Auf der Suche nach Jobs in Frankreich: die ersten Schritte, um ein französisches Stellenangebot zu verstehen

Ein französisches Stellenangebot verstehen

Um in Frankreich bei der Jobsuche erfolgreich zu sein, sollte man wissen, wie französische Stellenanzeigen zu lesen sind. Wer nicht aufmerksam liest, riskiert es Zeit zu verlieren und auf falsche Fährten zu geraten.

Wie entschlüssele ich französische Stellenanzeigen?

Schlüsselbegriffe erkennen

Jedes Unternehmen benutzt ein spezifisches Vokabular, um die jeweiligen Jobs und Branchen zu beschreiben. Am besten unterstreicht man die Schlüsselbegriffe in der Stellenbeschreibung und vergleicht diese mit dem eigenen Profil. Diese Analyse wird dabei helfen, herauszufinden, auf welche Aspekte die Personalverantwortlichen besonderen Wert legen und inwieweit das eigene Profil auf die Stellenausschreibung passt. Nach diesen Vorbereitungen kann man dann das Motivationsschreiben dementsprechend gestalten. Aber verlieren Sie nicht gleich den Mut, wenn Sie nicht alle geforderten Fähigkeiten und Eigenschaften aufweisen. Die Personalchefs (DRH - Directeur des Ressources Humaines) wissen sehr wohl, dass es nie den absolut perfekten Kandidaten geben wird und stecken daher ihre Anforderungen bewusst hoch. Hauptsache ist, dass Sie ein Minimum der geforderten Kriterien erfüllen, dass Sie motiviert sind für diesen Arbeitsplatz und dass Sie sich sicher sind, überzeugen zu können - dann lohnt sich die Mühe auf jeden Fall.

Zwischen den Zeilen lesen

Die meisten französischen Stellenanzeigen sind in einer Art „Geheimsprache" verfasst. Die begrenzte Länge einer Stellenbeschreibung erlaubt es den Unternehmen nicht, alle wichtigen Details zu erwähnen. Daher ist es wichtig, dass die Bewerber selbst aktiv werden und sich über das Unternehmen und den Job informieren (nie war das so einfach, wie im heutigen Internetzeitalter). Außerdem ist es wichtig die Wortwahl in der Stellenbeschreibung genau zu beachten. Begriffe wie „impératif" (zwingend), „exigé" (gefordert) oder „indispensable" (unabdingbar, unbedingt erforderlich) sind verbindlich. Im Gegensatz dazu lassen Formulierungen wie „serait un atout" (wäre ein Vorteil) oder „souhaité" (erwünscht) mehr Spielraum.  Handelt es sich um Anzeigen, die gespickt sind mit technischen Begriffen, so soll das schon von vorne herein diejenigen „abschrecken", die mit dieser Fachsprache nicht vertraut sind. Die Unternehmen machen meistens auch  Angaben zu persönlichen Eigenschaften, die die Bewerber aufweisen sollten. Wenn der zukünftige Mitarbeiter laut Anzeige „dynamique" (dynamisch) und „minutieux" (gewissenhaft, gründlich, sorgfältig) sein soll oder „esprit d'équipe" (Teamgeist) aufweisen soll, sollte man diese Charakteristiken im Bewerbungsschreiben aufgreifen, allerdings ohne den genauen Wortlaut der Ausschreibung zu kopieren. Wie in allen anderen Bereichen ist es auch hier wichtig, konkrete Angaben zu machen.

Hier die Bedeutung der häufigsten Formulierungen  in französischen Stellenanzeigen

  • Position im Hierarchie-Gefüge: „dépendant directement, rattaché à, sous la direction de..." (direkt unterstellt, angegliedert, unter der Leitung von...). Diese Angaben zeigen Ihnen den Handlungsspielraum, den die Stelle aufweist.
  • Ihre Rolle: „vous êtes le garant, vous intervenez comme, en tant que... » (Sie sind der Zuständige/ verantwortlich für, Sie werden wirken als...). Diese Beschreibungen zeigen Ihnen das Maß an Wichtigkeit und Verantwortung, die Sie mit diesem Job übernehmen.
  • Arbeitsrhythmus: „ce poste très complet, votre grande disponibilité, vous avez une bonne résistance au stress... ". (diese sehr komplexe Arbeitsstelle, Ihre hohe Einsatzbereitschaft, Sie können gut mit Stresssituationen umgehen...). Diese Angaben sprechen für sich.
  • Ausbildung: Die Anforderungen reichen von „issu d'une formation" (nach erfolgreicher Ausbildung) über „votre personnalité sera privilégiée par rapport à vos diplômes" (Ihre Persönlichkeit ist wichtiger als Ihre Zeugnisse) bis hin zu „idéalement" (idealerweise...). Die zwingend erforderlichen Merkmale sind fett markiert.
  • Persönlichkeit: „Vous avez le sens des responsabilités, êtes très à l'aise dans les contacts, de nature rigoureuse... " (Sie können Verantwortung übernehmen, Sie sind sicher im Umgang mit Menschen, Sie haben Durchsetzungsvermögen). Die geforderten persönlichen Eigenschaften werden meist explizit erwähnt.
  • Geforderte Berufserfahrung:
  1. De 1 à 2 ans (1-2 Jahre): ein junger Absolvent mit einschlägigem Praktikum
  2. De 2 à 5 ans (2-5 Jahre): Ausbildung und Berufserfahrung sind gleichgewichtig. Der Lebenslauf wird nach Einsehen der bisher errungenen Kompetenzen bewertet.
  3. + 5 ans (mehr als 5 Jahre): Die Berufserfahrung und das Fachwissen dominieren, ebenso wie Führungsqualitäten.

Eine aussagekräftige und nachweisliche Berufserfahrung kann unter Umständen eine niedrigere Qualifikation als die für die Stelle geforderte ausgleichen.

Weitere gängige Abkürzungen in französischen Stellenausschreibungen

Wenn man zum ersten Mal eine französische Stellenanzeige liest, kann einem schon schwindelig werden, bei all den Abkürzungen, Buchstabenkombinationen und Fachbegriffen. Hat man aber einmal den „Code" verstanden, ist alles nur noch halb so schlimm.

Fangen wir mit der Überschrift an: dort liest man oft „H/F", was dem deutschen „m/w" entspricht, und lediglich aussagt, dass sowohl Männer (hommes) als auch Frauen (femmes) sich auf diese Stellen bewerben können. Anstelle des Abschlusses nennt man in Frankreich eher die Anzahl der Studienjahre nach dem Abitur: Eine Angabe wie „Bac+2/ +3/ +4" (usw.) bedeutet also, dass Bewerber erwünscht sind, die nach dem Abitur (auf Französisch „baccalauréat, kurz Bac) 2, 3, 4 (usw.) Jahre studiert haben. Dabei steht Bac+2 oder +3 für einen Bachelor oder ein Vordiplom und Bac + 4, +5 für einen Master, einen Magister oder ein Diplom.  Hinter der Abkürzung JD (jeune diplomé/e) verbirgt sich ein Hochschulabsolvent, mit BTP (bâtiment et travaux publiques) werden Stellen im Hoch- und Tiefbau ausgeschrieben und die Abkürzung IDF steht für die Ile de France, die Region rund um Paris. Oft wird der Umsatz eines Unternehmens (chiffre d'affaires, kurz CA) zur besseren Einordnung angegeben. Zum Teil findet man außerdem das Kürzel MT (marge totale), der die gesamte Pufferzeit im Projektmanagement angibt.

Auch die verschiedenen Arten eines Arbeitsvertrages werden mit Abkürzungen wiedergegeben: Man unterscheidet zwischen einem CDD (contrat à durée déterminée), also einem befristeten Vertrag, einem CDI (contrat à durée indéterminée), eine unbefristete Anstellung und, seit 2005,  einem sogenannten CNE (contrat de nouvelles embauches), einer Sonderform des CDI, der den kleineren Unternehmen in einer zweijährigen Übergangsphase einen lockereren Kündigungsschutz einräumt.

Bei der Angabe der geforderten Bewerbungsunterlagen finden Sie oft die Abkürzungen CV für den Lebenslauf (curriculum vitae), LM für das Anschreiben (lettre de motivation) und rem. für die  Gehaltsvorstellungen (rémuneration, z.T. auch prétentions), sofern das Gehalt nicht erst ausgehandelt werden muss (salaire à négocier). Bezüglich des Gehaltes gibt es auch die folgende Angabe: 25/30 KE (Kilo Euro=Euro in Tausend), d.h. ein Jahreseinkommen von 25.000 bis 30.000 €. Ist eine Referenznummer (s/ref=sous référence) in der Stellenanzeige vermerkt, sollten Sie diese in Ihrer Bewerbung ebenfalls erwähnen.

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