Das Beste aus beiden Kulturen zwischen deutschen und französischen Unternehmensgruppen

PB Deutsche und französische UnternehmensgruppenDie Konkurrenten Deutsche Telekom und Orange wollen mit einer gemeinsamen Beschaffungs-Plattform binnen drei Jahren mehr als eine Milliarde Euro einsparen. TEXT: KIM RAHIR


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Für eine Firma, die jährlich über die Verwendung von mehr als 13 Milliarden Euro entscheidet, ist BuyIn erstaunlich diskret. Das Gemeinschaftsunternehmen von Deutscher Telekom und dessen französischem Pendant Orange betreut seit 2011 den Einkauf der beiden Telekomriesen - „mit einem sehr klaren und sehr kurzfristigen Ziel, nämlich Einsparungen von 1,3 Milliarden Euro innerhalb von drei Jahren", erläutert Vize-Personalchef Jean-Michel Poulalion. Der französische Sitz des Joint Ventures ist in einem unauffälligen Bürogebäude im Süden von Paris untergebracht, die deutsche Vertretung befindet sich an wenig prominenter Stelle in Bonn. Die Zurückhaltung ist augenscheinlich gewollt: Schließlich ist BuyIn eine gemeinsame Einkaufsplattform zweier Konzerne, die auf dem Weltmarkt Konkurrenten sind. Konkurrenten, die im Jahr 2011 dank eines guten Drahtes zwischen den Chefs René Obermann und Stéphane Richard ihre gemeinsamen Interessen erkannten und das Einkaufsprojekt umsetzten.

Mit anfangs 100 Angestellten, mittlerweile sind es 250, arbeitet BuyIn seither an Einkaufslösungen, die beiden Seiten zum Vorteil gereichen. Der Sinn des gemeinsamen Vorgehens leuchtet unmittelbar ein. Gegenüber Konzernriesen wie Apple „deren Börsenwert ungefähr das Zweihundertfache von Orange ausmacht, sind Alleingänge heute nicht mehr möglich", sagt Poulalion. Die gebündelte Kaufkraft ermöglicht nun stärkere Verhandlungspositionen, weitere Synergie-Effekte werden durch die Angleichung der Systemanforderungen und durch länderübergreifende Kooperationen erzielt. BuyIn verhandelt die Rahmenverträge für den Einkauf von Netzwerk-Anlagen, Endgeräten und Service-Plattformen, die Kaufverträge werden jeweils von Deutsche Telekom, Orange oder den Tochtergesellschaften abgeschlossen.

Von Kulturschock keine Rede

Während die ökonomischen Vorteile des gebündelten Einkaufs auf der Hand liegen, scheint die Zusammenlegung der Einkaufsabteilungen zweier traditionsbeladener Großkonzerne nicht ganz so offensichtlich. Zwar sind bei BuyIn 22 verschiedene Nationalitäten vertreten, doch die wichtigste Aufgabe war das Zusammenwachsen der französischen und deutschen Belegschaften - 70 Prozent der Mitarbeiter des Joint Ventures wurden aus den Mutterhäusern rekrutiert. Von Kulturschock kann dabei keine Rede sein, wie Martin Böhne, der als General Secretary unter anderem für die Personalpolitik zuständig ist, mit einem Augenzwinkern erläutert. „Wir sind natürlich unterschiedlich, aber beide Seiten kommen aus einem großen Telekom-Konzern, also einem Umfeld, in dem uns in Sachen Offenheit, Toleranz und Flexibilität in der Vergangenheit schon einiges abverlangt wurde." Um die Zusammenarbeit zu erleichtern, wurden nach der Firmengründung einmal monatlich interkulturelle Seminare angeboten. „Es hat uns sehr geholfen, dass wir das gleich am Anfang gemacht haben", berichtet Poulalion.

Die Rückmeldungen der Angestellten seien durchweg positiv. Die größte Herausforderung für die Teams aus Bonn und Paris sei es, „gegenüber den mehr als 40 Tochtergesellschaften von France Télécom/Orange und Deutscher Telekom als ein Team aufzutreten", erläutert BuyIn-Chef Volker Pyrtek. „Es gibt die unterschiedliche Historie verschiedener Arbeitsweisen und kultureller Unterschiede. Diese fangen an mit der Durchführung von Meetings und enden mit der Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden."

Völlig unproblematisch ist die sprachliche Seite der Zusammenarbeit: Arbeitssprache ist Englisch. Zu Beginn wurden den Angestellten noch Kurse in der Partnersprache finanziert. „Doch es hat sich schnell herausgestellt, dass Englisch die wichtigere Sprache ist - weil nämlich in dieser Sprache mit den Lieferanten verhandelt wird", berichtet Cyrill Pourrat, Chef der Abteilung Procurement Excellence. Und so schwenkten die meisten Mitarbeiter nach einem Jahr auf Fortbildungen in Englisch um.

Komplexer ist da schon die rechtliche Seite des Gemeinschaftsunternehmens. Zum einen müssen Orange und Deutsche Telekom als Konkurrenten peinlichst genau darauf achten, nicht mit dem Kartellrecht in Konflikt zu kommen. Außerdem muss in der Behandlung der französischen und deutschen Angestellten eine Ausgewogenheit erzielt werden, „die nur funktioniert, wenn man das Gesamtbild im Auge behält", betont Poulalion. So steht auf dem Gehaltszettel der Franzosen wegen sehr viel höheren Abgaben ein kleinerer Betrag, andererseits können diese wegen der gesetzlichen Arbeitszeitverkürzung regelmäßig freie Tage nehmen, die den Deutschen nicht zustehen.

Und was die kulturellen Gegensätze betrifft, so „hängt das doch sehr vom Einzelnen ab", lacht Poulalion. Entgegen den bestehenden Klischees gebe es „extrem strukturierte Franzosen und sehr südländisch veranlagte Deutsche". Was ein deutscher Chef auf keinen Fall tun sollte, weiß Pyrtek auch: „ Ein deutscher Chef sein! Damit spreche ich zwei Dinge an: Zum Einen ist es nicht ratsam, die deutsche Führungskultur und deutsche Verhaltensweisen durchsetzen zu wollen. Zum Anderen: Ich bin der Chef aller Mitarbeiter von BuyIn. Ich möchte das Beste aus beiden Kulturen herausholen."

TEXT: KIM RAHIR