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Binationale deutsch-französische Ausbildung: Liste und Angebote

Binationale deutsch-französische Ausbildung: Liste und Angebote

Durch Erasmus- oder Leonardo-Programme ist ein mehrmonatiger Aufenthalt oder ein Praktikum in Frankreich für Studierende längst Standard geworden. Viele absolvieren ein Doppeldiplomprogramm und erhalten so einen deutschen sowie französischen Universitätsabschluss. Binationale Austauschprogramme gibt es nicht nur für Studenten, denn Auszubildende haben ebenso die Möglichkeit, eine deutsch-französische Ausbildung mit Doppelabschluss zu absolvieren. Trotz großer Nachfrage bleibt das Angebot allerdings gering. Wie sieht es aber für junge Menschen aus, die sich für einen anderen Ausbildungsweg entschieden haben?

1. Binationale Ausbildung mit Abschluss Industriekaufmann / Industriekauffrau
2. Deutsch-französische Ausbildung im Verkaufsmanagement
3. Ausbildung als Elektriker, Hotelfachmann/-Frau, Fluggerätemechanik, Bauwesen sowie öffentliche Arbeiten
4. Förderprogramm für deutsch-französische Ausbildung
5. Gründe für geringes Angebot an grenzüberschreitender Bildung





1. Binationale Ausbildung mit Abschluss Industriekaufmann / Industriekauffrau

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen bietet seit längerem eine binationale Ausbildung mit Abschluss Industriekaufmann/-kauffrau an. Gleichzeitig erwerben die Auszubildenden das französische BTS Comptabilité et gestion (CG). Die Ausbildung erfordert nicht nur sehr gute Französisch- und Mathematikkenntnisse, sondern auch das Abitur, denn der französische Abschluss setzt voraus, dass der Bewerber die Hochschulreife erworben haben muss.

Entlang der deutsch-französischen Grenze gibt es verschiedene regionale Projekte, die sich speziell an Auszubildende richten. An den Beruflichen Schulen in Kehl (BSK) kann man seit 2009 eine binationale Ausbildung zum deutsch-französischen Einzelhandelskaufmann/-kauffrau absolvieren. Die BSK kooperiert mit dem Lycée Oberlin in Straßburg. Die Ausbildung endet mit dem Erwerb der landesspezifischen Abschlüsse, dem BAC Professionnel Commerce auf französischer Seite und dem Kaufmannsbrief der Industrie- und Handelskammer auf deutscher Seite. Voraussetzungen sind hierbei lediglich ein mittlerer Schulabschluss sowie gute Französischkenntnisse.


2. Deutsch-französische Ausbildung im Verkaufsmanagement

Die IHK Pfalz hat zusammen mit der CCI Alsace Eurométropole sowie dem Berufsbildenden Gymnasium Wissembourg eine grenzüberschreitende Ausbildung im Verkaufsmanagement mit Doppelabschluss-Möglichkeit im Handelsbereich geschaffen. Französische Azubis haben die Möglichkeit, mit einem Ausbildungsbetrieb aus der Pfalz eine dreijährige Ausbildung zum Kaufmann/-frau im Einzelhandel, bzw. im Groß- und Außenhandel abzuschließen. Parallel dazu absolvieren wird eine französische Ausbildung zum Gestionnaire d'Unité Commerciale (GUC) absolviert, einer zweijährigen Ausbildung, die im Anschluss an das französische Abitur erfolgt.

Die schulische Ausbildung erfolgt in den beiden ersten Jahren über die BBS/CFA in Wissembourg, wobei hier von den Betrieben etwas Schulgeld zu entrichten ist. Zur Vorbereitung des deutschen Abschlusses wechselt der Berufsschulstandort im dritten Jahr nach Landau, Germersheim oder Pirmasens. Weitere Informationen dazu: Dienstleistungszentrum Landau - Deutsch-französische Ausbildung





3. Ausbildung als Elektriker, Hotelfachmann/-Frau, Fluggerätemechanik, Bauwesen sowie öffentliche Arbeiten

Im Eurodistrikt Straßburg-Ortenau können Auszubildende sogar in 19 Berufen ihre Ausbildung dual und binational absolvieren. Elektriker, Hotelfachleute, Steinmetze, Beton- und Stahlbauer, Maurer und Fluggerätemechaniker absolvieren ihren Theorieteil im Heimatland und den Praxisteil im Nachbarland. Die Abschlüsse sind auf beiden Seiten anerkannt. Das besondere am Angebot: viele Auszubildende im Handwerksgewerbe erhalten die Möglichkeit einer grenzüberschreitenden Berufsausbildung.


4. Förderprogramm für deutsch-französische Ausbildung

Seit 1980 fördert ProTandem den deutsch-französische Austausche von Jugendlichen und Erwachsenen in der beruflichen Bildung mit jährlich rund 3.000 Teilnehmern in über 50 Berufsbranchen.

ProTandem arbeitet Hand in Hand mit deutschen und französischen Bildungseinrichtungen, Kammern, Betrieben, Innungen, Verbänden und überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen zusammen. Das Förderprogramm beruht auf dem Abkommen vom 5. Februar 1980 zwischen den Außenministern Deutschlands und Frankreichs über die Durchführung eines Austausches von Jugendlichen und Erwachsenen in beruflicher Ausbildung oder Fortbildung.

Die Mittel für die deutsch-französische Agentur ProTandem und das Austauschprogramm werden auf deutscher Seite vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und auf französischer Seite vom Ministère de l'Education Nationale et de la Jeunesse, Ministère du Travail und vom Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten zur Verfügung gestellt. In deren Auftrag fördert, berät und begleitet ProTandem vor, während und nach den Austauschen.

Aufgaben und Ergebnisse der Agentur werden regelmäßig in Sitzungen mit den Förderministerien und in einer deutsch-französischen Expertenkommission aus Akteuren der beruflichen Bildung transparent vorgelegt.


5. Gründe für geringes Angebot an grenzüberschreitender Bildung

Sucht man nach Erklärungen für das geringe Angebot, so ergeben sich verschiedene Gründe. Es wäre falsch zu behaupten, dass grenzüberschreitende Bildung sich nur auf den akademischen Bereich konzentriert und sich somit ungleiche Chancen im Vergleich zu Nichtakademikern ergeben. Es mangelt nicht nur an grenzüberschreitenden Ausbildungsplätzen, sondern generell an Ausbildungsplätzen. Eine Problematik, die sowohl in Frankreich als auch in Deutschland existiert.

Zudem verhindern bürokratische Hürden einen schnellen und zügigen Ausbau in diesem Bereich. So war das damals bereits seit langem geplante, ambitionierte Ausbildungsprojekt des Eurodistrikts Straßburg-Ortenau über Monate ins Stocken geraten. Grund hierfür war die Frage, wie bzw. von wem nun die deutschen und französischen Jugendlichen, die ihren Praxisteil im Ausland absolvieren, versichert werden sollen. Auch die unterschiedlichen Ausbildungssysteme in beiden Ländern vereinfachen die Situation nicht. So gehen deutsche Lehrlinge in die Berufsschule und in den Betrieb, französische Lehrlinge werden meist in sogenannte Lycées techniques ausgebildet.

Eine adäquate binationale Ausbildung wäre jedoch am einfachsten durch ein einheitliches Azubi-System zu lösen. Aber spätestens seit der Umsetzung der Bologna-Reformen, die unter anderem eine Vereinheitlichung der Universitätsabschlüsse vorsehen, weiß man wie problematisch diese Umsetzung ist. Europäisches Zusammenwachsen ist eben doch leichter gesagt als getan.

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