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Wichtigkeit der französischen Rechtschreibung in der Bewerbung und im Lebenslauf

23. Juli 2012

Als Bewerber nimmt man meistens den ersten Kontakt zu einer Firma in Frankreich auf, indem man die schriftlichen Bewerbungsunterlagen einsendet. Wie wichtig dabei die französische Rechtschreibung ist und auf was man besonders achten sollte, wollen wir Ihnen anhand von Projet Voltaire und Woonoz zeigen.

Eine neue Initiative in Frankreich: Das "Voltaire Zertifikat" für Rechtschreibung

Manch einer mag es belächeln, ein anderer sich darüber aufregen, es beglückwünschen oder ihm aus dem Weg gehen. Aber egal wie man dazu steht, man muss zugeben, dass es an Gewicht gewinnt. Wovon hier die Rede ist? Vom "Voltaire Zertifikat" für Rechtschreibung, das bei Unternehmen, Bewerbern und Arbeitnehmern in Frankreich bereits große Erfolge verbuchen kann. Ende Mai 2012 gab es schon 6.000 Personen, die das Voltaire Zertifikat erhalten haben und 700.000 Benutzer der Selbstlernplattform im Internet, auf dem Smartphone oder auf CD-Rom.

Die Idee hinter dem Zertifikat ist, dass man als Bewerber so die Möglichkeit hat, die Kenntnisse im Umgang mit der französischen Sprache im Lebenslauf wiedergeben zu können, ähnlich, wie das bereits mit dem Toeic (Test Of English for International Communication) für die englische Sprache möglich ist.

Im ersten Moment scheint das allerdings ein überflüssiges Dokument zu sein, wenn man davon ausgeht, dass ein französischer Bewerber, der das französische Schul- und Universitätssystem durchlaufen hat, die eigene Muttersprache auf einem hohen Niveau beherrschen sollte. Nichtsdestotrotz ist ein solches Zertifikat natürlich eine super Möglichkeit für deutsche Bewerber, um zu zeigen, welche Orthographiekenntnisse sie in der französischen Sprache haben. Denn genau das ist es, was viele Unternehmen heutzutage bei den Bewerbern (auch bei Franzosen) vermissen: Eine gute Beherrschung der Rechtschreibung und eine gute Ausdrucksweise. Da ist es kein Wunder, dass Orthographie-Trainer immer gefragter sind.

Rechtschreibung und E-learning mit Woonoz: Eine originelle Initiative

Un mél écrit "à l'anvère" (à l'envers), ça nuit à la "carhière" (la carrière) de celui qui le "raidige" (rédige). Sinngemäß: Eine Email, die falsch geschrieben ist, schadet der Karriere dessen, der sie verfasst hat. Und nicht nur das, im schlimmsten Falle schadet Sie auch dem Unternehmen, in dem diese Person arbeitet. Aber mit der Internetplattform Woonoz (Wortspiel aus englisch "Who knows") kann das nicht mehr passieren. 2010 hatte eine Firma in Lyon die Idee für dieses E-learning-Portal, sicher inspiriert durch den berühmten Toeic. Ebenso wie beim Voltaire-Zertifikat, kann der Bewerber in seinem Lebenslauf das Testergebnis angeben. Um die Berufswelt von ihrer Seriosität zu überzeugen, hat die Start-up-Firma ein Expertenteam zusammengestellt, zu dem unter anderem namhafte Pädagogen und der Weltmeister in Sachen Rechtschreibung gehören. Letzterer betreut über Twitter (Twitter @1fauteparjour) eine tägliche Fehlersuche: Jeden Morgen um 9 Uhr gibt es einen neuen Satz, in dem ein Fehler versteckt ist. Um 14 Uhr gibt es dann die Auflösung.

Was erwarten die Unternehmen von der Rechtschreibung eines Bewerbers?

Die Firmen und Personaler sind sehr streng, wenn es um Rechtschreibung geht. Macht ein Bewerber zu viele Rechtschreibfehler in den Bewerbungsunterlagen, kann das bereits ein Ablehnungsgrund sein. Dann wird der Bewerber gar nicht erst zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, weil man davon ausgeht, dass das geschriebene und gesprochene Französisch nicht ausreichend ist.

Es gibt allerdings schon sehr viele Unternehmen, die auf Rechtschreibtrainer oder -plattformen zurückgreifen, um die Rechtschreibfähigkeiten ihrer Mitarbeiter aufzufrischen. Da die Plattform Woonoz bereits mit über 100 Schulen, Universitäten und Ausbildungsstätten Verträge abgeschlossen hat, kann sie sich ohne Probleme in ganz Frankreich ausbreiten. Dabei erhebt sie von jedem Testteilnehmer eine Gebühr von 60 €.

Man könnte nun bei einer solchen Erfolgsgeschichte die Privatisierung der Rechtschreibung beklagen oder gar Vorwürfe erheben, dass ein solches Start-up-Unternehmen Profit schlägt aus den Problemen des französischen Schulsystems. Aber gleichzeitig muss man zugeben, dass die Firma mit einer solch genialen Idee den Unternehmen einen guten Dienst erweisen kann und ihre Rolle voll und ganz erfüllt. Schließlich kann man ihr nicht etwas vorwerfen, was im Bildungssystem seit Jahren auf der Strecke bleibt.

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