Die Energievermittlerin: Mélanie Persem, Geschäftsführerin des deutsch-französischen Büros für erneuerbare Energien

Deutsch-französisches Büros für erneuerbare EnergienMélanie Persem, Geschäftsführerin des Deutsch-französischen Büros für erneuerbare Energien, muss auf schwierigem Terrain für Synergien sorgen. Ihr Ziel ist es, die Energiewende in beiden Ländern umzusetzen. TEXT: SANDRA CALVEZ


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"Es gab auf beiden Seiten immer wieder Befürchtungen, dass ein Land mehr von der Zusammenarbeit profitieren könnte als das andere", erklärt Mélanie Persem und ist damit schon mitten in ihrem Arbeitsalltag. Als Geschäftsführerin des Deutsch-französischen Büros für erneuerbare Energien schlägt die 29-jährige Französin täglich neue Brücken. "Bei unserer Arbeit gibt es zwei Hauptziele: zum einen die Vernetzung der Akteure aus beiden Ländern, die im Bereich der Energiewende tätig sind, zum anderen die Gewährleistung des Informations- und Erfahrungsaustausche", berichtet Persem in fast akzentfreiem Deutsch. Das Büro, das als Verein organisiert ist, zählt zu seinen rund 150 Mitgliedern unter anderem Ministerien, Unternehmen und Verbände. Die Beratung von Unternehmen gehört ebenso zu seinen Aufgaben wie die Übersetzung von Gesetzestexten und Dokumenten und die Organisation von Fachkonferenzen.

Die Energiewende vorantreiben

Finanziert wird das Deutsch-französische Büro für erneuerbare Energien zur Hälfte von den Unternehmen und zu je einem Viertel vom französischen Umweltministerium und dem deutschen Wirtschaftsministerium. Das war jedoch nicht immer so: "Als wir angefangen haben, hatten wir nur eine Finanzierung aus Deutschland", erinnert sich Persem. Die gebürtige Bretonin war dabei, als das Projekt 2006 vom deutschen Umweltminister Jürgen Trittin und dem französischen Industrieminister Patrick Devedjian gegründet wurde. Persem hatte damals gerade ihr Diplom in Jura und Politikwissenschaft in der Tasche und bewarb sich für ein Praktikum im deutschen Umweltministerium, wo sie schon während ihres Auslandsjahres in Potsdam als studentische Hilfskraft gearbeitet hatte. Das angestrebte Praktikum bekam sie nicht, stattdessen erhielt sie ein Angebot im Bereich der Zusammenarbeit mit Frankreich.

So kam sie zur Vorgängerorganisation des heutigen Büros, der Koordinierungsstelle Windenergie. Zunächst mit 1,5 Stellen ausgestattet, wurde die Struktur nach und nach vergrößert auf heute neun Mitarbeiter. Auch das französische Engagement wurde verstärkt: "Es waren zwar von Anfang an Niederlassungen in beiden Ländern geplant, aber letztendlich haben wir das Büro in Paris erst 2013 eröffnen können. Unser Verein sitzt jetzt in den jeweils für die Energiewende zuständigen Ministerien. Diese Verankerung ist unheimlich wichtig für eine gelingene Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern", betont Persem. "Im Bereich der erneuerbaren Energien hört man auf französischer Seite oft die Befürchtung, dass eine in Deutschland ansässige Organisation in erster Linie deutsche Unternehmen unterstützen würde. Davor wollte man sich schützen. Inzwischen bekommen wir vor allem neue Mitgliedschaftsanfragen von französischen Firmen, die von den Erfahrungswerten aus Deutschland profitieren wollen." Beide Seiten von der Zusammenarbeit zu überzeugen war ein hartes Stück Arbeit. "Es gab durchaus Momente, in denen wir uns die Sinnfrage gestellt haben: Wollen wir überhaupt weitermachen? Wollen beide Seiten wirklich kooperieren?"

Doch die Bedenken konnten schrittweise zerstreut werden - nicht zuletzt dank des steigenden Interesses an erneuerbaren Energien nach dem Reaktorunfall in Fukushima. Inhaltlich wurde die Arbeit auf die gesamte Umsetzung der Energiewende ausgedehnt. "Es gibt heute einen starken Willen, die Zusammenarbeit zwischen den Ministerien weiter zu verstärken", sagt Persem. So stand bei der Erklärung des Deutsch-Französischen Ministerrates im Januar die Energie an erster Stelle.

Nach einigen Jahren bei der Koordinierungsstelle in Berlin und einem sechsmonatigen Austausch bei der EU-Kommission in Brüssel wollte Mélanie Persem die Fäden zur alten Heimat Frankreich zumindest für eine Weile kappen und wechselte daher zum deutschen Bundesverband Solarwirtschaft. "Das war für mich auch eine Bestätigung: Ich bin Französin, kann aber in Deutschland auch ohne Frankreich leben", erklärt die junge Frau, die sich kürzlich hat einbürgern lassen und nun die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt. Letztendlich fand sie die deutsch-französische Vermittlung aber spannender und kehrte deshalb 2011 als Geschäftsführerin zum Deutsch- französischen Büro für erneuerbare Energien zurück. "Man wird sicher bis in alle Ewigkeit Theorien über die deutsch-französischen Beziehungen schreiben können und auch in der Praxis wird es nie langweilig. Man lernt jeden Tag dazu!"