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Deutsch-französische Studiengänge: 4 Beispiele unter der Lupe

Deutsch-französische Studiengänge: 4 Beispiele unter der Lupe

Erfolg in der Karriere gibt es heutzutage nicht ohne eine Etappe im Ausland. Wir präsentieren Ihnen vier Ideen für junge Europäer, die auf der Suche nach deutsch-französischen Studiengängen sind.

1. Der Vergangenheit auf der Spur: Bochum und Tours
2. Kultur vermitteln: Hildesheim und Aix-Marseille
3. International Business: Dortmund, Cergy-Pontoise und La Rochelle
4. Time-Ingenieure: München, Paris und Toulouse






1. Der Vergangenheit auf der Spur: Bochum und Tours

In Bochum und Tours begeben sich die Studierenden des deutsch-französischen Doppelstudiengangs Geschichte gemeinsam auf die Spuren der Vergangenheit.

Seit 2003 bieten die Universitäten François Rabelais in Tours und die Ruhr-Universität Bochum einen Studiengang an, bei dem die Studierenden sowohl den deutschen Bachelor of Arts erwerben, als auch die französische Licence.

Prof. Dr. Gerhard Lubich, der den Studiengang in Bochum betreut, erläutert:

"Damit stehen den Absolventen in beiden Ländern die Türen für die Lehramtsausbildung und andere weiterführende Master weit offen."

Bei der Auswahl der Kandidaten achtet er neben soliden Französischkenntnissen vor allem auf die persönlichen Eigenschaften der Bewerber:

"Weiche Faktoren wie Offenheit, Flexibilität, soziale Kompetenzen und fachliches Engagement gehören auf jeden Fall dazu."

Schließlich gingen die Studierenden als Botschafter der Ruhr-Universität nach Tours. Wer es ins Programm schafft, profitiert von einer persönlichen Betreuung und in finanzieller Hinsicht von der Mobilitätsbeihilfe der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH). Für die Studierenden ergeben sich anschließend in beiden Ländern Möglichkeiten, weiterzustudieren. Lubich erklärt hierzu:

"Wer sich vorstellen kann, in Frankreich zu bleiben, der hat durch einen binationalen ersten Abschluss gute Möglichkeiten, in das sonst sehr restriktive französische Hochschulsystem hineinzukommen."

Außerdem können die Studierenden ihrem Fach treu bleiben: die bestehende Partnerschaft zwischen Bochum und Tours wurde vor einigen Jahren um einen binationalen Master-Studiengang Geschichte erweitert.





2. Kultur vermitteln: Hildesheim und Aix-Marseille

Seit 2001 kooperiert die Universität Hildesheim mit der Universität Aix-Marseille in Sachen Kulturvermittlung. Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis heißt es in Hildesheim, Médiation Culturelle de l'Art in Marseille.

Heike Denscheilmann, Programmbeauftragte des deutsch-französischen Doppelstudiengangs und selbst damalige Absolventin, weiß aus eigener Erfahrung um die Besonderheiten des Studiengangs:

"Die beiden Studiengänge haben eine sehr ähnliche Ausrichtung, da bietet sich eine Kooperation einfach an. Im Mittelpunkt steht in beiden Ländern die Auseinandersetzung mit den Künsten - immer bezogen auf Kulturvermittlung. Im Wahlbereich können zum Beispiel auch pädagogische Schwerpunkte gesetzt werden."

Die Studierenden wählen ein künstlerisches Hauptfach wie Bildende Kunst, Theater, Literatur, Medien oder Musik und ergänzen dieses Hauptfach mit Seminaren zum Thema Kulturphilosophie oder Kulturmanagement.

In Frankreich gibt es einen zweiten Schwerpunkt Kulturvermittlung, der das Publikum ins Zentrum der Ausbildung stellt:

  • Wer ist mein Publikum?
  • Wie kann ich es kennenlernen?
  • Wie bekomme ich es in eine kulturelle Veranstaltung?

Um dem Bologna-Prozess Rechnung zu tragen, wurde in Hildesheim an der Umstellung auf den Master gearbeitet. Bewerber sollten kulturelle Kompetenzen und natürlich Sprachkenntnisse in Französisch und Deutsch mitbringen, so Denscheilmann:

"Das ist einfach wesentlich, um ein komplettes Studium auch im Partnerland erfolgreich bewältigen zu können."





3. International Business: Dortmund, Cergy-Pontoise und La Rochelle

Seit Ende 2007 wird an der Fachhochschule Dortmund am Fachbereich Wirtschaft der Bachelor-Studiengang International Business angeboten. Kooperationspartner in Frankreich sind die École supérieure des sciences économiques et commerciales in Cergy-Pontoise und die École de Commerce in La Rochelle.

In acht Semestern erwerben die Studierenden den Grad eines Bachelor of Arts der FH Dortmund und den Abschluss der französischen Partnerhochschule.

Wer sich für das Programm bewirbt, braucht ersteinmal gute Noten, wie Dr. Werner Müller-Pelzer, Programmbeauftragter der FH Dortmund, erklärt:

"Wir stützen uns bei der Auswahl der Studenten in erster Linie auf den Abiturdurchschnitt."

Außerdem müssen alle Kandidaten Englischkenntnisse auf dem Niveau B2 mitbringen, und wer sich für einen französischen Doppelstudiengang bewirbt, muss natürlich die entsprechenden Sprachkenntnisse in Französisch mitbringen. Um die Überprüfung der Englischkenntnisse kommen auch die Bewerber für einen deutsch-französischen Studiengang nicht herum. Müller-Pelzer betont:

"Die erste und globale Sprache ist einfach Englisch. Das ist eigentlich keine Fremdsprache mehr, das ist Handwerkszeug."

Während des Studiums verbringen die Studierenden dann zwei Studiensemester und ein Praxissemester in Frankreich. In dieser relativ langen Phase im Ausland sollen die Studenten ein tieferes Verständnis des Landes und des Wirtschaftslebens vor Ort erwerben. Bei einem betriebswirtschaftlichen Studiengang sei das unbedingt notwendig wie Müller-Pelzer unterstreicht:

"Damit beweisen die Studenten, dass sie sich im Ausland nicht nur über Wasser halten, sondern dass sie verantwortungsvoll handeln können."





4. Time-Ingenieure: München, Paris und Toulouse

Christoph Steber, Direktor des International Office der TU München spricht über die Studierenden, die das TIME-Programm durchlaufen haben.

TIME steht für Top Industrial Managers for Europe und ermöglicht den Studierenden der Ingenieurwissenschaften auch deutsch-französische Doppelabschlüsse. Partneruniversitäten in Frankreich sind zum Beispiel die Centrale Supélec, die École Polytechnique in Paris oder das Institut Supérieur de l'Aéronautique et de l'Espace in Toulouse (ISAE). Seit 1989 besteht die Partnerschaft zwischen der Fakultät Maschinenwesen der TU München und den verschiedenen französischen Hochschulen. Die Studierenden beginnen ihre Ausbildung in München und gehen - je nach Kooperationspartner - nach dem zweiten oder dritten Studienjahr für zwei Jahre nach Frankreich. Danach kommen sie wieder zurück nach München, um das Studium zu beenden.

Ein Spaziergang ist das nicht, wie Christoph Steber betont:

"Für eine Doppeldiplomierung muss auch mehr geleistet werden. Aber dafür bekommt man auch zwei Diplome renommierter europäischer Institute."

Das Studium verlängert sich um ein Jahr, und es werden 60 Credits mehr verlangt. Wer also das anspruchsvolle Programm meistert, hat sowohl das deutsche Diplom bzw. den Master of Science, als auch den französischen Abschluss der Partnerhochschule in der Tasche. Die Berufsaussichten sind dementsprechend positiv, erinnert sich Steber:

"Einer der ersten Absolventen des Programms hat nach seinem Abschluss direkt eine Joghurtfabrik in Russland aufgebaut."

Nicht nur in diesem Fall habe sich das TIME-Programm als internationaler Türöffner bewährt.

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