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Beziehung am Arbeitsplatz in Frankreich: ein Drahtseilakt

Wo die Liebe hinfällt, kann man nicht beeinflussen. Aber was passiert wenn der/die Auserwählte der eigene Kollege oder sogar Vorgesetzter ist? Laut einer Umfrage von Monster in Frankreich beginnen 30% aller Partnerschaften am Arbeitsplatz. Ein Drahtseilakt.

Der Arbeitsplatz als Ort des Kennenlernens

Kann man Liebe und Job problemlos vereinen? Diese Frage kann man nicht einfach beantworten. Klar gibt es genügend Beispiele von Ehepaaren oder Partnerschaften, wo das wunderbar funktioniert. Doch leider findet man auch mindestens ebenso viele Fälle, wo eine Beziehung am Arbeitsplatz zu mehr oder weniger gravierenden Problemen führt.

Dabei sind die Voraussetzungen sich am Arbeitsplatz zu verlieben nahezu ideal. Und dass sich das Privat- und das Berufsleben immer mehr ineinander verschränken, wird wohl im Zeitalter von Blackberry, E-Mail und Smartphone und dem damit verbundenen "allzeit bereit"-Gefühl niemand mehr leugnen. Aber auch unabhängig davon begünstigen viele Faktoren das "einander Näherkommen" im Büro.

Schon aus beruflichen Gründen verfügt man über ähnliche Interessen, Ausbildungen und berufliche Schwerpunkte und hat somit schon von vorne herein eine gemeinsame Grundlage. Außerdem ist der Arbeitsplatz ein Ort, an dem man immer versucht, sich von seiner besten Seite zu zeigen. Schlabberlook oder ungewaschene Haare gehören in den privaten Bereich. Ein weiterer Punkt sind die heutzutage sehr häufig von Unternehmen durchgeführten Veranstaltungen, sei es bei Umtrünken, gemeinsamen Abendveranstaltungen oder Seminaren. Auch das begünstigt, dass man sich auch auf privater Ebene sehr viel besser kennenlernt, als nur bei der täglichen Arbeit im Büro.

Da ist es nicht verwunderlich, wenn die Studie von Monster vermeldet, dass in ca. 30% der Fälle Liebe am Arbeitsplatz entsteht und, dass sich 50% der Beschäftigten vorstellen eine Beziehung mit einem Kollegen zu haben.

Macht macht sexy!

Die größten Chancen auf eine neue Partner/in am Arbeitsplatz (80%) haben Vorgesetzte, Manager Chefs oder auch gewählte Personalvertreter und Gewerkschaftler. Ob man die Aussage mag oder nicht: Macht (im weitesten Sinne) macht sexy! Wer in gewisser Weise im Rampenlicht steht, strahlt immer aus "Ich hab es geschafft, ich habe Erfolg", was gleichzeitig eine besondere Anziehungskraft bei den anderen Personen hervorruft.

Doch gerade bei Beziehungen mit Vorgesetzten geht man ein hohes Risiko ein. Es kann immer vorkommen, dass man durch persönliche Abenteuer oder Beziehungen befördert wird oder bevorzugt behandelt wird - ob man das will oder sogar beabsichtigt, oder nicht. Das kann, wenn es auffliegt, zu großen Schwierigkeiten führen. Nicht nur zuNeid und Missgunst der Kollegen, sondern auch zu gerichtlichen Verfahren gegen den Vorgesetzten und sein unfaires Verhalten gegenüber seinen Mitarbeitern, die er eigentlich gleichwertig behandeln müsste.

In Frankreich kann aufgrund einer sexuellen Beziehung zu einem Kollegen oder Vorgesetzten niemand eine Kündigung ausgesprochen bekommen (Lois Auroux, 1982). Wenn man eine gewisse Zurückhaltung an den Tag legt, können also auch zärtliche Gesten in der Mittagspause keine schlimmen Folgen für den Arbeitsplatz haben. Wer aber am Arbeitsplatz mehr Zeit mit dem Partner verbringt als zu arbeiten, der muss mit Folgen rechnen. Und zwar nicht weil man in den Armen des Partners gelegen hat, sondern weil man ganz allgemein die Arbeit wegen privater Beschäftigungen vernachlässigt.

Der Reiz des Verbotenen

In jedem Unternehmen gibt es Orte, die versteckt genug sind, um einen kurzen Moment der Zweisamkeit auszuleben (Fahrstuhl, verlassener Flur, leerer Tagungsraum, etc.). Gerade das Verstecken der Beziehung macht oft den Reiz des Ganzen aus, da man ständig in Gefahr schwebt, aufzufliegen. Man verheimlicht also gemeinsam die Geschichte, erfindet vielleicht sogar Ausreden und Lügen, um sich öfter zu sehen. Man überschreitet gewisse Grenzen, tut etwas, was vielleicht vom Umfeld als moralisch verwerflich angesehen wird oder zumindest nicht gerne gesehen wird. Viele der Beziehungen gehen schnell in die Brüche, wenn genau diese Anziehungskraft des Verbotenen nicht mehr da ist.

Liebe und Alltag gemeinsam erleben

Es gibt aber auch Beziehungen, die nach dieser ersten geheimnisvollen Zeit auch offiziell gelebt werden und in denen das gemeinsame Leben und Arbeiten ohne Probleme funktioniert. Man kommt morgens zusammen zum Büro, verbringt die Mittagspause zusammen und geht abends gemeinsam nach Hause. All das klingt zunächst einmal toll, denn wer wünscht sich nicht, neben dem Job mehr Zeit mit seinem Liebsten zu haben und auch den Alltag miteinander verbringen zu können. Wenn die Beziehung hält und funktioniert, kann man sich jeden Tag darauf freuen, dem Partner auch im Büro zu begegnen und miteinander das zu tun, was man sich als Beruf ausgewählt hat. Das fördert zusätzlich die eigene Motivation. Und das oft schon in der Phase vor der eigentlichen Beziehung, wenn man verliebt ist, aber der/ die Angebetete noch nichts davon weiß, bzw. man sich gerade im Prozess der vorsichtigen gegenseitigen Annäherung befindet. Dann werden Wochenenden plötzlich doof, da man die jeweilige Person zwei Tage lang nicht sehen wird. So kann es vorkommen, dass man am Montagmorgen plötzlich der einzige im Büro ist, der sich freut, dass die Arbeitswoche endlich wieder losgeht.

Eine Herausforderung für alle Beteiligten

Eine offizielle Partnerschaft innerhalb eines Unternehmens oder einer Abteilung ist in jedem Fall eine Herausforderung für die gesamte Einrichtung, egal ob sie nun funktioniert oder in die Brüche geht. Denn natürlich hat man nun nicht mehr einfach zwei individuelle Arbeitnehmer, sondern eben auch ein Paar, mit dem man lernen muss umzugehen. Was macht man zum Beispiel, wenn einer der beiden sehr gute, der andere aber weniger gute Arbeit leistet? Solche Situationen können dann leicht zu einer Zerreißprobe werden.

Und was passiert, wenn die Beziehung zerbricht? Das kann zu Spannungen in der ganzen Abteilung oder Firma führen, wenn sich die internen Spannungen des Ex-Paares auf die Kollegen übertragen oder Streitereien sogar vor Kunden ausgetragen werden. Und im allerschlimmsten Fall zieht es mobbingartiges Verhalten eines der beiden Partner nach sich, der versucht, sich auf dieser Ebene an dem einstigen Vertrauten zu "rächen".

Selbst wenn es gar nicht zu solchen Szenen kommt, ist es natürlich für die Betroffenen sehr viel schwerer über eine Trennung hinweg zu kommen, wenn man den ehemaligen Partner jeden Tag im Büro sieht und mit ihm noch weiter zusammen arbeiten muss. Manchmal ist ein Arbeitsplatzwechsel mindestens einer der Personen unvermeidlich.

Man sieht also, dass es nicht immer einfach ist, Liebe am Arbeitsplatz in Frankreich auszuleben, egal ob es bei einem einmaligen Abenteuer bleibt oder zu einer langjährigen Beziehung kommt. Aber was ist in der Liebe schon einfach...