Arbeiten mit plus 50 in Frankreich und Deutschland

PB Arbeiten mit plus 50In Deutschland und Frankreich wurde das Renteneintrittsalter angehoben, doch der Anteil der Erwerbstätigen unter den 55- bis 64-Jährigen bleibt in beiden Ländern niedrig. Nach Lösungen wird diesseits und jenseits des Rheins gesucht. TEXT: RACHEL KNAEBEL


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"Ältere Arbeitnehmer bringen Erfahrung mit, nicht unbedingt mit Computern, aber sie haben ein Gespür für menschliche Beziehungen." Cornelia Rössel ist für Marketing und Personal in der Agentur ASL Leipzig verantwortlich. Das Unternehmen vermittelt Familien Haushaltshilfen. 70% ihrer 50 Arbeitnehmerinnen (exklusiv Frauen) sind älter als 50. Die meisten arbeiten direkt bei den Kunden, für die sie putzen, waschen und einkaufen gehen. "Wirtschaftlich ist es gut, weil unsere Kunden Älteren oft mehr vertrauen", so Cornelia Rössel. Die Dienstleistungsagentur ASL nimmt seit fünf Jahren an dem Bundesprogramm Perspektive 50 + teil. Das Programm wurde 2005 gegründet, um ältere Langzeitarbeitslose in den regulären Arbeitsmarkt einzugliedern. Im Jahr 2010 wurden insgesamt 250 Millionen Euro für das Programm bereitgestellt. Ein Teil davon unterstützt zum Beispiel Ausbildungsmaßnahmen und Lohnkostenzuschüsse in der ersten Arbeitsphase oder für Praktika. Letztes Jahr wurden dadurch 56 000 Personen in den Arbeitsmarkt integriert.

In Deutschland gilt die Verbesserung der Erwerbsquote der Generation 50+ als Priorität für den Erfolg der 2007 angenommenen Rentereform. Das Renteneintrittalter wird bis 2029 schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Heute liegt es aber durchschnittlich noch bei 63. Mit der jüngsten französischen Rentereform (das Rentenalter wird von 60 auf 62 angehoben) erregt die Frage der Erwerbstätigkeit der Älteren auch beim Nachbarn Interesse. Wer früher in Rente gehen will, erhält in beiden Ländern auch weniger Geld. Derzeit beträgt die durchschnittliche französische Grundrente 1113 Euro (692 Euro für Frauen, 1535 Euro für Männer). In Deutschland sind es 783 Euro (594 Euro für Frauen, 1029 Euro für Männer).

Bis 2013 dürfte Deutschland sieben Millionen Erwerbstätige verlieren, 17 Millionen bis 2060. Mit seiner guten Geburtenrate wird Frankreich dagegen bis 2060 rund 2,85 Millionen Erwerbstaätige dazu gewinnen. Der Anteil der Erwerbstätigen unter den 55- bis 64-Jaährigen liegt dort aber nur bei 39% im Gegensatz zu 56% in Deutschland.

Selbstbereitschaft und Einstellungsprämien

"Die Ausgangslagen sind sicher unterschiedlich. Der Trend ist aber in ganz Europa derselbe", sagt Dr. Rainer Thiehoff, Geschäftsführer des demografischen Netzwerks DDN. Die rund 250 deutschen Mitgliedsunternehmen tauschen dort ihre Praxis im Umgang mit älteren Arbeitnehmern aus. Ein Angehöriger des DDN ist BMW. Der Konzern hat schon eine ganze Produktionsstraße seiner bayerischen Autofabrik in Dingolfing für ältere Arbeitnehmer eingerichtet.

In Frankreich können Arbeitgeber Zuschüsse erhalten, wenn sie ältere Arbeitnehmer einstellen. Der französische Präsident hat im März die Einführung einer neuen Prämie von 2000 Euro angekündigt, die Unternehmen gezahlt wird, die Menschen über 45 Jahren einstellen. Die Unternehmensfachberaterin Nicole Turbé-Suentens, die Konferenzen für die französische Messe Salon Emploi Senior organisiert, bezweifelt, dass diese Maßnahmen Unternehmen dazu brächten, Ältere einzustellen.

"Wichtiger ist es, dass die Unternehmen das Alter ihrer Mitarbeiter genauer kennen, um dann die nötigen Maßnahmen zu treffen."

Ein Gesetz hat 2009 die französischen Unternehmen dazu verpflichtet, Aktionspläne und Vereinbarungen für die Arbeit der Älteren zu entwickeln. "Oft konzentrieren sich die Vereinbarungen auf die berufliche Weiterbildung", sagt Fabienne Caser, von der französischen Agentur Anact (Agentur zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen). "Die Frage der Arbeitsbedingungen wird in relativ wenigen Vereinbarungen behandelt. Die Unternehmen interessieren sich oft erst dafür, wenn sie mit erheblichen Gesundheitsproblemen ihrer Angestellten konfrontiert werden."

TEXT: RACHEL KNAEBEL