Arbeitszeit in Frankreich: Die 35-Stunden-Woche

Arbeitszeit in FrankreichEine Vollzeittätigkeit in Frankreich ist mit einer Arbeitszeit von 35 Stunden pro Woche definiert. Doch nicht nur in der regulären Stundenzahl unterscheidet sich die französische Arbeitsorganisation von der deutschen, auch hinsichtlich der Berechnung von Urlaubstagen, der Definition von Arbeitstagen und der Handhabung von Überstunden gilt es, sich über die wichtigsten Regelungen in Frankreich zu informieren.

Da an den Gesetzen des französischen Arbeitsrechts immer wieder Veränderungen vorgenommen wurden und werden, geben wir Ihnen im Folgenden eine Übersicht über den aktuellen Stand (Februar 2017).

Die 35-Stunden-Woche

Zunächst einmal ist eine Arbeitszeit von 35 Stunden pro Woche nicht mit der Maximal-Arbeitszeit gleichzusetzen, sondern dient lediglich als Referenz zur Berechnung von Überstunden, welche in der Regel gesondert vergütet oder durch Freizeit ausgeglichen werden müssen. Aus diesem Grund gibt es bei vielen Unternehmen Unterschiede in Arbeitszeitmodellen, während wiederum andere sich eher an tariflichen Vereinbarungen orientieren.

Die 35-Stunden-Woche in Frankreich

Arbeitszeit: « jours ouvrés » und « jours ouvrables »

Die Einteilung der Arbeitswoche hängt unter anderem von Unternehmen, Branche, Firmengröße sowie Region ab. In französischen Arbeitsverträgen wird ein Unterschied zwischen den Tagen gemacht, an denen gearbeitet wird - den jours ouvrés - und den Werktagen, an denen prinzipiell gearbeitet werden kann und die weder Sonn-, noch Feiertage sind - den jours ouvrables. Während bei einer Arbeitswoche mit jours ouvrés von Montag bis Freitag also der Samstag ein jour ouvrable ist, handelt es sich bei Geschäftstagen bzw. jours ouvrés von Dienstag bis Samstag beim Montag um einen jour ouvrable.

Berechnung der Urlaubstage

In Frankreich werden pro gearbeitetem Monat Urlaubstage „angesammelt" und „gutgeschrieben". Die Anzahl der Urlaubstage hängt davon ab, ob das Unternehmen oder die Organisation sich in der Art deren Berechnung auf die jours ouvrés oder die jours ouvrables bezieht. Bei einer Berechnung auf Basis der jours ouvrés erhält der/die Arbeitnehmer/in 2,08 Tage Urlaub pro Monat gutgeschrieben. Bei einer Berechnung basierend auf den jours ouvrables beläuft es sich auf 2,5 angesammelte Urlaubstage pro Monat - unabhängig davon, ob am sechsten Werktag tatsächlich gearbeitet wird oder nicht.

Berechnung der Urlaubstage in Frankreich

Wichtig zu erwähnen ist hinsichtlich letzteren Falles, dass Urlaubstage, die sich über einen jour ouvrable erstrecken, diesen miteinbeziehen. Konkret bedeutet dies: Wer in einem Unternehmen arbeitet, an dem der Samstag ein jour ouvrable ist, und sich Freitag und Montag freinehmen möchte, dem werden nicht zwei, sondern inklusive des Samstags drei bezahlte Urlaubstage abgezogen. Insgesamt kann der/die Arbeitgeberin dies aber nicht auf mehr als fünf Samstage pro Jahr anwenden, denn: 2,5 Urlaubstage x 12 Monate = 30 Urlaubstage = 5 Wochen = 5 Samstage.

Überstunden und Freizeitausgleich

Sofern keine gesonderten Abkommen in tariflichen Verträgen oder Betriebsordnungen vorliegen, gelten für die Entlohnung von Überstunden in der Regel die folgenden Bestimmungen: Für die ersten acht zusätzlichen Stunden, d.h. ab der 36. bis zur 43. Stunde, wird ein Stundenlohn mit 25 % Zuschlag bezahlt. Ab der 44. Stunde beläuft sich der Zuschlag auf 50 %. In keinem Fall aber darf der Zuschlag unter 10 % des Standard-Stundenlohns liegen. Jährlich dürfen nicht mehr als 220 Überstunden gearbeitet werden.

Es besteht auch die Möglichkeit, Überstunden ganz oder teilweise durch einen sogenannten Freizeitausgleich (repos compensateur de remplacement) zu ersetzen, sofern dieser im Tarifvertrag (convention / accord collectif) nach Genehmigung durch den Betriebsrat (comité d'entreprise / délégués du personnel) festgelegt worden ist.

Vertragliche Besonderheiten: Überstunden inklusive

In der Regel werden Überstunden mit einem höheren Stundenlohn oder durch „Abfeiern" kompensiert. Doch in Frankreich kann auch in einem Vertrag über eine 35-Stunden-Woche eine bestimmte Anzahl an Überstunden pauschal im monatlichen Gehalt mit inbegriffen sein. Insbesondere in Verträgen für Mitarbeiter der Kategorie „Cadre", d.h. Führungskräfte, kann dies vorkommen. Z.B. kann der/die Arbeitgeber/in monatlich zehn Arbeitsstunden zusätzlich verlangen kann, ohne dass der/die Arbeitnehmer/in für diese in irgendeiner Form entlohnt wird. Dem/der Arbeitnehmer/in kann diese Klausel allerdings nicht aufgezwungen werden, er/sie muss ihr zustimmen.

Vertragliche Besonderheiten Überstunden inklusive in Frankreich

Meist tritt diese Vertragsvereinbarung aber nur dann in der Praxis auf, wenn es für die Tätigkeit an sich nötig ist, einmal länger im Büro zu bleiben - auf keinen Fall bedeutet dies, dass Sie die erwähnten „Kann"-Stunden im Büro bleiben müssen! In jedem Fall ist es ratsam, seine Überstunden genau zu notieren.

Geschäftsreisen

Grundsätzlich gelten An- und Abreisetag auf Geschäftsreisen als Arbeitstage und die Reisezeit damit als effektive Arbeitszeit. Diese gehört dann entweder zur vertraglich festgelegten Arbeitszeit oder muss entsprechend der Überstundenregelung ausgeglichen bzw. entlohnt werden. Bei einer Auszahlung wird auch der grundsätzlich geltende erhöhte Satz für bspw. Sonn- und Feiertage berücksichtigt.
Hinzu kommt die gesetzliche Regelung, dass nicht mehr als 6 Tage am Stück gearbeitet werden darf. Die Verteilung der Arbeitszeit kann dann so geregelt werden, dass vor und/oder nach einer Geschäftsreise bspw. das zweitägige Wochenende in zwei eintägige Erholungstage aufgeteilt wird.

Erhöhte Arbeitszeit: Mehr als 35 Stunden pro Woche

Jenseits der 35-Stunden-Woche beläuft sich die vertraglich vorab vereinbarte Arbeitszeit, wenn, dann meist auf 39 Stunden pro Woche. Dabei hängt es vom Unternehmen und dessen convention collective ab, ob die vier zusätzlichen Stunden pro Woche als Überstunden ausbezahlt oder durch RTT (réduction du temps de travail) und damit Freizeit ausgeglichen werden. Die zusätzlichen freien Tage (jours de RTT) werden im Arbeitsvertrag entweder pauschal festgelegt oder reell anhand der angesammelten Stunden berechnet. Auch eine Kombination aus einer teilweisen Auszahlung und freien Tagen ist möglich.

Die maximale Arbeitszeit: 48 Stunden pro Woche

Zum Schutz von Angestellten existiert eine Regelung, welche die maximale Zahl an Arbeitsstunden pro Tag und Woche bestimmt.

Ein/e Angestellte/r darf in Frankreich nicht mehr als zehn Stunden pro Tag arbeiten und muss vor dem nächsten Arbeitseinsatz eine Pause von nicht weniger als elf aufeinanderfolgenden Stunden erhalten. Nach spätestens sechs Arbeitsstunden besteht ein Anrecht auf eine Pause von mindestens 20 Minuten. Insgesamt darf die Wochenarbeitszeit 48 Stunden nicht übertreffen, eine Pause von mindestens 35 konsekutiven Stunden muss gewährleistet sein. Über einen Zeitraum von zwölf Wochen darf die durchschnittliche Arbeitszeit 44 Stunden pro Woche nicht überschreiten.

Diese Regelung gilt nicht nur für Arbeitgeber/innen gegenüber Angestellten, auch Arbeitnehmer/innen haben sich daran zu halten, beispielsweise bei der Ausübung von zwei Jobs. Eine Überschreitung der hier angegebenen Arbeitsstunden kann nur die französische Arbeitsaufsichtsbehörde genehmigen.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf der offiziellen Website des öffentlichen Dienstes in Frankreich und auf Juritravail.com.