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Arbeit in der Industrie in Frankreich: Gibt es noch Jobperspektiven?

8. August 2012

Vor dem Hintergrund von Deindustrialisierung und weitreichenden Sozialplänen wird die französische Industrie häufig altmodisch, hart und männerdominiert wahrgenommen. Die Realität ist freilich wesentlich vielschichtiger. Im folgenden präsentieren wir Ihnen vier der häufigsten Vorurteile über die Industrie in Frankreich.

Vorurteil Nummer 1: Die französische Industrie ist veraltet

Bei Deindustrialisierung denkt man an Stellenabbau, an Abwanderung von Fachkräften in Schwellenländer und an die Abwärtsspirale industrieller Gruppen, die einst Aushängeschilder der französischen Republik waren.

"Trotzdem gibt es nach wie vor zahlreiche Möglichkeiten, etwa bei international aufgestellten Unternehmen zu arbeiten oder sie bei der Entwicklung neuer, vielversprechender Aufgabengebiete zu unterstützen", sagt Alain Gavand, Chef der Personalvermittlung Alain Gavand Consultants.

Die Industrie "ist kein gleichförmiger Block, eher eine sehr heterogene Branche". Neben der Stahlindustrie mit ihren Hochöfen sind in Frankreich wichtige Unternehmen aus den verschiedensten Bereichen angesiedelt. Darunter etwa die Energiekonzerne EDF, Areva, Veolia, Total, die Luftfahrtunternehmen Dassault Aviation, Eurocopter, Kosmetikfirmen wie L'Oreal und Lebensmittelproduzenten wie Danone.

Vorurteil Nummer 2: In der Industrie wird wenig Personal eingestellt

"Die Industrie wurde in den letzten Jahren massiv umstrukturiert, was den hohen Verlust von Arbeitsplätzen erklärt", so die Association pour l'emploi des cadres (Apec) in einer Studie aus dem Jahr 2011. Auf der einen Seite haben die Unternehmen zunehmend Back Office Jobs ausgelagert. Auf der anderen Seite haben sie Produktionsstätten verlagert, wobei meist nur die lukrativsten Aktivitäten im Land blieben.

Dementsprechend, sind Führungskräfte mehr und mehr in der Industrie vertreten (+4 Prozentpunkte zwischen 2004 und 2010). Laut Apec haben Hochschulabsolventen besonders gute Chancen in der mechanischen und in der Metallindustrie (bis zu 1400 Stellen), in der Industrie für elektronisches Zubehör (bis zu 1000) und im Luftfahrtsektor und im Schienenverkehr (bis 500). Die chemische Industrie und die Pharma-Branche werden in diesem Jahr etwa genauso viele Absolventen einstellen wie in den vergangenen Jahren (bis 600):

Vorurteil Nummer 3: Frankreichs Wirthschaft ist nicht sehr innovativ

Das Vorurteil ist falsch, wenn man François Mornet, dem Leiter des Karriere-Managements der SEB-Gruppe glaubt, für den Innovationen ein Schlüsselfaktor für den Erfolg in der Industrie sind und ein "sehr starker Faktor um junge Ingenieure anzuziehen." Seine Gruppe ist auf der Suche nach "leidenschaftlichen und erfinderischen Ingenieuren", die offen sind für eine Arbeit auf internationaler Ebene und für die Entwicklung neuer Produkte aus dem Bereich der Massenkonsumgüter (SEB, Rowenta, Tefal...).

Die Innovation ist ein Schlüsselfaktor für den Erfolg eines Unternehmers

Mornet verweist auf Neuerungen in Berufen, die im Zusammenhang mit der Energieeffizienz stehen.
Dem kann Aude Nicolas-Morgantini (27 Jahre), die im letzten Jahr als Projektleiterin in der Qualitätssicherung eingestellt wurde, nur zustimmen. Die Ingenieurin von der Elitehochschule Ecole nationale supérieure de géologie hat auch einen Master in "Nachhaltigkeitsmanagement" der Wirtschaftshochschule HEC Paris und nimmt an der Verbesserung interner Reportings zu Umweltthemen teil. Sie arbeitet außerdem daran, im Unternehmen eine Politik des ökologischen Designs umzusetzen.

Vorurteil Nummer 4: Die Industrie ist eine Männerdomäne

Ein Vorurteil, das laut Alain Gavand, zum Teil zutrifft. "Die Industrie bleibt zu großen Teilen eine Männerdomäne", schätzt er. "Das liegt sicher daran, dass die Ingenieursschulen bis heute immer noch wenige Studentinnen anziehen." Die Kernenergie, das Maschinenwesen und die Informatik, um nur drei Beispiele zu nennen, geben sich Mühe, den Frauenanteil in ihren Teams zu erhöhen. Auf dem Gebiet werden lobenswerte Anstrengungen unternommen. Zahlreiche Unternehmen wie Coca Cola und Total haben Projekte ins Leben gerufen, um mehr Frauen in ihren Teams oder der Betriebsleitung zu haben.

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