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Krankenversicherung in Frankreich: Wie kann man sich richtig versichern?

13. November 2012

Waren Sie schon einmal im Dschungel? Dann werden Sie bestimmt daran zurückdenken, wenn Sie sich als Neuankömmling in Frankreich krankenversichern möchten. Damit Sie nicht in den Lianen hängen bleiben, über Wurzeln stolpern und hinterher zwischen all den Mutuelles und Prévoyances, dem CPAM, dem RSI und tausend anderen Abkürzungen völlig die Orientierung verlieren, erläutern wir Ihnen detailliert und übersichtlich den französischen Dschungel der Krankenversicherungen.

Wie ist die französische Krankenversicherung aufgebaut?

Vorweg sei erst einmal etwas Ermutigendes gesagt: Wenn Sie sich im französischen Krankenversicherungssystem zurechtgefunden hat, läuft alles unkompliziert und die Qualität der Leistungen ist sehr gut.

Um sich als Deutsche oder Deutscher im französischen System der Krankenversicherungen zu orientieren, sollten Sie zuerst die in Ihrem Fall relevanten Institutionen ausfindig machen, bevor Sie sich daran machen, sich durch den leider ziemlich üblichen Berg von Formularen zu wühlen. So stellen Sie sicher, dass Sie damit auch an der richtigen Stelle beginnen.

Die französische Krankenversicherung umfasst mehrere staatliche Institutionen. Dabei handelt es sich vor allem um das Régime général, das Régime Agricole für die Berufstätigen in der Landwirtschaft und Régime social des Indépendants (RSI) für die Freiberufler und Freiberuflerinnen.

Das sind die drei Hauptkategorien, und einen dieser Wege werden Sie höchstwahrscheinlich einschlagen, wenn Sie ins französische Sozialversicherungssystem eintreten. Der Oberbegriff für diese Kategorien ist „Régime obligatoire", weil es gesetzlich verpflichtend ist, in einer dieser Krankenversicherungen (oder einem der gesonderten Régimes z.B. für Angestellte der SNCF) zu sein.

Das Régime général im französischen Sozialversicherungssystem

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird Sie das Régime général betreffen, wie fast 90% der Franzosen und Französinnen. Zu ihm gehören alle Personen, die sich in einem Anstellungsverhältnis befinden und in Frankreich wohnhaft sind.

Nun ist es aber nicht wie in Deutschland so, dass sie sich für eine Krankenversicherung entscheiden, dort einzahlen und hinterher von dieser entsprechend Ihres Vertrages die Leistungen erstattet bekommen.

Stattdessen erhält man im Régime général von der CPAM (Caisse Primaire d'Assurance Maladie) je nach Leistung in der Regel 70% der Arztkosten und Ausgaben für verschreibungspflichtige Medikamente zurückerstattet. In Ausnahmefällen (Zahnarztkosten, Operationen, Krankenhausaufenthalt,...) kann das Régime général bis zu 100% der Kosten übernehmen.

Bei den verschreibungspflichtigen Medikamenten gibt es eine Einteilung in verschiedene Kategorien, die zu folgendem Prinzip der Kostenübernahme führen:

  • Weiße Vignette: 65 %
  • Blaue Vignette: 35 %
  • Orangefarbene Vignette: 15 %

Die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge für das Régime général werden direkt prozentual vom Bruttogehalt abgezogen. Sie werden an die URSSAF gezahlt, die Union du recouvrement des cotisations de sécurité sociale et d'allocations familiales.

Der Eigenbeteiligungsanteil, der insgesamt pro Jahr 50 € nicht überschreiten darf, liegt bei 0,50 € pro Medikamentenpackung, 1 € pro Behandlung, 2 € pro Krankentransport und 18 € pro Tag Krankenhausaufenthalt.

Carte vitale - der Schlüssel zur französischen Krankenversicherung

Als Ausländer oder Ausländerin ohne französische Krankenkarte bekommen Sie beim ersten Arztbesuch in Frankreich ein Formular, eine Fiche de soins, die man unterschreiben und zur Krankenkasse schicken muss. Ob man das wohl jedes Mal machen muss? Die Antwort ist zum Glück nein. Man kann eine Carte vitale beantragen. Auf dieser steht Ihre Sozialversicherungsnummer und sie wird in der Arztpraxis wie in Deutschland auch verwendet. Von der Antragstellung bis zum Erhalt können allerdings bis zu zwei Monate vergehen... Im Dschungel kommt man eben nicht so schnell vorwärts.

Carte Vitale in Frankreich

Quelle: Giesesamvitale - CNAMTS - GIE SESAM-Vitale, CC BY 3.0

Wenn Sie unter das Régime général fallen, können Sie die Carte vitale bei der zuständigen CPAM, d.h. bei der CPAM Ihres Départements, beantragen. Dazu müssen Sie ein ausgefülltes Antragsformular und mehrere Dokumente einreichen.

„Nennen Sie mir bitte Ihre Sozialversicherungsnummer?" - das ist ein Satz, den Sie in Frankreich sehr oft zu hören bekommen. Sobald es um Ihre Krankenversicherung geht, sollten Sie daher Ihre Krankenversicherungskarte parat haben, auf der diese Nummer steht. Sie wird Ihnen individuell zugeordnet und bleibt ihr ganzes Leben lang gleich, wie auch in Deutschland.

Die Mutuelles Santé

Nun kommen Sie also als frisch gebackener, aber leicht erkälteter Besitzer bzw. Besitzerin einer Carte vitale mit triefender Nase zu Ihrem neuen, französischen Hausarzt oder Ihrer Hausärztin und gehen natürlich davon aus, dass Sie nun nichts mehr bezahlen müssen. Aber da sind ja noch die oben erwähnten, mysteriösen Prozente, die von der gesetzlichen Krankenkasse in der Regel nicht übernommen werden. Bei Allgemeinärzten sind es normalerweise 40 %.

An dieser Stelle sollten Sie seine Attestation du tiers payant von seiner Mutuelle zücken. Diese können Sie frei wählen, und sie sind nicht obligatorisch. Gängige Mutuelles Santé sind zum Beispiel:

  • Mutualia
  • Harmonie Mutuelle
  • Mutuelle Générale
  • CMUC (Couverture médicale universelle complémentaire, für Personen mit niedrigem Einkommen)

Es gibt aber noch zahlreiche weitere solcher Institutionen. Es handelt sich dabei nicht im eigentlichen Sinne um Versicherungen, sondern um gemeinnützige Personengesellschaften.

Die Wahl der Mutuelle

Je nach abgeschlossenem Vertrag übernimmt die Mutuelle den Restbetrag der Kosten Ihres Besuchs beim Hausarzt oder der Hausärztin zum Teil oder vollständig. Sie können Ihre Mutuelle selbst wählen oder die nehmen, die Ihr Arbeitgeber oder Ihre Arbeitgeberin Ihnen anbietet (APICIL z.B.). Dazu ist er gesetzlich verpflichtet. Sie sind wiederum verpflichtet, diese zu wählen, sofern Sie nicht zuvor schon eine Mutuelle hatten oder ein anderer Ausnahmefall auf Sie zutrifft. Eine Complémentaire Santé ist dasselbe wie eine Mutuelle Santé.

Während die Beiträge an das Régime général vom Gehalt abhängen, wird die Höhe der Zahlungen für die Mutuelle in der Regel je nach Alter und gewählten Gesundheitsleistungen festgelegt.

Mutuelle ist nicht gleich Mutuelle

Vielleicht sind Sie überrascht, in der Aufzählung der Mutuelles Santé nicht die folgenden bekannten Namen zu finden:

  • MAIF
  • MACIF
  • MATMUT
  • MAAF

Diese gehören einer anderen Kategorie von Mutuelles an, nämlich den Mutuelles d'Assurance. Diese boten ursprünglich ausschließlich Fahrzeug- und Gebäudeversicherungen an.

Nach und nach haben sie ihr Angebot aber erweitert und bieten inzwischen auch Krankenzusatzversicherungen, Sparbücher etc. an. Auch bei Ihnen handelt es sich um gemeinnützige Institutionen, die sich von den Mutuelles Santé durch ihr breiteres Angebot und ihre andere gesetzliche Grundlage (Code d'Assurances) unterscheiden.

Die Prévoyance

Eine weitere Art von Versicherung, die Sie freiwillig zusätzlich abschließen können, um als Ausländer bzw. Ausländerin Ihre französische Krankenversicherung zu vervollständigen, sind die Prévoyances. Hierunter fallen die Einzahlungen in Versorgungssysteme bei einem Todesfall oder Invalidität.

Auch hier kann wieder der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin eine Prévoyance für Sie abschließen, oder Sie können Sie selbst wählen. Bei den Mutuelles d'Assurance umfasst das Angebot oft auch Prévoyances.

Automatische Mitversicherung

Als Inhaber oder Inhaberin einer französischen Krankenversicherung kann man bestimmte Personen mitversichern, und zwar den Ehepartner oder die Ehepartnerin, eine Person, mit der man in einem eheähnlichen Verhältnis zusammenlebt (PACS - Pacte civil de solidarité) oder Personen, mit denen man seit über 12 Monaten zusammenlebt. Auch weitere Familienangehörige oder Haushaltsmitglieder können mitversichert werden.

Die europäische Krankenversicherungskarte

Ein wichtiger Unterschied zum deutschen System der Krankenversicherungen ist, dass Sie auf der Rückseite Ihrer Versichertenkarte nicht wie in Deutschland die europäische Krankenversicherungskarte finden, sondern diese gesondert an einem Schalter oder an einem Automaten im Eingangsbereich beantragen müssen. Wenn Sie an einen Schalter gehen möchten, sollten Sie etwas mehr Zeit einplanen, da es oft zu längeren Wartezeiten kommt.

Die europäische Krankenversicherungskarte

Sie erhalten direkt ein provisorisches Dokument, das sie bei einem Arztbesuch bis zum Erhalt Ihrer Karte per Post vorlegen können.

Allgemeinärzte

Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt können Sie auch in Frankreich frei wählen, müssen ihn oder sie im französischen Krankenversicherungssystem aber Ihrer gesetzlichen Krankenversicherung mit einer ausgefüllten Déclaration du médecin traitant mitteilen. Dies ist sehr wichtig, da die Rückerstattungen sonst nicht oder nur eingeschränkt vorgenommen werden. Das Formular muss von Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin und Ihnen selbst unterzeichnet werden.

Wundern Sie sich nicht, wenn Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin selbst ans Telefon geht wenn Sie anrufen, und keiner seiner oder ihrer Angestellten: In der Regel haben Ärzte und Ärztinnen in Frankreich keine Arzthelfer, Arzthelferinnen oder Empfangsangestellten.

Und wenn Sie Ihren deutschen Arzt oder Ihre deutsche Ärztin behalten möchten?

Es ist möglich, sich seine Auslagen für Behandlungen im europäischen Ausland zurückerstatten zu lassen. Dazu müssen Sie nur Ihre europäische Krankenversicherungskarte beim Arztbesuch z.B. in Deutschland vorlegen.

Für Ihren Arzt oder Ihre Ärztin bedeutet dies aber mehr Aufwand, weshalb es am besten ist, mit ihm oder ihr über dieses Thema im Voraus zu sprechen. Natürlich kann es in Notfällen sehr ratsam sein, einen Arzt bzw. eine Ärztin Ihres Vertrauens direkt vor Ort zu haben...

Für Ihre Arztwahl ist es wertvoll zu wissen, dass es in Frankreich zwei verschiedene Kategorien von Ärzten gibt:

  • Médecin conventionné
  • Médecin non conventionné

Erstere sind tariflich gebunden, während die Honorare der letzteren von den französischen Krankenkassen nicht oder nur zu einem sehr geringen Teil übernommen werden.

Wenn Sie sich noch umfassender über das französische Sozialversicherungssystem informieren möchten, könnte dieser Artikel interessant für Sie sein.