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Welche Jobperspektiven gibt es für Deutsche auf dem französischen Arbeitsmarkt?

16. Januar 2012

Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt 2015 in Frankreich? Was sollten deutsche Bewerber auf der Suche nach freien Stellen in Frankreich beachten? Wir haben Olivier Jacquemond, Geschäftsführer der deutsch-französischen Personalvermittlung Eurojob Consulting, zu den Perspektiven für Deutsche auf dem französischen Arbeitsmarkt befragt.

Zunächst einmal etwas Optimismus: Die Zusammenarbeit mit Deutschland wird für französische Chefs immer wichtiger.

Interview Olivier Jacquemond Eurojob-Consulting

O.J.: Laut einer Umfrage von Ubifrance (französische Agentur zur internationalen Unternehmensentwicklung) und IFRI (französisches Institut für Internationale Beziehungen) zu ihren Exportabsichten, gaben 57% der französischen Unternehmenschefs an, sich hauptsächlich auf Europa und hier besonders auf Deutschland zu konzentrieren.

Und bei etwas genauerer Betrachtung der Ergebnisse wird deutlich, dass auch innerhalb Europas Deutschland am ehesten von französischen Unternehmern angepeilt wird. Gleichzeitig gibt die Umfrage auch Hinweise über die Bereiche, wo Bedarf nach Arbeitskräften bestehen kann. Vor allem im kaufmännischen Bereich und im Export können demnach deutschsprachige Bewerber ihren Platz in französischen Unternehmen finden.

Allerdings ist die Situation etwas paradox, auf der einen Seite gibt es Bewegung auf dem Arbeitsmarkt, aber auf der anderen Seite sind alle durch die Krise in Frankreich beunruhigt.

In welcher Region in Frankreich hat man Chancen eine Anstellung zu finden?

O.J.: Laut dem Arbeitsmarktbarometer für 2015 des Personalvermittlers MANPOWER Frankreich, geben die befragten Unternehmen an, dass sie mit einer Wende auf dem Arbeitsmarkt rechnen.

Regionale Vergleiche zeigen, dass Arbeitnehmer im Norden- und Osten Frankreichs die einzigen sind, denen eine positive Nettobeschäftigung für das kommende Quartal vorhergesagt wird. Im Gegensatz dazu erwarten die Arbeitnehmer aus Südfrankreich, einen Rückgang in den Beschäftigungszahlen. 
Daneben zeigen die Regionen Ile-de-France und Westen eine Stagnation in der Netto-Beschäftigung.

Jobperspektiven für Deutsche auf dem französischen Arbeitsmarkt 2015

Source : www.manpowergroup.fr

In welchen Branchen wird in Frankreich eingestellt?

O.J.: Die Industrie, die Servicebranche, die IT-Branche und die Softwaredienstleister (SSII) laufen sehr gut. Im ersten Halbjahr 2014 waren außerdem kaufmännische Berufe gefragt. Man darf auch nicht vergessen, dass diese Berufe mehr als 30% der veröffentlichten Stellenangebote repräsentieren. Unternehmen haben immer Bedarf nach derartigen Profilen um sich auf dem Markt entwickeln zu können. Im Gegensatz dazu haben Arbeitnehmer aus der Baubranche/Tiefbau einen Rückgang der Beschäftigungszahlen zu erwarten.

Sollte man eine Anstellung in einem kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) oder bei einem der großen Unternehmen in Frankreich anstreben?

O.J.: Die großen Unternehmen sind ja trotz allem die, die - gemessen an der Menge - am meisten einstellen, aber wenn man sich die Unternehmen ansieht, die der Krise 2009 am besten widerstanden haben, sind das die KMUs (PME: Petite Moyenne Entreprise), die kleinen und mittleren Betriebe bzw. Industriebetriebe auf regionaler Ebene. Man sollte trotz der Möglichkeiten und Chancen vorsichtig bleiben und es sich gut überlegen, bevor man einen Arbeitsplatz kündigt. Aber gleichzeitig sollte man auch im Hinterkopf haben, dass jeden Tag, auch in Zeiten der Krise, ständig neue Positionen entstehen.

Was wird das konkret am Einstellungsprozess französischer Unternehmen ändern?

O.J.: Die Bewerber, die noch einen Arbeitsplatz haben, sind sicher vorsichtiger und die Ansprüche der Arbeitnehmer werden bestimmt etwas bescheidener ausfallen.
Der Prozess bis zur Einstellung eines neuen Mitarbeiters wird sich wahrscheinlich in die Länge ziehen, mit manchmal bis zu fünf oder mehr Vorstellungsgesprächen. Momentan sind aber alle noch wie gelähmt von der Erwartung, dass die Wirtschaft wieder in Gang kommt.

Der Arbeitsmarkt in Frankreich bleibt trotzdem sehr kompliziert für junge Hochschulabsolventen und ältere Arbeitnehmer...

O.J.: Es ist nicht einfach für sie. Die jungen Hochschulabsolventen, die auf den Arbeitsmarkt gekommen sind, kennen die vielen Schwierigkeiten. Profile junger Deutscher, die gerne in Frankreich arbeiten möchten oder die von älteren Arbeitnehmern konkurrieren eigentlich mit einem im Grunde gesättigten Markt.

Das wird dann dadurch deutlich, dass vermehrt prekäre Arbeitsverträge angeboten werden, also befristete Verträge oder Verträge über Zeitarbeitsarbeitsfirmen. Der deutsche Arbeitsmarkt bietet vielleicht eine gewisse Sicherheit, die man in auf dem französischen Markt nicht kennt...

Wie bereitet man sich auf eine Auswanderung nach Frankreich vor?

O.J.: Das Brutto-Gehalt ist in Frankreich niedriger als in Deutschland und mangels Informationen übertreiben manche Bewerber daher oft ihre Gehaltsforderungen. Wir bieten gratis eine persönliche Gehaltsschätzung zu Ihrem Profil an. Bei dieser Bewertung müssen die Differenz von netto/ brutto- Gehalt und regionale Unterschiede berücksichtigt werden.

Andere Schwierigkeiten, die auftreten können: Die Vorbereitung der Bewerbungsunterlagen und der Vorstellungsgespräche. Mit einem Lebenslauf "deutscher Art" oder mit Zeugnissen können französische Personalvermittler oder Personalverantwortliche, die andere Standards gewohnt sind, oft nicht viel anfangen.
Denn es gibt in Frankreich einige Besonderheiten beim französischen Lebenslauf, dem Anschreiben und hinsichtlich der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche zu beachten. Lesen Sie dazu zur Vorbereitung alle unsere praktischen Tipps zum Bewerben in Frankreich.

Wenn ein Franzose Ihnen nicht bei der Korrektur oder Übersetzung Ihres Lebenslauf helfen kann, bieten wir Ihnen auch einen Übersetzungsservice und ein Coaching an um Sie bei Ihrem Bewerbungsvorhaben zu unterstützen.

Weitere hilfreiche Informationen zum französischen Arbeitsmarkt 2015: