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Ziemlich beste Mitarbeiter: ein französischer Kinoerfolg gibt wichtige Impulse für die Personalpolitik in Frankreich

7. Juni 2012

Gehören Sie auch zu den Millionen von Deutschen, die den französischen Film Ziemlich beste Freunde gesehen haben? Von dem Erfolg des Films können Personaler noch viel lernen. Denn er ist nicht nur ein Beispiel für ein gelungenes Zusammenleben der Kulturen, man könnte den Film auch als ein Lehrstück für eine menschlichere Personalpolitik in französischen Unternehmen sehen.

Der Erfolg von Ziemlich beste Freunde basiert sicherlich zum Teil auch darauf, dass er auf so erfrischende Weise die herkömmliche Vorstellung davon, wie zum Beispiel eine schulische oder berufliche Laufbahn in Frankreich auszusehen hat, beiseite fegt und damit den Respekt vor der bestehenden Ordnung infrage stellt.

Bei der Rekrutierung steht in Frankreich der soziale Status viel zu sehr im Vordergrund

Besonders die sympathische Art der Hauptfiguren, die auf ihren Instinkt, auf ihr Herz hören, anstatt sich von althergebrachten Vorstellungen blenden zu lassen, hat vielen Zuschauern gefallen.

Denn eigentlich gelten in Frankreich allgemein die Elitehochschulen, die Grandes Écoles, als der Königsweg zu gut bezahlten Jobs in großen Unternehmen und damit zu einer erfolgreichen Karriere, jedenfalls für all jene, die überzeugend mathematische Gleichungen lösen können. Lebenserfahrung reicht hier bislang nicht aus, um gegenüber einem Hochschulabschluss bestehen zu können.

Daher auch die Schwierigkeiten des dualen Ausbildungssystems in Frankreich, das sich abmüht junge Talente anzuziehen, die selber wissen, dass sie nicht ins kalte Wasser geworfen werden müssen, um eine Arbeitsstelle zu finden.

In Frankreich werden oft Absolventen eingestellt, die die gleiche Elitehochschule wie der Chef besucht haben

Nach dem französischen Verständnis ist ein Einstellungsverfahren dann optimal, wenn der Absolvent dieselbe Elitehochschule wie der Chef besucht hat und sich Werdegang und Ausbildung damit eigentlich entsprechen. Nichts dergleichen gibt es bei Ziemlich beste Freunde. Die Wahl der Pflegekraft durch den "Arbeitgeber" Philippe, gespielt von François Cluzet, fällt auf eine Person ohne jeden Hochschulabschluss, höchstens mit einiger Gefängnis-Erfahrung.

Das Recht Fehler zu machen und nicht perfekt zu sein müssen, zeigt sich auch gleich beim ersten Treffen der Protagonisten: Obwohl der Pfleger Driss nach dem Diebstahl eines Fabergé-Eis aufgeflogen ist, wird er weder verraten noch rausgeschmissen.

Der Film wehrt sich gegen die Konventionen

Das große Interesse an Ziemlich beste Freunde liegt wohl auch an der heute ziemlich selten gewordenen Aufrichtigkeit der beiden Charaktere und wie sie an ihren Ansichten festhalten (die Weigerung, ein behindertengerechtes Auto zu benutzen oder Kompressionsstrümpfe anzuziehen), wie sie weder versuchen, ihre Überlegenheit unter Beweis zu stellen noch sich um ihre Wirkung scheren. Unsere auf Konventionen bedachte Gesellschaft ist blind für jene, die neue Wege beschreiten oder unsere Aufmerksamkeit auf Dinge lenken, die uns beschämen.

In dem Film zieht der Pfleger Driss neue Saiten auf (Rollstuhl mit Motor, Prostituierte) und verändert auf diese Weise letztendlich sein berufliches Umfeld. So entwickelt er neue Produkte, Dienstleistungen und Organisationen und zeigt damit, dass es sich lohnt denen eine Chance zu geben, die den Mut haben, Dinge besser zu machen, auch ohne Rücksicht auf bestehende Konventionen.

Das "savoir-être" zieht das "savoir-faire" vor

Bei "Ziemlich beste Freunde" verheimlicht Driss nie seine eigentliche Motivation an dem Job (Interesse an der Assistentin, und dass er eigentlich auf der Suche nach Unterstützung für die Assédic, Association pour l'emploi dans l'industrie et le commerce ist) und sein Desinteresse am Schicksal von Philippe, dem "Arbeitgeber" (keine Rücksicht auf die Behinderung). Er zeigt ein "savoir-être", also eine Charakterstärke, die es ihm unmöglich macht zu lügen, so dass er auch sein fehlendes technisches "savoir-faire" nicht versteckt, auch wenn das für die Stelle angebracht gewesen wäre.

Auf diese Weise liegt das Geheimnis des Erfolgs von diesem Film in der Erkenntnis, dass jeder, der in eine neue Umgebung kommt einen neuen Blickwinkel auf Dinge bekommen kann, auf die Methoden, die Organisation, die Reflexe, das Unausgesprochene; jede neue Erfahrung ist ein Gewinn, jede neue Perspektive ist konstruktiv und jede Idee birgt das Potential für Innovation - wenn man es denn zulässt und es zugelassen wird.

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