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Deutsche Absolventen in Frankreich: Wie stehen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

Der Übergang von der Universität in die Arbeitswelt ist auch in Frankreich nicht gerade leicht, es gibt wenige Jobs, große Konkurrenz und kaum Entwicklungsmöglichkeiten. Wie kann man dann also als deutscher Absolvent auf dem französischen Arbeitsmarkt Fuß fassen, wenn selbst vielen Franzosen der Einstieg ins Berufsleben schwer fällt?

Das ist natürlich abhängig von der gewählten Studienrichtung - so haben es Geisteswissenschaftler beispielsweise überall schwer, hingegen sind Ingenieure auf dem französischen Arbeitsmarkt sehr gefragt. Das französische Job-Portal AFIJ für Studierende und junge Hochschulabsolventen hat eine Studie über die Schwierigkeiten des Berufseinstiegs nach der Uni veröffentlicht.

Die Situation für Hochschulabsolventen ist in Frankreich aktuell schwierig: Laut AFIJ finden über 16 % keine Arbeit. Und jedes Jahr strömen erneut annähernd 420 000 junge Absolventen auf den Markt. Davon haben 300 000 einen Hochschulabschluss. Für viele von ihnen (120 000) beginnt jetzt die Zeit der Ernüchterung, wenn sie feststellen müssen, dass die Arbeitsplätze nicht automatisch auf sie warten. Das Job-Portal AFIJ hat zu dieser Problematik eine Bestandsaufnahme gemacht.

Die Absolventen sind mit ihrem Beruf unzufrieden

Manche Absolventen leiden darunter, die falsche Berufsrichtung eingeschlagen zu haben. Zwar haben sie eine genaue Vorstellung von ihrem Traumberuf, können in diesem aber aus verschiedenen Gründen nicht arbeiten. Zum Beispiel betrifft das diejenigen, die bereits einen Fachhochschulabschluss (BTS oder DUT) erhalten haben und jetzt ihr Studium fortsetzen oder ergänzen möchten - etwa um sich beruflich neu zu orientieren oder weiterzuentwickeln. Ihr Hauptproblem ist an dieser Stelle, dass sie aufgrund ihres Werdegangs diesen Abschluss nicht bekommen können. "Diese ehemaligen Studenten fühlen sich hinsichtlich ihres Berufsziels gescheitert und sind daher wenig motiviert, sich um eine eigentlich zu ihrem Abschluss passende Arbeitsstelle zu kümmern. Und dieses Beispiel ist unter französischen Absolventen ziemlich häufig", warnt AFIJ.

Problem: Das Studium in Frankreich ist zu allgemein und zu wenig berufsorientiert

Die Ausbildung an den Universitäten ist zu generalistisch. Zwar haben die Studenten ihren Abschluss, aber was kommt danach? Eine Sache ist sicher, sie möchten nicht in der Forschung bleiben, und da wird die Sache kompliziert. Die Situation ist besonders gravierend, da sie mehr als 10 000 junge Hochschulabsolventen betrifft. Sie haben in der Regel keine Praktika gemacht, im Studium nur theoretische Kurse belegt und sich hauptsächlich mit ihrem Abschluss beschäftigt ohne eine Idee davon zu haben, was sie eigentlich damit machen möchten. Und diese Unsicherheit wirkt sich auf die Unternehmen aus, bei denen sie sich bewerben.

"Hochschulabsolventen präsentieren bei ihrer Bewerbung zwar einen guten Master-Abschluss, bei genauerer Prüfung sind sie für den Beruf dann aber gar nicht geeignet. Mehr noch, der Abschluss entspricht oft nicht den Anforderungen des Stellenangebots," beobachtet AFIJ.

Junge Hochschulabsolventen mit Berufsausbildung aber ohne Berufsaussichten

Ein Grund für die hohe Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventen wird darin gesehen, dass die Ausbildung in Frankreich viel zu praxisfremd ist. Das ist ein Aspekt, der auch von vielen Unternehmen an der Universitäts-Ausbildung kritisiert wird.

Zwar sind viele Studiengänge in den letzten Jahren berufsbezogener geworden, das hat aber noch hat das nicht dazu geführt, dass sich der Berufseinstieg für Hochschulabsolventen in Frankreich erleichtert hat. Und ein gezielt auf die Textilindustrie angepasster Abschluss ändert noch nichts an der Tatsache, dass sich die Textilbranche zur Zeit im Niedergang befindet.

Eine Berufsgruppe hingegen scheint von dem Problem der Arbeitslosigkeit von Absolventen nicht betroffen zu sein. Die Rede ist von Ingenieuren jeglicher Fachrichtungen. Wer in diesem Bereich sein Studium absolviert hat, kann auf eine schnelle Einstellung und gutes Gehalt hoffen. Und das kann auch für den Berufseinstieg deutscher Ingenieure interessant sein.

Wir haben Olivier Jacquemond, Geschäftsführer der deutsch-französischen Personalvermittlung Eurojob Consulting, zu den Perspektiven für Deutsche Ingenieure auf dem französischen Arbeitsmarkt befragt.

Welche Chancen gibt es für deutsche Absolventen auf dem französischen Arbeitsmarkt?

O.J.: Es gibt zwar harte Konkurrenz, aber auch wirkliche Chancen für mehrsprachige und spezialisierte deutsche Absolventen. In Frankreich ist der Anteil ausländischer Studierender in den letzten Jahren stark angestiegen: 278 000 Ausländer studieren in Frankreich, 100 000 mehr als vor 10 Jahren, was Frankreich auf die gleiche Stufe mit Deutschland stellt. Ingenieur-Abschlüsse sind immer sehr gefragt: die Beschäftigungsrate der Absolventen von Ingenieurschulen liegt laut l'APEC bei 78 %. Die Gehälter für Absolventen von Ingenieurschulen liegen im Durchschnitt bei 33 000 Euro brutto pro Jahr, gegenüber 25 600 Euro für Hochschulabgänger von Universitäten und 32 800 Euro von kaufmännischen Hochschulen. Deutsche Absolventen von kaufmännischen Hochschulen, Logistik-Hochschulen und Finanzhochschulen haben große Chancen, vor allem im Großraum Paris und der Region Rhônes Alpes, eine Arbeitsstelle zu finden.

Wie bereitet man sich als Absolvent auf eine Auswanderung nach Frankreich vor?

O.J.: Das Brutto-Gehalt ist in Frankreich geringer als in Deutschland und mangels Informationen übertreiben manche Bewerber daher oft ihre Gehaltsforderungen. Wir bieten gratis eine persönliche Gehaltsschätzung zu Ihrem Profil an. Bei dieser Bewertung müssen die Differenz von netto/ brutto- Gehalt und regionale Unterschiede berücksichtigt werden.

Andere Schwierigkeiten, die auftreten können: Die Vorbereitung der Bewerbungsunterlagen und der Vorstellungsgespräche. Mit einem Lebenslauf "deutscher Art" oder mit Zeugnissen können französische Personalvermittler oder Personalverantwortliche, oft nicht viel anfangen. Denn es gibt in Frankreich einige Besonderheiten beim französischen Lebenslauf, dem Anschreiben und bei der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche zu beachten. Lesen Sie dazu zur Vorbereitung alle unsere praktischen Tipps zum Bewerben in Frankreich.

Wenn ein Franzose Ihnen nicht bei der Korrektur oder Übersetzung Ihres Lebenslauf helfen kann, bieten wir Ihnen auch einen Übersetzungsservice und ein Coaching an um Sie bei Ihrem Bewerbungsvorhaben zu unterstützen.

Weitere hilfreiche Informationen zum französischen Arbeitsmarkt 2012: Liste deutscher Unternehmen und Filialen in Frankreich