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Lebenshaltungskosten als deutsch-französischer Grenzgänger: Das Beste aus beiden Welten

Sparen möchte jeder gerne - und gerade für Menschen, die alltäglich aus Berufsgründen über die deutsch-französische Grenze pendeln, bestehen dabei eine Menge Optionen.

Jeden Morgen über die Grenze Richtung Arbeitsort, jeden Abend den gleichen Weg wieder zurück. Der Blick fällt automatisch auf Kraftstoffpreise, auf die von Nahrungsmitteln und im Gespräch mit Kollegen und Kommilitonen erfährt man meist auch schnell, wie sich für sie die monatlichen Ausgaben angesichts der französischen Durchschnittsgehälter gestalten. Klar ist, wer als Grenzgänger täglich oder auch nur wöchentlich pendelt, kann durch die Unterschiede zwischen Löhnen und Gehältern bzw. den jeweiligen Lebenshaltungskosten den einen oder anderen Euro sparen. Wie und in welcher Form es am besten geht und wo kein Einsparpotenzial vorhanden ist, erklärt der folgende Artikel.

1. Zahlungsmittel

Ganz gleich, wo man sein Gehalt bekommt und es auszugeben gedenkt, will das Zahlungsmittel bedacht sein. Das Problem daran ist gleichermaßen ein Kosten- als auch Komfortfaktor, denn bei den Zahlungsmodalitäten unterscheiden sich Deutschland und Frankreich teilweise erheblich:

  • Das Haupt-Zahlungsmittel abseits von Bargeld ist in Frankreich die Kreditkarte und nicht die EC-Karte wie bei uns
  • Wer mit der EC-Karte zahlen oder Geld abheben will, muss meist zusätzliche Auslandsgebühren zahlen, die sein jeweiliges Kreditinstitut festlegt
  • Gleichsam wird die EC-Zahlung in Frankreich längst nicht überall akzeptiert, wenn von der „Carte bancaire" die Rede ist, wird die Kreditkarte gemeint, die EC-Karte nennt sich „Carte bleue".

Der beste Weg, um sämtlichen dieser Probleme aus dem Weg zu gehen, ist, sich eine explizit fürs Ausland vorgesehene Kreditkarte zuzulegen. Dabei gibt es zwar meist weniger Sonderleistungen durch die ausgebende Bank, dafür fallen aber weder beim Zahlen noch Geldabheben irgendwelche Zusatzgebühren an, die die Ersparnis schmälern können. Das einzige, was ein Umdenken erfordert, ist die klassische Kreditkarten-Praxis, nach der die Summe erst einige Wochen nach dem Kauf vom Konto abgebucht wird. Gerade aus diesem Grund empfiehlt es sich, in den ersten Monaten nach annehmen eines Frankreich-Jobs oder Studiums seine Finanzen gewissenhafter im Auge zu behalten und sich mit den Ausgaben eher zurückzuhalten, bis man ein Gefühl bekommen hat.

2. Kraftstoff

Der wohl wichtigste Faktor für jeden, der beim Pendeln auf sein eigenes Auto angewiesen ist, sind die Kraftstoffpreise. Und hier liegt bereits das erste Auswahlkriterium beim Motor. Denn ob man sparen kann, hängt vor allem davon ab, welches Auto man fährt. Das liegt daran, dass Diesel in Frankreich nicht im gleichen Maß steuerlich vergünstigt wird, wie in Deutschland. In der Realität sieht es derzeit so aus, dass sich der Liter Ottokraftstoff (also Benzin) mit 1,43€ in Deutschland und 1,41€ in Frankreich gegenseitig nicht wirklich viel geben.

Kraftstoff in Frankreich und Deutschland

Dieselfahrer sollten nach Möglichkeit in Deutschland Tanken. Bei Benzinern kann man sich hingegen nach tagesaktuellen Preisen beider Länder richten.

Bei den Dieseln lohnt es sich aber in jeden Fall, eine Tankstelle auf der deutschen Seite der Grenze anzusteuern, denn hier kostet der Liter derzeit nur 1,20€, während man auf französischer Seite ganze 15 Cent mehr bezahlen muss. Dabei sollten Sparfüchse es aber nicht übertreiben und ihren eigenes Diesel in rauen Mengen mit nach Frankreich bringen. Zwischen zwei EU-Ländern darf nur der Inhalt des eigenen Tanks plus maximal 20 Liter in Reservekanistern transportiert werden - nicht nur aus steuerrechtlichen Gründen, sondern vor allem der Sicherheit wegen.

Übrigens gehört zu den Kraftstoffpreisen auch die Tatsache, dass Frankreich für die Fahrt auf seinen Autobahnen Mautgebühren erhebt. Dabei gibt es deutliche regionale Unterschiede, die darin begründet sind, dass Frankreichs Autobahnnetz von mehreren privaten Betreiberfirmen betreut wird - die Preise pro Kilometer können so von 7 Cent bis 14 Cent pro Kilometer schwanken.

Hinzu kommt, dass Frankreich im Juli 2016 nach deutschem Vorbild die Einführung von Umweltplaketten beschlossen hat. Sechs Plaketten-Varianten gibt es. Allerdings gilt die Vignettenpflicht derzeit nur für den Raum Grenoble und Paris - im restlichen Land werden aktuell noch keine Plaketten benötigt.

Allerdings können deutsche Autofahrer mit einem in der BRD angemeldeten Fahrzeug noch einige Tage beruhigt plakettenfrei in die genannten Städte einreisen, denn für ausländische Fahrzeuge werden die Umweltplaketten voraussichtlich erst ab dem 1. Februar erhältlich sein - bis dahin reicht der Fahrzeugschein aus.

3. Studiengebühren

Besonders bei Studenten müssen die Eigenheiten des französischen Studiensystems beachtet werden. Grundsätzlich ist es zwar so, dass an den staatlichen französischen Hochschulen seit einigen Jahren keine Studiengebühren anfallen, das gilt aber nicht für die Grandes Écoles und erst recht nicht für Privat-Universitäten. Dort können die Semesterkosten teilweise erheblich höher sein als im deutschen Vergleich, weil sie vom jeweiligen Institut festgelegt werden.

Immatrikulationsgebühren sind jedoch in jedem Fall zu bezahlen und zwar einmal jährlich. Für ein Bachelor-Studium betragen sie derzeit 175 Euro, für Master-Studiengänge 240 Euro. Schon aus diesem Grund lohnt es sich, sich in Deutschland über die Möglichkeiten des Auslands-BAföG zu informieren. Denn das deckt unter anderem:

  • Reisekostenzuschläge für Hin- und Rückreise zu je 250 Euro
  • Studiengebühren - allerdings nur für ein Jahr
  • Kosten der Krankenversicherung

Studiengebühren in Frankreich und Deutschland
Selbst an der französischen Eliteuni schlechthin, der Sorbonne in Paris, fallen keine Studiengebühren an, weil es eine staatliche Universität ist.

Zuständig für Frankreich ist das Amt für Ausbildungsförderung der Kreisverwaltung Mainz-Bingen. Anmeldungen sollten frühzeitig mindestens ein halbes Jahr vor Studienbeginn erfolgen. Dabei sollte auch beachtet werden, dass man in Frankreich als Student monatlich mit Ausgaben um die 600 Euro rechnen muss - in Großregionen wie Paris kann diese Summe jedoch auch darüber liegen.

4. Tabakwaren

Wer dem Laster rauchen anhängt, ist natürlich am besten beraten, es völlig aufzugeben. Wer jedoch nicht davon lassen kann, sollte sich seine tägliche Ration in Deutschland besorgen und mit nach Frankreich nehmen, dort kostet die Packung je nach Sorte schnell einen Euro oder mehr im Vergleich zur Bundesrepublik.

Das liegt daran, dass der französische Staat eine vergleichsweise sehr restriktive Anti-Raucher-Politik verfolgt und deshalb die Tabaksteuer in der Vergangenheit stark erhöht hat - übrigens auch der Grund, warum selbst die ur-französischen Gauloises bald nicht mehr in ihrem Mutterland gefertigt werden.

5. Lebensmittel

In Sachen Leib und Magen ist das Heimatland der lukullischen Genüsse grundsätzlich teilweise etwas teurer als die Bundesrepublik, das gilt auch für Discounter, die auf beiden Seiten der Grenze operieren, darunter Lidl und Aldi. Allerdings muss man hier tatsächlich von Fall zu Fall unterscheiden und auch saisonal vergleichen:

  • Bei Milch ist der Unterschied marginal und liegt auf einem Level von zwei bis drei Cent pro Liter.
  • Genuin französische alkoholische Getränke wie Wein und Champagner sind in ihrem Heimatland billiger, dafür kosten ausländische Getränke mehr als hierzulande.
  • Würzmittel wie Essig, Öl und Salz sind in Frankreich teilweise bis zu einem Euro günstiger, was auch daran liegt, dass die Erzeugerpreise jüngst stark gesunken sind.
  • Gleiches gilt für Sättigungsbeilagen wie Nudeln und Reis, sie sind in Deutschland pro Packung 20 bis 30 Cent teurer.
  • Die meisten frischen Fischsorten sind ebenfalls in Frankreich günstiger, teilweise liegt der Preis nur bei der Hälfte des Deutschen.
  • Auch für Frischobst, insbesondere Südfrüchte wie Ananas, muss in französischen Geschäften weniger bezahlt werden. 
  • Ähnlich sieht es bei Gemüse aus - Kartoffeln, Salat, Tomaten und Möhren sind in Frankreich um bis zu 30 Prozent günstiger.
  • Bei allen Waren, die Kakao enthalten, wirkt jedoch die deutsche Praxis, diese mit einem vergünstigten Mehrwertsteuersatz zu belasten - sowohl Kakaopulver als auch Schokolade sind in Frankreich erheblich teurer.
Lebensmittel in Frankreich und Deutschland
Wer französische Regional-Spezialitäten liebt, sollte dort zuschlagen. Günstiger und besser als im Heimatland findet man sie nirgends. 

Unterm Strich also lohnt es sich für die täglichen Lebensmittel nach Feierabend noch in Frankreich zum Discounter zu fahren. Und wer mit den Kollegen mittags ins Restaurant geht, sollte die französische Eigenheit beachten, dass es dort eher unüblich ist, die Rechnung auf die einzelnen Personen zu stückeln - auch bei grenznahen Restaurants. 

6. Hygieneartikel

Im Jahr 2015 führte Frankreich sehr medienwirksam die etwas flapsig als „Tamponsteuer" bezeichnete Mehrwertsteuerreduktion für weibliche Hygieneartikel ein - statt 20 werden auf diese Waren nur 5,5 Prozent Mehrwertsteuer erhoben. Da Deutschland hier noch nach wie vor auf den normalen Mehrwertsteuersatz setzt, sind diese Waren also in Frankreich definitiv günstiger - was man jedoch nicht von anderen, weniger geschlechtsspezifischen Hygieneartikeln sagen kann:

  • Shampoos und Duschgels sind in Deutschland bis zu einem Euro günstiger.
  • Bei Seifen kommt es auf die Marke an, genuin französische Stücke sind in ihrem Erzeugerland billiger, internationale Marken kosten in Deutschland weniger.
  • Deosprays und -roller sind hingegen in Frankreich rund zehn Prozent günstiger zu bekommen.
  • Bei Zahnpasta und Mundspülungen ist in Deutschland nicht nur das Angebot vielfältiger, sondern die Preise teilweise erheblich niedriger. 
  • Bei Rasierklingen und -schaum kommt es wieder auf die Hersteller an. Normalerweise liegt der Durchschnittspreis in beiden Ländern praktisch gleichauf, spezielle Systemklingen von Markenherstellern können in Frankreich jedoch bis zu doppelt so teuer sein.
  • Kosmetika wie Make-Up sollten definitiv in Deutschland erworben werden, auch hier verlangen französische Geschäfte teilweise 100 Prozent mehr als die deutsche Konkurrenz.

Damit gilt in diesem Fall, dass in jedem Fall verglichen werden sollte, bevor der Gang ins Geschäft angetreten wird.

7. Geheimtipp Privatverkäufe

Wer in Frankreich lebt oder arbeitet, der wird in aller Regel, selbst wenn er in Deutschland lebt, über kurz oder lang eine gewisse Vorliebe für typisch-französische Waren entwickeln. Wie bereits bei den Nahrungsmitteln ersichtlich, sind diese natürlich in ihrem Heimatland günstiger zu haben. Wer jedoch wirklich sparen möchte, sollte zusehen, dass er seinen Käse oder Wein direkt vom Anbieter bezieht, ohne Umwege über Discounter oder Hypermarché. Direkt vom Winzer oder der Käserei hat man nämlich dann nicht nur die Möglichkeit, noch mehr Geld zu sparen, sondern oft auch, Produkte besonders hochwertiger Qualität und/oder geringer Stückzahl zu bekommen, die es so gar nicht erst in den regulären Einzelhandel schaffen.

Fazit

Wer als Grenzgänger sparen will, der muss wohl oder übel sehr intensiv vergleichen. Obwohl Frankreich im „großen Ganzen" etwas höhere Lebenshaltungsgebühren als Deutschland aufweist, gilt das längst nicht für einzelne Produkte aus den unterschiedlichsten Ecken des Warenkorbes. Hier schlägt Deutschland teilweise empfindlich drauf - Frankreich allerdings auch. Vor allem für tägliche Pendler sollte deshalb auch die Frage im Raum stehen, ob marginale Einsparungen den Mehraufwand lohnen. Wer jedoch längere Zeit (etwa fürs Studium) in der Grande Nation zubringt, kann durchaus sparen, indem er sich in Deutschland mit Duschgel, Zahnpasta aber auch Zigaretten und Schokolade eindeckt.

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