Deezer: Ein französisches Unternehmen erobert den deutschen Markt

PB Deezer in DeutschlandKostenlos Musik im Internet hören - das Streamingportal Deezer ist in Frankreich seit 2006 erfolgreich. Im Dezember startete es auf dem deutschen Markt. TEXT: FABIEN RECKER


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Seit Dezember steht deutschen Musikfans ein weiterer Streaming-Anbieter zur Wahl. Der französische Branchenführer Deezer etabliert sich im Wachstumsmarkt Deutschland. Das Unternehmen, 2006 vom Autodidakten Daniel Marhely gegründet, gilt als Pionier im Streaming-Geschäft. Der damals 23-Jährige ahnte den kommenden Trend: bei der Nutzung digitaler Inhalte zählt nicht mehr ihr Besitz, sondern der Zugang dazu. Streamingportale wie  Deezer, Simfy oder Spotify sind der Inbegriff dieses Wandels. Sie ermöglichen die barrierefreie Vernetzung von Repertoires und Hardwaregeräten, für ihre Nutzer gehört das mühsame Downloaden und Speichern von Musik der Vergangenheit an. Dank Flatrate-Angeboten, gekoppelt an Offline-Nutzungsmöglichkeiten auf Mobiltelefonen, bietet  Deezer unmittelbaren Zugriff auf 13 Millionen Titel - legal, jederzeit und überall.

Der umfassende Musik-Service beruht auf Lizenzverträgen, die mit den Plattenfirmen und Verwertungsgesellschaften abgeschlossen wurden. Auf der internationalen Musikfachmesse MIDEM in Cannes gab nun die GEMA bekannt, Deezer die Lizenz für Deutschland erteilt zu haben. Damit ist Deezer in der Lage, ein kostenloses, über Werbeeinnahmen finanziertes Einstiegsangebot aufzustellen. Grünes Licht also, „um den deutschen Markt zu stimulieren", so Axel Dauchez, seit 2011 Geschäftsführer des Musikportals. Anders als in Frankreich startet Deezer in Deutschland ohne lokalen Telekom-Partner. Statt mit Internet- oder Mobiltelefon-Pauschalen vermarktet zu werden, nutzt Deezer seine mit Facebook eingegangene Partnerschaft. Als erstes Streamingportal ist es bei Facebook voll integriert und verspricht sich von dieser Kooperation erheblichen Kundenzuwachs. Hohe Wachstumsraten, steigende Einnahmen: eröffnet dieser neue digitale Distributionskanal auch neue Chancen für die Plattenindustrie?

Als Gegenleistung für die Lizenzerteilung verlangen die Musik-Majors hohe Vorauszahlungen von den Streaming-Diensten. Das führt dazu, dass „Deezer sich mit dem Geld der Investoren die Lizenz bezahlt, aber kein Geld in die Musik investiert", bemerkt Yves Riesel, Leiter des Musikportals Qobuz.com. Ein Modell, in dem sich niemand um qualitative Inhalte kümmert, findet er kurzsichtig und besorgniserregend. Gerade unabhängige Labels sehen sich als Verlierer des privaten Flatrate-Modells, das legale Downloads ausschlachtet und die Einnahmequellen der Unabhängigen zum Versiegen bringt. Deezer hingegen verweist darauf, „2011 allein in Frankreich 30 Millionen Euro an die Künstler und Produzenten ausgezahlt" zu haben. „Wir sorgen wieder für Wachstum im Geschäft", freut sich Dauchez. Deutschland ist nur ein Meilenstein. Noch im Laufe diesen Jahres wird Deezer in Lateinamerika, Südostasien und Teilen Afrikas an den Start gehen.

TEXT: FABIEN RECKER

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