Tipps für berufsbedingte Grenzgänger - Wohnen in Deutschland und arbeiten in Frankreich?

Grenzgänger in Deutschland und FrankreichHeute ist es keine Seltenheit mehr, dass in Deutschland wohnhafte Arbeitnehmer ihren Beruf in Frankreich ausüben und täglich vom einem Land ins andere und wieder zurück pendeln. Wer sich für eine Karriere im schönen Nachbarland interessiert, sollte sich im Vorfeld jedoch mit den gesetzlichen Regelungen auseinandersetzen. Denn sozialrechtlich, jedoch nicht steuerrechtlich, unterliegt ein Grenzgänger den Vorgaben seines Beschäftigungslandes. Dies gilt für Franzosen, die in Deutschland arbeiten genauso, wie für Deutsche, die ihren Beruf in Frankreich ausüben. Die wichtigsten Fragen und Antworten sowie weitere wertvolle Tipps sind in folgendem Artikel zusammengestellt.

Wie verhält es sich mit der Krankenversicherung?

Krankenversicherung in Frankreich

Sind bestimmte Voraussetzungen erfüllt, auf die im Folgenden noch eingegangen wird, haben Grenzgänger grundsätzlich die Wahl, ob sie im Krankheitsfall in Deutschland oder in Frankreich behandelt werden möchten. Familienangehörige haben das Recht auf die Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen in ihrem Wohnort. Wer einer unselbstständigen Tätigkeit ausschließlich in Frankreich nachgeht, muss von seinem Arbeitgeber bei der URSSAF (Beitragseinzugsstelle des allgemeinen Sozialversicherungssystems) angemeldet werden. Die Registrierung bei einer französischen CPAM-Ortskrankenkasse muss der Arbeitnehmer jedoch eigenständig vornehmen. Ebenfalls die Pflicht des Arbeitnehmers ist es, sich beim entsprechenden Träger im Wohnort zu melden, um Anspruch auf medizinische Leistungen für die Familienangehörigen in Deutschland zu erhalten.

Gibt es in Frankreich eine Pflegeversicherung?

Bisher muss dies verneint werden. Es wird aktuell jedoch darüber verhandelt, ob die Pflegeversicherung auch in Frankreich eingeführt werden sollte. Die französische Krankenversicherung deckt allerdings Arbeitsunfälle sowie Berufskrankheiten ab. Als Arbeitsunfall wird jeder Unfall angesehen, der sich während der Ausübung des Berufs oder aufgrund der beruflichen Tätigkeit ereignet. Darunter zählen auch Wegeunfälle, also Unfälle, die sich auf dem Weg zur oder von der Arbeit ereignen.

Wie gestaltet sich die anwendbare Gesetzgebung in Bezug auf die Arbeitslosenversicherung?

Es muss diesbezüglichen zwischen zwei Arten der Arbeitslosigkeit unterscheiden werden, nämlich:

Die Vollarbeitslosigkeit
Die Teilarbeitslosigkeit
Ist der Arbeitsvertrag definitiv beendet, gilt eine Person als vollarbeitslos. In diesem Fall können Leistungen der Arbeitslosenversicherung in Deutschland in Anspruch genommen werden.
Wer infolge einer Einschränkung oder Einstellung der Tätigkeit des Betriebs (z.B. längere Arbeitsunterbrechung aufgrund der Witterungsverhältnisse) nicht mehr arbeitet, jedoch weiterhin über einen gültigen Arbeitsvertrag verfügt,kann Leistungen des zuständigen Träger in Frankreich in Anspruch nehmen.

Welche Familienleistungen können Arbeitnehmer in Anspruch nehmen?

Wer in Frankreich beschäftigt ist, hat Anspruch auf französische Familienleistungen. Dies gilt allerdings nur dann, wenn sich diese Leistungen exportieren lassen. Dies bedeutet, dass die Leistungen von einer Person in Anspruch genommen werden, die ihren Wohnsitz nicht in Frankreich hat. Sind die Leistungen in Frankreich jedoch geringer als in Deutschland, besteht das Recht auf die Auszahlung einer Ausgleichzulage durch den zuständigen Träger in Deutschland. Es gibt jedoch auch nicht-exportierbare Leistungen. Leistungen, auf die Personen, die in Frankreich arbeiten und in Deutschland wohnen, keinen Anspruch haben, sind:

  • Prämien zur Geburt oder Adoption eines Kindes
  • Soziale Mindestsicherung
  • Wohngeld
  • Beihilfe für erwachsene Behinderte
  • Einforderbare Familienunterstützung

Was gilt es bei der Rentenversicherung zu beachten?

In Bezug auf die Rentenversicherung muss unterschieden werden, ob jemand seine komplette Berufslaufbahn in Frankreich gearbeitet hat oder ob jemand nur zweitweise in Frankreich berufstätig war.

  • Wer sein gesamtes Berufsleben in Frankreich gearbeitet hat, hat Anspruch auf die Altersrente nach französischem Recht.
  • Wer mindestens ein Quartal lang in Frankreich sozialversicherungspflichtig angestellt war, hat in Frankreich, sofern die Gewährungsbedingungen erfüllt sind, einen Rentenanspruch. Detaillierter Informationen diesbezüglich sind im „Ratgeber für Grenzgänger aus Deutschland und Frankreich" der Arbeitskammer des Saarlandes ab Seite 99 nachzulesen.

Wie ist die gesetzliche Arbeitszeit in Frankreich?

In Frankreich gilt eine gesetzliche Arbeitszeit von 35 Stunden pro Woche. Das Leisten von Überstunden ist jedoch grundsätzlich möglich. Als Überstunden sind alle Arbeitsstunden zu verstehen, die die gesetzliche Wochenarbeitszeit von 35 Stunden überschreiten und nach Aufforderung oder Genehmigung des Arbeitgebers geleistet werden.

Besteht Anspruch auf bezahlten Urlaub?

Zweieinhalb Arbeitstage pro Monat - das ist der Mindesturlaub, der französischen Arbeitnehmern zusteht. Zudem haben Arbeitnehmer in Frankreich unter gewissen Umständen das Recht auf weitere Urlaubtage, nämlich:

  • Vier Urlaubstage bei einer Trauung auf dem Standesamt oder in der Kirche

Anspruch auf bezahlten Urlaub in Frankreich

  • Drei Tage Urlaub bei jeder Geburt oder Aufnahme eines Kindes zwecks Adoption
  • Zwei Tage Urlaub im Falle des Todes des Ehegatten
  • Einen Tag Urlaub, wenn das eigene Kind heiratet
  • Einen Tag Urlaub, im Falle des Todes eines Elternteils, eines Schwiegerelternteils sowie eines Bruders oder einer Schwester

Wie lautet die Definition eines Grenzgängers in Bezug auf das Steuerrecht?

Damit jemand steuerrechtlich als Grenzgänger gilt, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Arbeitnehmer wohnt im Grenzgebiet des einen Staates und arbeitet im Grenzgebiet des anderen Staates. Im Falle von Frankreich und Deutschland ist dafür ein 20 Kilometer breiter Streifen beiderseits der Grenze definiert.
  • Der Arbeitnehmer kehrt jeden Tag an seinen Wohnsitz in Deutschland zurück.
  • Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, die Freistellung von der französischen Lohnsteuer beim Wohnsitzfinanzamt in Deutschland zu beantragen und die Freistellungsbescheinigung, die er daraufhin erhält, seinem französischen Arbeitgeber vorzulegen.

Weitere Tipps für deutsch-französische Grenzgänger

Grenzgänger sind per Definition Pendler zwischen zwei Ländern. Die meisten Grenzgänger pendeln mithilfe ihres Pkw von Deutschland nach Frankreich und wieder zurück. Wer kann, sollte aus Kostengründen und der Umwelt zuliebe natürlich den Zug nehmen oder sich mit Kollegen zu einer Fahrgemeinschaft zusammenschließen. Wer den täglichen Arbeitsweg jedoch im eigenen Pkw zurücklegt und den Grenzgänger Status innehat, kann bei seiner nächsten Steuererklärung beim deutschen Finanzamt (bei anerkannten Grenzgängern ist das Finanzamt des Wohnortes, also Deutschland, zuständig) die gefahrenen Kilometer steuerlich geltend machen. Neben den Benzinkosten macht einen Großteil der Ausgaben vor allem die Kfz-Steuer aus, denn im Jahr 2009 wurde diese seit 60 Jahren unveränderte Steuer erstmals reformiert. Vor allem der CO2-Ausstoß des Pkw spielt seitdem eine Rolle bei der Festlegung der zu zahlenden Kfz-Steuer. Wer also viel pendelt, sollte sich gewissenhaft mit diesem Thema auseinandersetzen. Genauere Informationen sowie ein Rechner zur Kfz-Steuer finden sich unter http://themen.autoscout24.de/auto/kfz-steuer.

Wer im deutsch-französischen Grenzgebiet lebt und gerne in Frankreich arbeiten möchte, muss sich im Vorfeld um zahlreiche Formalitäten kümmern. Nützliche Adressen, die bei sozial- und steuerrechtlichen Fragen weiterhelfen können, finden sich ebenfalls in dem weiter oben im Text bereits genannten Ratgeber der saarländischen Arbeitskammer.