Arbeitszeit in Frankreich: Die 35-Stunden-Woche

Arbeitszeit in FrankreichSeit dem Jahr 2000 beträgt die Arbeitszeit in Frankreich 35 Stunden pro Woche. Diese Regelung sowie die entsprechende Gesetzgebung scheint zunächst allgemeingültig zu sein, auf dem zweiten Blick ist diese allerdings äußerst umstritten.

Die 35-Stunden-Woche in Frankreich

Die 35-Stunden-Woche wurde von einer linksorientierten Regierung eingeführt, welche kurze Zeit nach dessen Einführung vom bürgerlichen Lager abgelöst wurde. Seither wurden die Arbeitszeitgesetze permanent abgeändert, so dass die 35-Stunden-Woche immer wieder zur Debatte steht. Insbesondere für Angestellte sind wirkliche Auswirkungen der 35-Stunden-Woche minimal.

Für alle Arbeitnehmer gilt in der Theorie die 35-Stunden-Woche. Arbeitnehmer mit „besonderen Arbeitsbedingungen" wie beispielsweise Vertriebsmitarbeiter, leitende Angestellte und Hausmeister sind von dieser Regelung ausgenommen. Dies bedeutet, dass vor allem den Arbeitern und Angestellten die 35-Stunden-Woche zu Gute kommt.

Die 35-Stunden-Woche ist dennoch nicht mit der Maximal-Arbeitszeit gleichzusetzen: Sie dient lediglich als Referenz zur Berechnung von Überstunden, welche gesondert vergütet werden müssen, weswegen viele Unternehmen eigene Arbeitszeit- oder Teilzeitmodelle eingeführt haben und wiederum andere sich eher an tariflichen Vereinbarungen orientieren.

Es wurde festgelegt, dass ein Arbeitnehmer maximal 10 Stunden täglich, bzw. 48 Stunden wöchentlich arbeiten darf, bzw. dass der Wochendurchschnitt in einem Zeitraum von 12 Wochen 44 Stunden nicht überschreiten darf. Im Jahr darf jeder Arbeitnehmer maximal 180 Überstunden machen.

Übestundenzuschlag und Anspruch auf Urlaubsgeld in Frankreich

Sofern keine gesonderten Abkommen in tariflichen Verträgen oder Betriebsverordnungen vorliegen, gelten für die Entlohnung von Überstunden in der Regel die folgenden Bestimmungen: 25 % Zuschlag erhält man für die 36. bis 43. Stunde, ab der 44. Stunde gibt es 50 % Zuschlag. In keinem Fall darf der Überstundenzuschlag unter 10 % liegen.

Es besteht auch die Möglichkeit, den Überstundenzuschlag ganz oder teilweise durch einen sogenannten Freizeitausgleich (repos compensateur de remplacement) zu ersetzen, sofern dieser im Tarifvertrag (convention/ accord collectif) nach Genehmigung durch den Betriebsrat (comité d'entreprise/ délégués du personnel) festgelegt worden ist. Jeder Arbeitnehmer hat ein Anrecht auf einen jährlichen Mindesturlaub von 2,5 Urlaubstagen pro Monat.

Die Arbeitswoche beginnt in der Regel am Montag und endet am Freitag, allerdings hängen die Arbeitszeiten unter anderem vom Unternehmen, der Branche, der Firmenkultur und -größe sowie der Region ab. In den meisten Fällen beginnt der Arbeitstag um 8 Uhr 30 und endet um 17 Uhr 30. Für die Mittagspause wird prinzipiell eine Stunde eingeplant, es zeigt sich aber mittlerweile, dass Unternehmen für diese immer weniger Zeit zur Verfügung stellen, so dass Ihre Mitarbeiter eher Feierabend machen können.

Französische Arbeitszeiten können flexibel eingeteilt werden

Seit der Einführung der 35-Stunden-Woche sind zudem viele Unternehmen bei der Gestaltung der Arbeitszeiten flexibler geworden. Einige haben einen 8-stündigen Arbeitstag mit freiem Mittwoch- bzw. Freitagnachmittag eingeführt, andere schreiben eine Arbeitszeit von 10 bis 16 Uhr vor und überlassen die Aufteilung der Restarbeitszeit ihren Angestellten. Weitaus flexibler zeigen sich Manager-Posten: So beginnen viele Manager ihren Arbeitstag erst gegen 10 Uhr, um diesen gegen 20 Uhr oder später zu beenden. Führungskräfte (cadres dirigeants) sind zudem von den Regelungen der 35-Stunden-Woche ausgeschlossen.

Mehr Informationen über die 35-Stunden-Woche sowie Sonderfällen der Arbeitszeiten (Teilzeit, Nachtarbeit, Überstunden) in Frankreich finden Sie unter: juritravail.com