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Vier deutsch-französische Studiengänge unter der Lupe

27. Januar 2011

Erfolg in der Karriere gibt es heutzutage nicht ohne eine Etappe im Ausland. Vier Ideen für junge Europäer.



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Der Vergangenheit auf der Spur


In Bochum und Tours begeben sich die Studierenden des deutsch-französischen Doppelstudiengangs Geschichte gemeinsam auf die Spuren der Vergangenheit. Seit 2003 bieten die Universitäten François Rabelais in Tours und die Ruhr-Universität Bochum einen Studiengang an, bei dem die Studierenden sowohl den deutschen Bachelor of Arts erwerben, als auch die französische Licence. „Damit stehen den Absolventen in beiden Ländern die Türen für die Lehramtsausbildung und andere weiterführende Master weit offen", sagt Prof. Dr. Gerhard Lubich, der den Studiengang in Bochum betreut.


Bei der Auswahl der Kandidaten achtet er neben soliden Französischkenntnissen vor allem auf die persönlichen Eigenschaften der Bewerber: „Weiche Faktoren wie Offenheit, Flexibilität, soziale Kompetenzen und fachliches Engagement gehören auf jeden Fall dazu", betont Lubich. Schließlich gingen die Studierenden nicht zuletzt auch als Botschafter der Ruhr-Universität nach Tours. Wer es ins Programm schafft, profitiert von einer persönlichen Betreuung und in finanzieller Hinsicht von der Mobilitätsbeihilfe der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH). Für die Studierenden ergeben sich anschließend in beiden Ländern Möglichkeiten, weiterzustudieren. „Wer sich vorstellen kann, in Frankreich zu bleiben, der hat durch einen binationalen ersten Abschluss gute Möglichkeiten, in das sonst sehr restriktive französische Hochschulsystem hineinzukommen", so Lubich. Außerdem können die Studierenden ihrem Fach bald auch direkt treu bleiben: Ab dem nächsten Semester wird die bestehende Partnerschaft zwischen Bochum und Tours um einen binationalen Master-Studiengang Geschichte erweitert.



Kultur vermitteln


Seit 2001 kooperiert die Universität Hildesheim mit der Université de Provence in Sachen Kulturvermittlung: „Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis" heißt es in Hildesheim, „Médiation Culturelle de l'Art" in Marseille. „Die beiden Studiengänge haben eine sehr ähnliche Ausrichtung, da bietet sich eine Kooperation einfach an", sagt Heike Denscheilmann. Die Pogrammbeauftragte des deutsch-französischen Doppelstudiengangs ist selbst Absolventin und weiß daher aus eigener Erfahrung um die Besonderheiten des Studiengangs: „Im Mittelpunkt steht in beiden Ländern die Auseinandersetzung mit den Künsten - immer bezogen auf Kulturvermittlung." Die Studierenden wählen ein künstlerisches Hauptfach wie Bildende Kunst, Theater, Literatur, Medien oder Musik und ergänzen dieses Hauptfach mit Seminaren zum Thema Kulturphilosophie oder Kulturmanagement. „Im Wahlbereich können zum Beispiel auch pädagogische Schwerpunkte gesetzt werden", ergänzt Denscheilmann.


In Frankreich gibt es einen zweiten Schwerpunkt Kulturvermittlung, der das Publikum ins Zentrum der Ausbildung stellt: Wer ist mein Publikum? Wie kann ich es kennen lernen und wie bekomme ich es in eine kulturelle Veranstaltung? Um dem Bologna-Prozess Rechnung zu tragen wird in Hildesheim gerade an der Umstellung auf den Master gearbeitet. Bisher sind die Studierenden in Hildesheim im Diplomstudiengang und in Marseille im Master eingeschrieben. „Das wollen wir jetzt angleichen", sagt Denscheilmann. Bewerber sollten kulturelle Kompetenzen und natürlich Sprachkenntnisse in Französisch und Deutsch mitbringen. „Das ist einfach wesentlich, um ein komplettes Studium auch im Partnerland erfolgreich bewältigen zu können."



International Business


Seit Ende 2007 wird an der Fachhochschule Dortmund am Fachbereich Wirtschaft der Bachelor-Studiengang International Business angeboten. Kooperationspartner in Frankreich sind die École de Management International in Cergy-Pontoise und die École de Commerce in La Rochelle. In acht Semestern erwerben die Studierenden den Grad eines Bachelor of Arts der FH Dortmund und den Abschluss der französischen Partnerhochschule. Wer sich für das Programm bewirbt, braucht ersteinmal gute Noten: „Wir stützen uns bei der Auswahl der Studenten in erster Linie auf den Abiturdurchschnitt", erklärt Dr. Werner Müller-Pelzer, Programmbeauftragter der FH Dortmund. Außerdem müssen alle Kandidaten Englischkenntnisse auf dem Niveau B2 mitbringen und wer sich für einen französischen Doppelstudiengang bewirbt, muss natürlich die entsprechenden Sprachkenntnisse in Französisch mitbringen. Um die Überprüfung der Englischkenntnisse kommen auch die Bewerber für einen deutsch-französischen Studiengang nicht herum: „Die erste und globale Sprache ist einfach Englisch", betont Müller-Pelzer. „Das ist eigentlich keine Fremdsprache mehr, das ist Handwerkszeug."


Während des Studiums verbringen die Studierenden dann zwei Studiensemester und ein Praxissemester in Frankreich. In dieser relativ langen Phase im Ausland sollen die Studenten ein tieferes Verständnis des Landes und des Wirtschaftslebens vor Ort erwerben. „Damit beweisen die Studenten, dass sie sich im Ausland nicht nur über Wasser halten, sondern dass sie verantwortungsvoll handeln können", sagt Müller-Pelzer. Bei einem betriebswirtschaftlichen Studiengang sei das unbedingt notwendig.


Time-Ingenieure


„Die Absolventen sind begehrt", sagt Christoph Steber. Der Direktor des International Office der TU München spricht von den Studierenden, die das TIME-Programm durchlaufen haben. TIME steht für Top Industrial Managers for Europe und ermöglicht den Studierenden der Ingenieurwissenschaften auch deutsch-französische Doppelabschlüsse. Partneruniversitäten in Frankreich sind zum Beispiel die École Centrale und die École Polytechnique in Paris oder das Institut Supérieur de l'Aéronautique et de l'Espace (ISAE) in Toulouse. Seit 1989 besteht die Partnerschaft zwischen der Fakultät Maschinenwesen der TU München und den verschiedenen französischen Hochschulen. Die Studierenden beginnen ihre Ausbildung in München und gehen - je nach Kooperationspartner - nach dem zweiten oder dritten Studienjahr für zwei Jahre nach Frankreich. Danach kommen sie wieder zurück nach München, um das Studium zu beenden.


Ein Spaziergang ist das nicht: „Für eine Doppeldiplomierung muss auch mehr geleistet werden", betont Christoph Steber. Das Studium verlängert sich um ein Jahr und es werden 60 Credits mehr verlangt. „Aber dafür bekommt man auch zwei Diplome renommierter europäischer Institute", so Steber. Wer das anspruchsvolle Programm meistert, hat sowohl das deutsche Diplom bzw. den Master of Science, als auch den französischen Abschluss der Partnerhochschule in der Tasche. Die Berufsaussichten sind dementsprechend positiv: „Einer der ersten Absolventen des Programms hat nach seinem Abschluss direkt eine Joghurtfabrik in Russland aufgebaut", erinnert sich Steber. Nicht nur in diesem Fall habe sich das TIMEProgramm als internationaler Türöffner bewährt.



TEXT: YVONNE PÖPPELBAUM