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Wie kann man sich in einem Unternehmen in Frankreich einleben?

9. September 2011

Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Diese Redewendung beinhaltet viel Wahres. Das gilt nicht nur auf der privaten Ebene, sondern auch im Berufsleben. Wer neu in einem Unternehmen anfängt, steht vor vielen Herausforderungen, besonders, wenn man im Ausland arbeiten möchte. Hier einige Tipps, wie Sie sich schnell in einem neuen Unternehmen in Frankreich einleben können.

Das "Savoir vivre" Ihres Unternehmen kennen

Schon bei der Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch sollten Sie natürlich einiges über das Unternehmen herausgefunden haben und die besonderen Gegebenheiten zumindest bis zu einer gewissen Tiefe kennen. Aber viele Details sind nicht gleich auf den ersten Blick sichtbar. Daher lohnt es sich, in den ersten Tagen in Ihrem neuen Unternehmen (sofern es nicht bereits im Vorfeld möglich ist) genau auf solche Dinge zu achten. So können Sie vermeiden, dass gleich etwas zwischen Ihnen und Ihren Kollegen steht, nur weil Sie etwas nicht kennen. Wenn Sie merken, dass zum Beispiel alle männlichen Mitarbeiter Krawatte tragen, sollten Sie als Mann auch jeden Tag eine tragen, um nicht hierarchische Abfolgen oder interne Erwartungen zu verletzen. Googeln Sie doch einfach mal Ihre Firma im Internet, vielleicht können Sie zum Beispiel in dem französischen Netzwerk Viadeo ein bisschen mehr über die Mitarbeiter und zukünftigen Kollegen erfahren?

Der Begriff "Savoir vivre" ist nicht nur im Alltagsleben gültig, sondern auch und besonders in der Arbeitswelt. Damit ist nicht nur gemeint, dass man gewisse Regeln der Höflichkeit einhält, sondern auch, dass man den anderen mit Sympathie begegnet und versucht, auch deren Sicht zu verstehen. Um also noch ein Sprichwort heranzuziehen: Der Ton macht die Musik! Es nützt weder Ihnen noch dem Unternehmen, wenn Sie fachlich zwar spitze sind, im alltäglichen Miteinander aber "untauglich" sind und allen mit Misstrauen begegnen. Ein freundliches "Guten Morgen" wenn Sie morgens ankommen kann eines von vielen Details sein, dass das Miteinander angenehm macht.

Duzen oder Siezen?

Ein wichtiger Punkt ist auch die Anrede: Wird gesiezt oder geduzt, eventuell beide Formen gemischt (Vorname aber "Sie"), gibt es hierarchische Unterschiede in der Kommunikation? Letzteres ist vor allem in Frankreich ein Thema, wo hierarchische Strukturen doch noch stärker betont und eingehalten werden müssen, als das in Deutschland in einigen Branchen der Fall ist.

Die Rolle der "Pause Café"

Laut einer Umfrage der Plattform Monster ist die "Pause Café" für die Mehrheit der französischen Arbeitnehmer ein essentieller Bestandteil im Alltag, da man durch das etwas ungezwungenere Zusammensein mit den Kollegen am Kaffeeautomaten doch sehr oft auf einer anderen Ebene ins Gespräch kommen kann als am Schreibtisch und man außerdem auch immer auf dem aktuellen Stand des "Flurtalks" bleibt. Verschiedene Studien haben außerdem nachgewiesen, dass Kaffeepausen zum einen das Arbeitsklima deutlich verbessern können und andererseits auch die Konzentration fördern. Es lohnt sich also, an dieser Tradition teilzuhaben und auch auf diesem Wege mit den neuen Kollegen in Kontakt zu kommen.

Pünktlichkeit in Frankreich

Natürlich sollten Sie besonders am Anfang darauf achten pünktlich zu den vereinbarten Arbeitszeiten zu erscheinen. In einem deutschen Unternehmen ist man gewohnt, dass ein Meeting auch wirklich um 14h30 anfängt, wenn es für diese Uhrzeit festgesetzt war oder aber dass eine Lieferung auch tatsächlich am vereinbarten Tag ankommt. Wenn Sie das auch in Frankreich erwarten, könnten Sie enttäuscht werden. In Frankreich spiegelt sich das berühmte Laissez-faire auch in der Arbeitswelt wieder, daher sollten Sie nicht allzu genervt sein, wenn Dinge mal länger dauern, als veranschlagt.

Bescheidenheit hilft weiter!

Wenn eine Sache bei einem neuen Mitarbeiter gar nicht gerne gesehen ist, dann ist es Kritik. Wer neu ist, sollte nicht ab dem ersten Tag versuchen, alle Vorgänge in dem Unternehmen zu revolutionieren, frei nach dem Motto "Bisher habe ich das aber immer so und so gemacht..." oder "Das System finde ich aber nicht gut, viel besser wäre...". Natürlich können Sie mit der Zeit Änderungsvorschläge in Ihrem Arbeitsbereich vorbringen oder durchsetzen, aber ein bisschen Bescheidenheit und Zurückhaltung in den ersten Monaten wird sicher sehr viel positiver bewertet werden, als ein allzu voranpreschendes Verhalten. Am besten beobachten Sie erst einmal genau die Vorgehensweise der Kollegen in Situationen, in denen ein bestehendes System kritisiert oder etwas verändert werden soll, um zu wissen, wie in Ihrer neuen Firma damit umgegangen wird.

Trotzdem kann es natürlich auch zu Beginn einer gemeinsamen Tätigkeit zu Konflikten unter Kollegen kommen. Versuchen Sie in einer solchen Situation nicht "auf Angriff" zu gehen, sondern fangen Sie Ihre Argumentationen zunächst damit an, dass Sie sagen "Oui, vous avez raison...", um nicht von vorne herein ein Gespräch abzublocken, sondern eine Lösung finden zu können. In den meisten Fällen handelt es sich sowieso eher um ein formales, als um ein wirklich inhaltliches Problem.

Offen auf andere zugehen

Leider ist nicht in allen Unternehmen gewährleistet, dass eine schnelle Eingliederung in die Unternehmensstruktur auf der zwischenmenschlichen Ebene durch verschiedene Maßnahmen schnell gelingt. Sollten Sie zum Beispiel nicht gleich am ersten Tag eine Führung durch das Unternehmen erhalten haben bei dem Sie den anderen Mitarbeitern vorgestellt worden sind, können Sie auch gerne Ihren direkten Vorgesetzten darum bitten, dies noch nachzuholen. Aber selbst wenn eine solche allgemeine Vorstellung gar nicht stattfindet, sollten Sie sich in keinem Fall "verkriechen", sondern auch mal die Initiative selbst in die Hand nehmen und auf die Kollegen zugehen, mit denen Sie in Ihrem zukünftigen Alltag eng zusammenarbeiten werden. Versuchen Sie so sich gleich von Beginn an ein persönliches Netzwerk aufzubauen, da in Frankreich die privaten Beziehungen eine deutlich größere Rolle im Berufsleben spielen als in Deutschland.

Nebenbei können Sie auch hier viel über das Unternehmen lernen, wenn Sie ein offenes Ohr für die Kollegen haben und viele kennenlernen, indem Sie zuhören anstatt sich selbst in den Vordergrund zu drängen. Denken Sie dabei daran, dass kein Personalchef einen Mitarbeiter über die Probezeit hinaus beschäftigen wird, der eine Art Querschläger in seinem eingespielten Team darstellt...

Rücksprache halten

Wenn die ersten Arbeitstage/-wochen vorbei sind, ist es hilfreich mit dem Vorgesetzten noch einmal Rücksprache zu halten, wie es mit Ihrer Einbindung in das Unternehmen/ die Abteilung in Frankreich auf professioneller und zwischenmenschlicher Ebene aussieht. Dabei ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen für dieses Gespräch (ein guter Zeitpunkt ist zum Beispiel Ihre dritte Woche im Unternehmen), da es weder zu früh, noch zu spät stattfinden sollte. Vor allem nicht zu spät, damit Sie eventuelle Antipathien oder Probleme mit Kollegen gleich zu Beginn noch ausmerzen können.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und einen guten Start!