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Schummeln im französischen Lebenslauf: Tricksen für den Traumjob in Frankreich

Es geschieht immer noch viel zu oft: Bewerber, die im Lebenslauf die Unwahrheit sagen, oder bestimmte Fakten trickreich umgehen. Das Frisieren von Bewerbungen ist ein Thema, vor dem Arbeitgeber nicht die Augen verschließen sollten.

Bedauerlicherweise war es unter französischen Personalern nie groß in Mode, Lebensläufe auf ihren Wahrheitsgehalt hin abzuklopfen. Laut einer Studie der Personalvermittlung Florian Mantione führen 71 Prozent der Unternehmenschefs oder Personaler keinerlei Kontrollen durch. Wer sich aber nicht wirklich mit Lebensläufen auseinandersetzt, hat dann später Probleme, etwaige Schummeleien zu entdecken. Allerdings haben Personaler auch dann durchaus noch Möglichkeiten, dies zu korrigieren.

Welche Lügen sind in französischen Lebensläufen häufig verbreitet?

"Alle machen es, warum also nicht auch ich? Das ist kein Betrug, sondern nur Beschönigung." So oder so ähnlich denken viele Franzosen, die sich auf einen Job bewerben. Verschönern kann dann auch bedeuten, bestimmte störende Tatsachen einfach zu verschweigen. Die erste Schummelei ist die Lüge durch Auslassung. Bewerbungsfachleuten zufolge wird besonders häufig bei den Angaben zu Sprachen, Alter und dem Grund für die Beendigung des alten Jobs gemogelt. So wird etwa schnell mal aus einem unbefristeten Vertrag, der nach der Probezeit nicht verlängert wurde, ein befristeter. Und hinter "inhaltlichen Meinungsverschiedenheiten" steckt nicht selten einfach schlechtes Benehmen oder unangemessenes Verhalten im Betrieb.

Es wird geschätzt, dass in bis zu drei Viertel der Fälle Lebensläufe "aufgehübscht" werden, bei 37 Prozent der Bewerbungen sagten die Kandidaten die Unwahrheit über ihre Schulabschlüsse. Und die Tricksereien reichen bis ganz nach oben. So mussten sich etwa in der Politik Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy und die frühere französische Justizministerin Rachida Dati kritischen Fragen zu ihren Lebensläufen stellen, und der einstige Chef des Internetunternehmens Yahoo, Scott Thompson, musste wegen eines erfundenen Diploms seinen Hut nehmen. Die Konsequenzen können aber noch deutlich härter ausfallen. So wurde etwa der Chef des Flughafens im französischen Limoges aus ähnlichen Gründen zu einem Jahr Gefängnis verurteilt - ohne Bewährung.

Dieses Fehlverhalten ist dabei keine große Überraschung. Einer Studie des Personaldienstleisters Robert Half zufolge, halten nur 54 Prozent der französischen Personaler Lebensläufe für verlässlich. Allerdings scheint die aktuelle Wirtschaftskrise zum Frisieren von Lebensläufen geradezu zu verleiten.

Warum schummeln die Bewerber?

Inzwischen sind die Auswirkungen der Krise deutlich zu spüren, die Konkurrenz unter den Bewerbern nimmt ebenso zu, wie die Anforderungen der Personaler; zumindest in bestimmten Bereichen. Das Verschönern von Lebensläufen greift seit einigen Jahren immer weiter um sich; als Resultat des steigenden sozialen und beruflichen Drucks, der auf den Kandidaten lastet.

So sollen sie bitte die besten Schulen besucht und zudem besonders originelle und bereichernde Berufserfahrungen gemacht haben. So kann aus einem zweimonatigen Praktikum in einem Unternehmen schnell mal ein halbes Jahr werden. Die Unternehmen wollen quasi die eierlegende Wollmilchsau. Seit den Neunzigerjahren geben viele ältere Bewerber ihr Alter nicht mehr an, um überhaupt noch eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben.

Durch zurückliegende Vorstellungsgespräche und Bewerbungen kennen viele Bewerber schon ihre Schwachpunkte und wissen warum sie eine bestimmte Stelle nicht bekommen haben.
Sie passen sich und ihren Werdegang also an, um dem Personaler das zu geben, was der offenbar will.

Das Verfassen und Bearbeiten des Lebenslaufes gehört zu den wichtigsten Schritten im Bewerbungsverfahren, er soll schließlich die Eintrittskarte zum Vorstellungsgespräch sein. Da ist es für viele nachgerade verlockend, die Angaben hier ein wenig zu frisieren, dort etwas hinzuzuerfinden oder rundweg zu betrügen.

Manche schreiben etwa, sie hätten ein Diplom, um in der Datenbank der Personaler weiter oben aufzutauchen. Die Bewerber wissen, dass die oft automatisierten Systeme Bewerbungen zunächst nach dem Kriterium passender Abschlüsse filtern. Sie verwenden Schlüsselbegriffe, erklären dann aber bei Nachfrage, dass sie lediglich über einen „gleichwertigen" Abschluss verfügen - aber eben nicht den angegebenen.

Eine gewisse Schuld liegt auch bei den Personalvermittlern, zumindest in bestimmten Branchen. Bei ihrer Suche nach interessanten Profilen schauen sie einfach manchmal nicht allzu genau hin, denn es ist schwer noch ein „Prachtexemplar" aufzutun, besonders wenn potentielle und sehr gute Kandidaten sich schon beim Arbeitsamt drängeln. Der Arbeitgeber, der so ein Exemplar gefunden hat, ist so zufrieden, dass er gar nicht weiter suchen muss.

Diese Art der Vogelstrauß-Politik führt dazu, dass jene, die besonders frech sind, nach dem Motto „dreist kommt weiter" einen Fuß in die Tür bekommen. Schließlich finden genau diese Bewerber im Internet die notwendigen Hinweise für ihre Tricks.

Kann der Arbeitgeber juristische Schritte einleiten?

Sollte ein Betrug im Lebenslauf auffliegen, so sind die Möglichkeiten des hereingelegten Personalers begrenzt. Rechtliche Schritte einzuleiten kann riskant sein. Die Berufungsgerichte sind bei diesem Thema immer strenger. Sie gehen davon aus, dass die Arbeitgeber den Schummeleien bereits im Bewerbungsverfahren und vor einer Anstellung auf die Spur kommen können. Trotzdem kann ein aufgehübschter Lebenslauf schnell als „Betrug" gewertet werden, damit ist dann der Arbeitsvertrag hinfällig. Allerdings muss in diesem Fall laut der Rechtsprechung bewiesen werden, dass das Diplom für die Einstellung entscheidend war. Das betrifft etwa den Gesundheitsbereich.

Grundsätzlich kann sich der Arbeitgeber aber zunächst einmal immer darauf berufen, dass die Angaben zu Zeugnissen und Abschlüssen nicht korrekt waren. Er muss dann aber nachweisen, dass die notwendige Kompetenzen beim Angestellten fehlen. Wenn der zeigt, dass er durchaus für den Job geeignet ist, dann wird es schwierig, das Gericht zu überzeugen. Selbst bei einem falschen Diplom sind die Dinge nicht unbedingt einfach. Wenn der in der Stellenanzeige geforderte Abschluss allgemein war und wenn der Angestellte beweisen kann, dass er zumindest gleichwertige Kenntnisse und Fähigkeiten hat, um seine Aufgabe zu erledigen, dann stehen die Chancen für den klagenden Arbeitgeber schlecht. Es ist die Aufgabe des Unternehmens, die Angaben des Bewerbers vor einer Einstellung zu prüfen.

Wie kann man sich als Arbeitgeber schützen?

Bewerbungsunterlagen können vorab auf verschiedene Art und Weise auf ihren Wahrheitsgehalt hin geprüft werden. Mit Genehmigung des Bewerbers können frühere Arbeitgeber kontaktiert werden, um etwa Angaben zu überprüfen, wie hoch das dem Bewerber anvertraute Budget gewesen ist oder wie viele Mitarbeiter er geleitet hat. Außerdem kann man sich an frühere Mitarbeiter und Geschäftspartner des Kandidaten wenden. Um die häufigen Ausreden von überfluteten und niedergebrannten Häusern, in denen sich die Zeugnisse befanden, zu umgehen, arbeiten einige Unternehmen mit spezialisierten Agenturen zusammen, die die Angaben zu Diplomen überprüfen können.

Die Personalvermittler und Headhunter können auch auf ihre guten Marktkenntnisse vertrauen und auf Kontakte zu spezialisierten Berater in den verschiedensten Bereichen.

„Die Personalvermittler kennen das Umfeld, die Konkurrenz, die ehemaligen Vorgesetzten eines Kandidaten, somit haben sie die Möglichkeit, die einzelnen Stationen auf dem bisherigen Berufsweg eines Bewerbers nachzuvollziehen."

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, sich von einem potentiellen Mitarbeiter vorsorglich unterschreiben zu lassen, dass er in allem die Wahrheit angegeben hat. Solch ein Dokument ist rechtskräftig. Es gibt für Unternehmen also durchaus die ein oder andere Möglichkeit, sich zu wehren.

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