Vodka. Wie in Frankreich versucht Pernod Ricard verstärkt jüngere Kunden anzusprechen - und Frauen. Dem Apéritif-Trend antwortete der Hersteller in Deutschland mit Lillet, einem Getränk aus Wein und Fruchtlikören. Den Markt testen will man mit dem jüngst lancierten Mischgetränk Havana Club & Cola in der Dose. In Frankreich wiederum versuchte Pernod der Trinkkrise mit dem neuen Apéritif 51 Rosé zu begegnen, eine Kombination aus Anisgeschmack und roten Früchten. In Deutschland soll es dieses Getränk nicht geben. „Anisspirituosen oder Anisprodukte sind hier eher ein Liebhabergetränk und ein Nischenprodukt",
sagt Nicole Lichius. Und die Liebhaber finden sich meist im Grenzgebiet - etwa im Saarland.


 TEXT: MICHAEL NEUBAUER