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Wo arbeitet man in Frankreich am wenigsten? Fehlzeiten auf dem Prüfstand

28. Januar 2013

Der Süden Frankreichs hat den ersten Platz der Region mit den meisten Fehlzeiten bei der Arbeit eingebüßt. Der Mittelmeerraum, der diesen Titel seit nunmehr fünf Jahren in Folge für sich beanspruchen konnte, wurde jetzt vom Norden und der Region Rhône-Alpes überholt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von 2012 der Alma Consulting Group.

Es ist ein völlig neuer Umstand, dass im vergangenen Jahr der Norden den Süden in puncto Fehlzeiten hinter sich gelassen hat - das erste Mal seit fünf Jahren. „Die Gründe sind in erster Linie wirtschaftlicher Natur, vor allem kleine mittelständische Unternehmen (KMUs bzw. PME) haben 2012 einen starken Anstieg registriert", erklärt die Studie von Alma Consulting zu den Fehlzeiten bei der Arbeit in Frankreich.

Paris und Umgebung hat vor dem Hintergrund einer viel dynamischeren und beweglicheren Arbeitswelt viel niedrigere Fehlzeiten im Untersuchungszeitraum gehabt. Der Westen war Spitzenreiter der Arbeitnehmer, die am wenigsten gefehlt haben.

Für die Untersuchung wurden 241 Unternehmen zwischen Januar und Juni 2012 befragt. Dabei wurden die Fehlzeiten durch Krankheit, Berufskrankheiten, Arbeitsunfälle und Wegeunfälle berücksichtigt. 

Fehlzeiten in Frankreich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Alma-Consulting

Französische Führungskräfte fehlen 5,6 Tage im Jahr

In seiner Gesamtheit könnte man sich schon damit zufriedengeben, dass in französischen Unternehmen die Fehlzeiten sehr gering sind. Sie sind laut der Studie im Durchschnitt von 17,8 Tagen im Jahr 2007 auf 14 Tage 2011 zurückgegangen. Aber man kann außerdem aus dieser Studie ableiten, dass die Krise die Mitarbeiter anzutreiben scheint, sich aus Angst um ihren Arbeitsplatz weniger krankzumelden.

Für Yannick Jarlaud, zuständig für Arbeitsschutz bei Alma Consulting, ist das „ein Phänomen, das immer wieder systematisch in Zeiten von Wirtschaftskrisen auftaucht. Das Gegenteil wäre eher überraschend."
Eine größere Überraschung ist da der Unterschied in den Fehlzeiten von Führungskräften (5,6 Tage im Jahr) zu denen von Arbeitern (17,7 Tage).

„Jenseits der großen Verantwortung hängt das sicher mit der hohen Einbindung der Führungskräfte in ihr Unternehmen zusammen. Sie können ihrer Arbeit Sinn geben, denn sie haben direkten Bezug zu den Ergebnissen ihrer Arbeit. Und zwar einfach deshalb, weil sie intern besser informiert sind."

Kleine und mittelständische Unternehmen sind stärker von Fehlzeiten betroffen als große Unternehmen

Allerdings zeigt die Umfrage auch andere überraschende Ursachen, die unter anderem für den großen Unterschied im Verhalten von Mitarbeitern in KMUs und großen Unternehmen verantwortlich sind. Entgegen der landläufigen Meinung, in großen Unternehmen wären Mitarbeiter viel schneller ersetzbar und fehlten daher auch häufiger, ist es das Gegenteil in der Realität.

In den Unternehmen mit mehr als 1000 Angestellten sind die Fehlzeiten am niedrigsten und liegen nicht über 3,7 %. Dagegen erreichen sie in kleinen mittelständischen Unternehmen mit weniger als 250 Angestellten eine Quote von 4,32 %. In Unternehmen mit zwischen 500 und 1000 Mitarbeitern liegt sie sogar bei 4,74%. Die Erklärung? „Große Unternehmen verfügen über eine effektive HR-Politik, mit einem guten Karriere-Management und vielen vorbeugenden Programmen und Maßnahmen." Kleine Unternehmen haben dafür weder die Mittel noch die Zeit. Das Personalmanagement erklärt auch das andere Paradox der Alma-Studie, das den Hoch- und Tiefbau betrifft.
Eigentlich müsste dieser Sektor, bei dem die Arbeit mit zahlreichen Risiken behaftet ist, alle Rekorde in Sachen Fehlzeiten sprengen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Mit einer Quote von 2,97%, steht dieser Bereich im nationalen Durchschnitt gut da (3,84%). „Gerade weil dieser Sektor so große Probleme hatte, hat er seit zehn Jahren nach Lösungen gesucht. Und das zahlt sich jetzt aus." Ergebnisse, die das Beratungsunternehmen gerne mitteilt: Fehlzeiten zu reduzieren ist eins der Haupttätigkeitsfelder von Alma Consulting. Daher auch die Veröffentlichung einer solchen Studie.

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