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Deutsche in der Champagne

Das edle Getränk verkörpert französische Lebensart schlechthin, doch Marken wie Bollinger, Heidsieck, Krug oder Mumm lassen die deutsche Herkunft ihrer Gründer leicht erahnen. Trotz der wachsenden Feindschaft zwischen beiden Völkern zog es sie im 19.Jahrhundert in die Champagne. TEXT: ULRICH SCHÔNLEBER



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„Bei einem Sieg hat man ihn verdient, bei einer Niederlage hat man ihn nötig," erklärte Napoleon Bonaparte. Der Kaiser der Franzosen schätzte den schäumenden Wein sehr, der sich Anfang des 19.Jahrhunderts zum beliebteste Festgetränk der Welt entwickelte. Damit der Champagner seinen Siegeszug fortsetzen konnte,wurden kapitalkräftige Investoren gebraucht.


Für die Winzer, die nach der Ernte nicht weitere zwei bis drei Jahre auf Einnahmen warten konnten, war seine Produktion zu teuer. So entstanden die Champagnerhäuser, von denen viele aus dem Textilhandel hervorgingen. Sie konnten das aufwändige Herstellungsverfahren finanzieren und anschließend das fertige Produkt vermarkten. Die neue Branche zog auch Kaufleute und Winzer aus deutschen Gebieten an, vor allem aus Südwestdeutschland und dem Rheinland. Der Westfale Florenz-Ludwig Heidsieck hatte sich schon 1777 in Reims niedergelassen und die Tochter eines vermögenden Textilhändlers geheiratet. 1785 gründete er sein eigenes Unternehmen, das sich bald ausschließlich auf Herstellung und Vertrieb von Champagner konzentrierte. Der Erfolg des Neufranzosen Florens-Louis lockte weitere Familienmitglieder vom Teutoburger Wald zu den Hügeln von Reims. Zwischenzeitlich wurde das Königreich Westphalen von Napoleons Bruder Jerôme regiert, man blieb also auch hier in der Familie. Allerdings hatten die verschiedenen Heidsiecks nicht immer die gleichen Vorstellungen und so kam es schließlich zur Gründung von drei miteinander konkurrierenden Häusern. Zwei davon, Charles Heidsieck und Piper-Heidsieck, sind heute unter dem Dach der Unternehmensgruppe Rémy-Cointreau wieder vereint, Heidsieck-Monopole gehört zur Gruppe Vranken.


Direkt nach dem Sturz Napoleons kamen die Söhne des Kölner Bankiers und Weinhändlers P.A. Mumm in die Champagne. Der verstorbene Vater hatte den drei Brüdern reichlich Kapital hinterlassen. Sie investierten es in Reims und gründeten 1814 die Firma P.A.Mumm & Co. Ihre Nachfolger brachten 1873 den berühmten Cordon Rouge auf den Markt, dessen Etikett an das rote Band der Ehrenlegion erinnert. Doch als der erste Weltkrieg ausbrach, war für die Familie Mumm Schluss mit Erfolg, Ruhm und Ehre. Weil sie nie die französische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, wurde sie kurzerhand enteignet. Andere Deutsche kamen nicht mit Kapital, sondern mit fachlichen und kaufmännischen Kenntnissen über die Grenze. Zu ihnen gehörten der Mainzer Johann Krug und die Württemberger Jacob Bollinger und Georg Kessler. Krug brachte es bei Jacquesson et Fils bis zum stellvertretenden Direktor, bevor er einen französischen Partner fand, der es ihm ermöglichte 1843 in Reims sein eigenes Haus zu eröffnen. Bollinger arbeitete zunächst als Handelsvertreter für das heute nicht mehr existierende Haus Müller-Ruinart (des aus Bayern stammenden Anton Müller) und schuf 1829 gemeinsam mit einem adligen Gutsbesitzer und einem weiteren französischen Partner in Aÿ sein eigenes Unternehmen. Aus Renaudin, Bollinger & Co wurde bald die Marke Bollinger, die ebensowie Krug heute zu den feinsten und teuersten Champagnermarke zählt. Georg Kessler, der 20 Jahre lang als leitender Angestellter im Dienst der Veuve Clicquot gewesen war, beschloss mit dem erworbenen Wissen in seine Heimat zurückzukehren. Er gründete 1826 in Esslingen am Neckar die erste deutsche Sektkellerei.


TEXT: ULRICH SCHÔNLEBER