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Deutschland und Frankreich: Handelspartner Nummer Eins

6. Oktober 2011



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Deutschland und Frankreich sind seit vielen Jahren die wichtigsten Handelspartner. Wer sind die wichtigsten Akteure auf dem Gebiet dieser Handelsbeziehungen?


Unternehmen der Automobilbranche und des Maschinenbaus bestreiten zusammen fast ein Fünftel des Warenverkehrs. Weitere Schwerpunkte bilden die Chemie- und Pharmabranche, Elektrotechnik, Nahrungs- und Genussmittel und zunehmend die Erneuerbaren Energien. Die Hauptakteure sind, neben den etablierten großen Industrieunternehmen, kleine und mittelständische Unternehmen insbesondere aus Deutschland, die auf dem bilateralen Markt präsent sind. Die Aktivitäten französischer KMUs auf dem deutschen Markt sind deutlich geringer.


Wie kann man das erklären?


Das liegt an den unterschiedlichen Strukturen. In Deutschland gibt es den gewachsenen Mittelstand, der globalisiert auftritt. In Frankreich dagegen gibt es viele kleine und nur wenige größere mittelständische Unternehmen, die sich zudem in der Regel mit dem lokalen Markt begnügen, da Frankreich mehr von der Binnenkonjunktur lebt. Weiterhin macht der Industriesektor in Deutschland nach wie vor einen wesentlichen Anteil aus. Mittelständische Unternehmen sind dort auf sehr hochwertige Produkte spezialisiert, die auf dem internationalen Markt gefragt sind. In Frankreich dagegen ist zunehmend der Dienstleistungssektor von Bedeutung, der natürlich viel schwieriger zu exportieren ist.


Wie viele Beschäftigte gibt es aktuell in den im Nachbarland etablierten Unternehmen?


In Frankreich gibt es rund 3000 deutsche Niederlassungen oder Tochtergesellschaften mit ca. 350 000 Beschäftigten, in Deutschland gibt es ungefähr 2200 französische Firmenniederlassungen und Tochtergesellschaften, die rund 250 000 Arbeitnehmer beschäftigen. Frankreich ist regelmäßig unter den Top 5 der ausländischen Investoren in Deutschland. Auch Deutschland investiert immer noch stark in Frankreich. Seit zwei Jahren ist Deutschland der größte arbeitsplatzschaffende ausländische Investor - das ist ein sehr positives Zeichen. Auch hier wird deutlich, dass der deutsche Mittelstand nicht nur exportiert, sondern auch in die europäischen Märkte investiert und Arbeitsplätze schafft.


Welche kulturellen Unterschiede müssen die Unternehmen beachten?


Trotz der räumlichen Nähe gibt es viele strukturelle und interkulturelle Unterschiede, die zu Missverständnissen führen und eine Geschäftsbeziehung zum Scheitern bringen können. Probleme bereitet die unterschiedliche Art der Kommunikation - Franzosen drücken sich eher indirekt aus, Deutsche sind sehr direkt, was oft als Machtanspruch missinterpretiert wird. Während Deutsche in der professionellen Beziehung eher sachbezogen sind, steht in Frankreich oft erst das persönliche Kennenlernen des Geschäftspartners im Vordergrund. Auch Hierarchieverständnis und Abstimmungsprozesse sind in Deutschland und Frankreich grundsätzlich anders, was starken Einfluss beim Management und bei der Entscheidungsfindung hat. Wir bieten interkulturelle Seminare an, um Geschäftsleute aus Deutschland und Frankreich zu schulen, damit das gegenseitige Verstehen und die Zusammenarbeit besser funktionieren. Das Unternehmertum wird in Deutschland gene-rell viel positiver gesehen. Es gibt viele Familienunternehmen, die sich durch eine besondere Verbundenheit zwischen der Firmenleitung und den Angestellten auszeichnen. In Frankreich wäre es z.B. unvorstellbar, dass eine Gewerkschaft im Interesse des Unternehmenserhalts zum Lohnverzicht aufruft, wie es in Deutschland geschehen ist. Das Entstehen eines Mittelstandes nach deutschem Vorbild gilt in Frankreich zwar als erstrebenswert, es wäre aber wohl ein gesellschaftlicher Prozess über mehrere Generationen.


INTERVIEW: IRIS HARTL