Deutsche Exportmaschine gegen französischen Familienhof

ParisBerlin Deutsche ExportmaschineFrankreich ist weiterhin die größte Agrarnation Europas. Doch im Export haben die Deutschen die Franzosen überholt. Französische Landwirte beklagen den Wettbewerb. TEXT: CHRISTIAN SCHUBERT


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Dioxine entstehen unerwünscht bei chemischen Produktionsverfahren in Verbindung mit Chlor sowie bei Verbrennungsprozessen, darunter Waldbrände und Vulkanausbrüche". So lautet die Auskunft über die berüchtigten Giftstoffe beim deutschen Umweltbundesamt. Dass sie kürzlich in deutschem Futtermittel entdeckt wurden, zeigt nicht nur ihre "unerwünschte" Entstehung, sondern auch ihre unerwünschten Folgen. Mit der Schockwirkung eines kleineren Vulkanausbruchs wird den Verbrauchern derzeit die Zerbrechlichkeit der Nahrungskette bewusst. Tausende von deutschen Bauernhöfen wurden geschlossen, der Absatz in wichtigen Exportmärkten begann zu stocken.

Dennoch sind Agrarexperten zuversichtlich, dass die Affäre, die offenbar auf die kriminelle Energie einiger weniger zurückgeht, bald überwunden ist. "Die gute Nachricht ist, dass der Skandal recht schnell entdeckt wurde", sagt Frank van Tongeren, Landwirtschaftsexperte der OECD.

Die deutsche Landwirtschaft hofft daher, die Eroberung der Weltmärkte bald fortzusetzen. Sie erlebt seit einigen Jahren einen Exportboom, der mit ihrer gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit zu erklären ist. Diese geht in erheblichem Maße auf die mit der Wiedervereinigung hinzugekommenen Großbetriebe in Ostdeutschland zurück.

Da ist beispielsweise Bert Kämmerer, der in der Nähe von Erfurt ein Gut mit 3 600 Hektar Nutzfläche, mehr als 11 000 Mastschweinen und 630 Milchkühen führt. Der Betrieb, der zu DDR-Zeiten eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft mit tausend Bauern war, gehört heute siebzehn Eigentümern und hat 80 Vollzeitbeschäftigte. "Wir sind zufrieden mit den Ergebnissen der jüngsten Zeit", berichtet Kämmerer. Bei einem Umsatz von 8 Millionen Euro - zu dem 1,2 Millionen an EUSubventionen hinzukamen - erzielte sein Betrieb im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von 500 000 Euro. Durch technischen und genetischen Fortschritt sowie bessere Tierhaltung sei die Produktivität spürbar gestiegen, sagt Kämmerer. Eine Kuh bringe heute im Durchschnitt 10 000 Liter Milch im Jahr, zweieinhalb mal soviel wie vor zwanzig Jahren. Und auf einem Hektar Acker wachsen heute 70 Dezitonnen Getreide - fast fünfzig Prozent mehr als direkt nach der Wende.

Export: Deutsche verdrängen Franzosen

"Solche Betriebe haben wir gar nicht", sagt dagegen Claude Soudé vom französischen Landwirtschaftsverband FNSEA. Die Betriebsgröße in Frankreich sei zwar sehr unterschiedlich - eher klein im Süden und größer im Norden - doch "Betriebe über 1000 Hektar gibt es kaum". Die französische Landwirtschaftspolitik habe immer den familiären Betrieb favorisiert. Der Zukauf von Milchquoten anderer Bauern ohne Landtransfer ist beispielsweise nicht möglich, zudem redet beim Hinzupachten von Flächen immer.

TEXT: CHRISTIAN SCHUBERT