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Je mehr eine Frau in Frankreich Karriere macht, desto mehr Kinder bekommt sie

Je mehr Frauen arbeiten, um so mehr Kinder bekommen sie auch. Das ist das Ergebnis der Studie, die das Französische Institut für demographische Studien INED jüngst durchgeführt hat.

Zu Beginn der Untersuchung stand die Frage, wie sich der Zusammenhang von Erwerbsquote von Frauen und der Geburtenrate entwickelt. Denn noch Mitte der 1990er Jahre wurde das Wirtschaftswachstum in gut entwickelten Ländern mit einem stetigen Geburtenrückgang verbunden. Die Frage ist nun: Warum steigt die Geburtenrate an, ohne dass der wirtschaftliche Aufschwung angehalten hat?

Bruttosozialprodukt und Geburtenrate

In den OECD-Ländern ist die Geburtenrate bis 2008 im Durchschnitt von 1,69 Kindern bis 1,71 Kindern pro Frau angestiegen. Diese Zunahme war besonders in Spanien, Frankreich, Belgien, Groß-Britannien und Irland spürbar. Hinter dieser Entwicklung wurde zunächst ein Zusammenhang mit dem Bruttosozialprodukt (BSP) vermutet. So wurde angenommen, dass ab einem bestimmten Wohlstandsniveau von 30 000 Dollar pro Kopf der wirtschaftliche Fortschritt Ursache für den Anstieg der Geburten sein könnte.

Auf dieser Grundlage würden sich drei Gruppen bilden lassen: Länder mit einem geringen BSP und einer hohen Geburtenrate, Länder mit einem mittleren BSP und einer geringen Geburtenrate und solche mit einem hohen BSP und höherer Geburtenrate als die Gruppe vorher.

Aber diese Erklärung funktioniert nicht in allen Fällen. Man vergleiche nur Frankreich und Deutschland: "Der wirtschaftliche Fortschritt dieser letzten Jahre scheint in Frankreich - im Gegensatz zu Deutschland - viel stärker zu einem Wiederanstieg der Geburtenrate geführt zu haben", merken die Autoren der Studie an. In Deutschland hingegen werden, trotz der sehr guten wirtschaftlichen Situation, immer weniger Kinder geboren.

Erwerbstätigkeit und Geburtenrate

Das Bruttosozialprodukt allein kann also diese Trendwende nicht erklären. Die Erwerbsquote der Frauen spielt auch eine Rolle. "Bei einem Großteil der reicheren Länder kann der Anstieg der Geburtenrate mit der erhöhten Erwerbstätigkeit der Frauen in Verbindung gebracht werden. Denn die Beziehung zwischen der Beschäftigung von Frauen und der Geburtenrate hat sich hier geändert", stellen die Forscher fest.

In den 1980er Jahren war es so, dass Frauen, je mehr sie gearbeitet haben, immer weniger Kinder bekommen haben. Heute ist es genau umgekehrt: Je mehr Frauen arbeiten, desto mehr Kinder bekommen sie im Durchschnitt. Man muss sich nur anschauen, was in den skandinavischen Ländern passiert. Die Erwerbsquote von Frauen liegt dort bei 80% und die Geburtenrate ist hoch. In den südlichen und östlichen Europäischen Ländern ist es umgekehrt: Die Beschäftigungsquote von Frauen ist niedrig, und die Geburten gehen zurück. Warum? Einer der Gründe ist sicher das Einkommen.

"Je mehr eine Frau verdient, desto höher sind in diesen Ländern gleichzeitig auch die Opportunitätskosten, die auftreten, wenn man ein Kind hat", erklärt die Studie des INED. Hier wird die Wirksamkeit der gezielten staatlichen Förderung von Familien deutlich: umfangreiche Betreuungsangebote für Kinder, gezielte Förderung der Erwerbstätigkeit von Müttern, kurz: ein stimmiges Gesamtkonzept in den verschiedenen Politikbereichen wie Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, Bildungspolitik und finanzieller Unterstützung, hat in Ländern wie Frankreich offensichtlich bereits erheblich zur Erhöhung der Geburtenrate beigetragen.

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