Ingenieurinnen in Frankreich mit besseren Perspektiven

Ingenieurinnen in Frankreich mit besseren PerspektivenInsgesamt ist in den letzten Jahrzehnten die Erwerbstätigkeit von Frauen in Deutschland und Frankreich merklich angestiegen, einzig in der Art der Beschäftigung gibt es große Unterschiede: Während in Frankreich Frauen mit Kleinkindern ganz selbstverständlich in Vollzeit arbeiten, sind Mütter in Deutschland zu großen Teilen in Teilzeit-Beschäftigungen oder haben geringfügige Beschäftigungsverhältnisse. Besonders für Ingenieurinnen sind die Bedingungen in Frankreich für eine Karriere in der Industrie - auch als Mutter - hervorragend.

Der Anteil an Frauen in technischen Berufen in der Industrie liegt bei 15%. Unter deutschen Ingenieuren ist nur jede Zehnte eine Frau. Im Sektor der Maschinenbauer und Elektroingenieure sind nur knapp 5% weiblich, sagt Bernhard Höhn von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn. Die Zahl der Absolventen ist allerdings mit 20% höher.

Zwar gibt es in Frankreich, laut dem Verein Elles bougent durchaus die Bereitschaft in diesem Bereich die Zusammensetzung von Teams "weiblicher" zu gestalten, allerdings sind potentielle Bewerberinnen nach wie vor nur schwer zu bewegen, sich auf diese Stellen zu bewerben. Der Grund: Angst vor Diskriminierung und davor, nicht in der Lage zu sein, Familienleben und Beruf zu unter einen Hut zu bekommen. Das wollte Elles bougent  genauer wissen und hat eine Umfrage zu diesem Thema gemacht. 361 Frauen - Mitglieder des Vereins - wurden dabei zu ihrer beruflichen Situation befragt.

Das erste widerlegte Klischee: Mütter verzichten

Von den befragten Frauen sind 55% Mütter und nur 14% unter ihnen arbeiten in Teilzeit. "Die Frauen zeigen, dass für sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kein Problem ist und, dass sie wahre Organisationstalente sind. Man kann beobachten, dass die Industrie, die ja auf weibliche Profile angewiesen ist, Frauen durchaus sehr gute berufliche Möglichkeiten bietet, inklusive Berufsperspektiven im Ausland und hohen Gehältern", stellt Marie-Sophie Pawlak, Präsidentin des Vereins, fest. 56% der befragten Frauen sind Führungskräfte, 30% sind Teamleiterinnen und 7% haben eine Position im Management. Das durchschnittliche Jahreseinkommen beträgt 55 000 Euro brutto.

Das zweite Klischee: Eine Frau zu sein schadet der Karriere

Das zweite Klischee: Berufstätigkeit führt bei Frauen zu Frust. 95 Prozent der befragten Frauen zeigten sich zwar sich zufrieden mit ihrer Karriere, allerdings glaubten auch viele von ihnen, dass der Umstand, Frau zu sein, ihre Karriere bremsen könnte. 62 Prozent der weiblichen Ingenieure zwischen 31 und 65 Jahren gaben an, mindestens einmal in ihrer beruflichen Laufbahn aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert worden zu sein. Entsprechend sehen sie ihren jeweiligen Arbeitsplatz - das Unternehmen, in dem sie arbeiten- mit einer Mischung aus Vertrauen und Argwohn an. 46 Prozent der befragten Frauen glauben nicht, dass ihr Unternehmen Frauen auf Posten in der Führungsebene befördern würde. Befragt man sie andererseits zu ihrer ganz persönlichen Arbeitssituation, dann sind 76 Prozent der Ansicht, dass es für sie durchaus berufliche Entwicklungsmöglichkeiten gibt, die sie ergreifen können.

Mehr zum Thema Frauen auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland und Frankreich: Warum es Französinnen besser gelingt, Familie und Beruf zu vereinbaren

Guide du commentaire

blog comments powered by Disqus