Wie benimmt man sich, wenn man geschäftlich in Frankreich ist?

Geschäftlich in FrankreichFranzosen und Deutschen wird häufig ein unterschiedlicher Charakter zugeschrieben. Es liegt an jeder Person selbst, wie sie auf die zweifellos vorhandenen Unterschiede reagiert. Jemand, der in die Vergangenheit zurückblickt, könnte vielerlei verschüttete Ressentiments wiederbeleben und auf die historischen Probleme verweisen. Doch es gibt genügend Deutsche, die in die Zukunft blicken.

Könnten nicht deutsche Gründlichkeit und französische Kreativität eine perfekte Symbiose eingehen - und sich in einer länderübergreifenden und europäischen Zusammenarbeit positiv für ein Unternehmen auswirken?
Wer gute Geschäftsbeziehungen zu unserem westlichen Nachbarland knüpfen will, sollte jedoch die typisch gallischen Fettnäpfchen tunlichst meiden (dazu ein illustrierter Reise-Knigge der Süddeutschen Zeitung). So gelingt die Zusammenarbeit wesentlich leichter und mündet vielleicht sogar in deutsch-französischen Freundschaften.

Gesellschaft und Wirtschaft in Frankreich aus deutscher Sicht

Frankreich besitzt eine stark gegliederte, klassenorientierte Gesellschaft. Nicht nur die Oberschicht, sondern beispielsweise auch Intellektuelle oder Künstler bleiben gerne unter sich. Die herrschende Klasse besteht aus alteingesessenen Großgrundbesitzern und Akademikern von Elite-Schulen und -Universitäten, die schon von der Pike an gelernt haben, dass sie zu den Besten gehören. Das führt zum Einzelkämpfertum, das Arbeiten im Team ist nicht ausgeprägt. Unternehmen werden meist autoritär geführt und besitzen eine hierarchische Ordnung.

Merkmale des Landes kennenlernen

Stolz sind die Franzosen auf ihre abwechslungsreiche Landschaft, ihre Kolonien, ihre Sprache und Kultur. Wer darüber Bescheid weiß und noch leidlich Französisch spricht, der hat Pluspunkte beim Gastgeber gesammelt. Wer vor einem längeren Aufenthalt oder einer Geschäftsreise Land und Leute kennenlernen will, kann bei renommierten Reiseunternehmern wie dem Rundreisen-Team Touren in verschiedenen Regionen buchen. Wer das Land vorab privat erkundet, der kann mit weniger Druck und daher erfolgreicher in geschäftliche Verhandlungen treten. Auch andere Eigenheiten wie den signalintensiven Autoverkehr oder den Kampf mit den Behörden kann man da stressfrei testen.

Bussi, Bussi!

Bei der Jugend auch hierzulande in Mode, ist das Küssen zu Begrüßung und Abschied in Frankreich eine Wissenschaft für sich. Etwas ungewöhnlich mutet uns Germanen an, dass sich auch Männer zur Begrüßung küssen, vorzugsweise allerdings junge, verwandte oder befreundete.
Generell wird davor die Hand zur Begrüßung gedrückt, nicht geschüttelt. Bei offiziellen Anlässen wird der Wangenkuss häufig nur angedeutet oder gehaucht. Wie sind die „Bise"-Modalitäten sonst?

  • Pariser Becken, Centre, Pays de la Loire, Champagne: zwei bis vier Küsschen, beginnend mit der rechten Wange
  • Ost-Frankreich, Provence (teilweise): zwei Küsse, beginnend links
  • Brest/ Poitou: ein Küsschen
  • Drôme, Hérault, Gard, Vaucluse, Arles und Hautes-Alpes: drei Küsse

Begrüßung

Neben den Küssen wird bei der Begrüßung von Deutschen, wie überall auf der Welt, Pünktlichkeit erwartet. Franzosen halten sich jedoch nicht immer daran. Die Anrede „Bonjour" wirkt ohne ergänzendes „Madame" oder „Monsieur" brüsk. „Salut!" ist eine umgangssprachliche Wendung, die lediglich privat verwendet werden sollte. 

Bei privaten Einladungen sollte man eine Kleinigkeit mitbringen, beispielsweise Pralinen. Es ist üblich, Blumen als Präsent so abzusenden, dass sie am Morgen der Einladung eintreffen. Außerdem sollte man nie Chrysanthemen schenken.

Das Geschäftsgespräch

Wer plant, sich länger geschäftlich in Frankreich aufzuhalten, sollte die Sprache lernen. Generell wird nicht erwartet, die Sprache perfekt zu sprechen. Viel wichtiger ist es, Höflichkeit zu zeigen. Wendungen wie

  • Merci (Danke)
  • S'il Vous Plait (Bitte)
  • Excusez-Moi (Entschuldigung)
  • Pardon (Verzeihung)

sollten lieber zu häufig als zu selten verwendet werden.

Die Geste, bei der in Deutschland Zeigefinger und Daumen einen Kreis formen und die „Gut!" bedeutet, hat in Frankreich abfällige Bedeutung. Aufgrund der gesellschaftlichen Struktur und der autoritären Unternehmensführung wird Kritik gerade von Ausländern nicht gerne gesehen. Man sollte sie also allenfalls andeuten. Auch die Anrede mit korrekten Titeln ist den Franzosen wichtig.

Es ist in Geschäftsgesprächen nicht üblich, auf Effizienz zu pochen. Es geht auch darum, die anderen Personen kennenzulernen und ein funktionierendes Netzwerk und gute Beziehungen präsentieren zu können. Zudem ist die Wahrung der Privatsphäre den Franzosen äußerst wichtig.

Kleidung

Im Allgemeinen legen die Franzosen bei jeder Gelegenheit etwas mehr Wert auf die Kleidung als die Deutschen. Geschäftsgarderobe ist deshalb dunkel und formal. Nach Büroschluss darf es etwas legerer sein, in der Freizeit sportlich, aber immer elegant.

Abschlussbemerkung

Wer weitere Tipps, beispielsweise zum Verhalten beim Geschäftsessen sucht, wird hier fündig. Insgesamt gilt bei einer (Geschäfts-)Reise ins Ausland, nicht nur nach Frankreich: Es ist weder vernünftig, sich kriecherisch den Sitten des Nachbarlandes anzupassen und die eigenen zu verleugnen noch die kulturellen Gegebenheiten des westlichen Anrainers komplett zu ignorieren. Wer sich in der Heimat zu benehmen weiß, der wird auch mit Respekt und Höflichkeit, aber ohne Anbiederung im Ausland eine gute Figur abgeben.